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Finanzlobby vs. Netzpolitiklobby

Die Digitale Gesellschaft (digiges) wurde Anfang des Jahres ins Leben gerufen, um eine Lobbyorganisation für die Interessen der Internetuser zu sein. Daß es bislang noch nicht allzu viel von ihr zu hören gab, mag eventuell daran liegen, daß sie erst noch ihre Arbeit aufnehmen muss. Aber dennoch habe ich bei der digiges so meine Zweifel, daß sie da erfolgreicher sein wird als Netzpolitik.org, das sich schon seit ein Paar Jahren einen guten Ruf erarbeitet hat. Irgendwie habe ich das Gefühl, daß die digiges den falschen Ansatz verfolgt.

Die TAZ berichtete nun gestern über einen etwas anderen und vermutlich weitaus erfolgreicheren Ansatz: 

Während die Steuerzahler für die Fehler der Banken und Finanzdienstleister zahlen, können die weiterspekulieren. Dass sich das ändert, ist das Ziel von Finance Watch, einer neuen Nichtregierungsorganisation. Über 50 Verbände und Einzelpersonen treffen sich heute in Brüssel zur Gründung des "Greenpeace der Finanzwelt".

Der Ansatz ist insofern vielversprechend, weil die dahinterstehende Basis eine andere ist. 50 Organisation und Einzelpersonen, und nicht nur ca. 20 Einzelpersonen wie bei der digiges, haben hier eine Lobbyorganisation ins Leben gerufen, die der Finanzbranche auf die Finger schauen soll. Also ähnlich wie digiges es für netzpolitische Themen machen möchte. Der Artikel geht noch ein wenig auf die Hintergründe ein, die zur Gründung von Finance Watch geführt haben, aber das Interessanteste und Wichtigste kommt ganz zum Schluß: 

Zwar werden bei der NGO zunächst nur zwölf Mitarbeiter tätig sein, aber Thierry Philipponnat ist zuversichtlich: "Wir werden den Banken gehörig auf die Nerven gehen. [...]

Die Beiträge der Mitglieder machen nur zwei Prozent des Jahresbudgets von rund zwei Millionen Euro aus.

Ich kenne die Finanzierung der digiges nicht, die sich ja auch mit Einzelheiten zu ihrer Organisation und sonstiger Eckdaten sehr zurückhält. Aber Finance Watch startet mit 12 Mitarbeitern und einem Jahresbudget von 2 Mio. Euro! Damit kann man arbeiten. Und genau das ist es, was mir bislang bei jedem Ansatz einer Lobbyorganisation für Netzpolitik fehlt: ein solides Funding und feste Mitarbeiter. Sicherlich kann man engagierten Freiwilligen auch was bewegen, aber wie man an MOGiS und Christian Bahls sieht, muss man viel Zeit in Brüssel verbringen, was entsprechende Kosten verursacht. Außerdem dürfte ein Einzelner auch ziemlich mit der schieren Anzahl an Politikern überfordert sein, die es zu kontaktieren und zu überzeugen gilt.

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Comments

Hmm aber es kann doch bei digges jeder mitmachen? Auch sind das ja keine Unbekannten, die da wirken.

Aber klar ich stehe der Sache auch ein wenig skeptisch, dennoch auch irgendwie neugierig gegenüber :)

Mitmachen ist so eine Sache bei der digiges. Mitmachen in Hinblick auf Mitarbeit ja, aber nicht wenn Entscheidungen anstehen. Das kann vorteilhaft fuer die digiges sein oder auch nicht.

Neugierig bzw. gespannt bin ich wegen der digiges auch, aber solange die nicht etliche Vollzeitstellen finanzieren koennen, habe ich da in Hinblick auf den Erfolg halt Bedenken...

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