45-jähriger zu Tode geprügelt

Ich kann nicht behaupten, daß mir solche ritualisierten Besäufnisse wie am Vater-/Herrentag besonders gefallen. Da ich keinen Alkohol trinke, sehe ich nicht den Sinn darin, mir die Kante bis zur Besinnungslosigkeit zu geben, total besoffen durch die Gegend zu torkeln und am nächsten Tag nicht mehr zu wissen, was überhaupt los war. Mal von der eh schon peinlichen Herumgröhlerei abgesehen, steigt wohl auch die Rate von Prügeleien durch die vom Alkohol herabgesetzte Hemmschwelle. Während es aber in der Regel dabei eher bei Nasenbluten bleiben dürfte, ist es am S-Bahnhof Warnemünde gestern zu einem Gewaltexzess gekommen, bei dem ein 45-jähriger aus dem Landkreis Bad Doberan zu Tode geprügelt wurde, wie u.a. Spiegel berichtet

Die Attacke ereignete sich am Nachmittag auf dem S-Bahnhof Rostock-Warnemünde. Das 45-jährige Opfer wartete am Bahnsteig 3 auf seinen Zug, als es von einer Gruppe betrunkener Männer angegriffen wurde.

Die Meute attackierten den Mann mit Schlägen gegen den Kopf. Noch am Bahnsteig musste er von einem Notarzt wiederbelebt werden. Anschließend wurde das aus dem Kreis Bad Doberan stammende Opfer in ein Krankenhaus gebracht. Dort starb der Mann am frühen Abend.

Ich weiß nicht, was solche Leute ausgerechnet immer an Bahnhöfen dazu treibt, andere Leute verprügeln zu wollen, aber gestern dürfte ein wesentlicher Grund wohl der hohe Alkoholpegel der angreifenden Gruppe sein. Das ist aber nicht immer der Fall. Aber wieder einmal hat die an Bahnhöfen übliche Videoüberwachung auch hier die Tat nicht verhindert und es scheint sogar so, als wenn der Vorfall außerhalb des videoüberwachten Bereichs passiert ist, da es andernfalls bestimmt schon Fahndungsbilder in den Medien gäbe. Trotzdem fürchte ich, daß die üblichen Politiker wieder die Mottenkiste "mehr Videoüberwachung" herauskramen werden.

Interessanterweise laufen am Bahnhof bei verschiedenen Anlässen immer verstärkt Polizei und Sicherheitsdienste herum, was sicherlich auch gestern der Fall gewesen sein dürfte. Trotzdem wurde die Tat nicht verhindert. Auch nicht von anderen Passanten. Gibt es keine Zivilcourage mehr? Sind wir schon so verroht, daß wir lieber wegschauen, wenn jemand am Boden liegt und Tritte gegen den Kopf bekommt? Und was treibt die Täter an, daß sie so ausrasten? Fragen, auf die es wohl keine Antwort gibt.

UPDATE: NDR und Spiegel berichten inzwischen, daß mehrere Verdächtige festgenommen wurden und daß es doch Videoaufnahmen gab: 

Aufzeichnungen der Videokameras an den Bahnsteigen brachten offenbar den entscheidenden Hinweis. Die Verdächtigen hatten sich nach Informationen des NDR in einem Geschäft in der Nähe des Tatorts in Warnemünde versteckt. Knapp drei Stunden nach der Tat seien sie dort festgenommen worden. Nach Zeugenaussagen soll es sich bei den Tätern um drei bis fünf alkoholisierte Männer gehandelt haben.

UPDATE:
Auch die TAZ hat etwas zum Thema und vor allem auch zur Zivilcourage/Hilfsbereitschaft der Passanten:

Eine Augenzeugin sagte am Freitag im ZDF, sie habe gesehen, wie mindestens fünf oder sechs Männer sich auf dem Bahnsteig geprügelt hätten. Nach einem Faustschlag ins Gesicht sei einer der Männer zusammengebrochen und mit dem Gesicht auf dem Bahnsteig gefallen.

Menschen seien zu Hilfe geeilt. "Die haben sogar Mund-zu-Mund-Beatmung gemacht, die haben gepumpt – bis der Krankenwagen kam", sagte die Frau.

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