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GPS-Wanzen: Automatisches Notrufsystem in Neuwagen

Wie ich vorhin im Radio gehört habe, plant die EU ein gesetzlich vorgeschriebenes automatisches Notrufsystem für Neuwagen. Bisher war dieses System freiwillig. N-tv schreibt: 

Ab 2015 sollen nach Willen der EU-Kommission in allen Neuwagen automatische Notrufsysteme eingebaut werden. Der sogenannte eCall solle bei Unfällen selbsttätig die Rettungsleitstelle anrufen, heißt es in einem EU-Plan, den die Kommission am Donnerstag offiziell vorstellen will. Pro Wagen soll die Ausrüstung weniger als 100 Euro kosten. [...]

Der Notruf wird den Plänen zufolge abgesetzt, wenn im Wagen Detektoren einen "schweren Aufprall" melden. Nach Ansicht von Fachleuten könnte beispielsweise ein aktivierter Airbag das Notsignal auslösen. Dieses wählt dann über das Mobilfunknetz den Notruf 112 und gibt den Standort des verunglückten Wagens an. Bei Unfällen auf der Autobahn wird auch die Fahrrichtung übermittelt. Zudem soll manuelles Auslösen zum Beispiel durch einen Helfer am Unfallort möglich sein.

Das hört sich ja alles erst einmal super an! Rettungskräfte können sehr viel schneller am Unglücksort sein und bei Massenkarambolagen weiß man auch gleich, wieviele Rettungskräfte in etwa benötigt werden. Außerdem würden dann Stories der Vergangenheit angehören, bei denen Leute mit ihren Autos auf einsamen Landstraßen in der Böschung neben der Straße stundenlang auf Hilfe warten mussten. Alles super!?

Mitnichten! Denn was so ein automatisches Notrufsystem auch bedeutet, fällt nur allzu leicht unter den Tisch. Technisch umgesetzt wird es wohl einfach dadurch, daß ein GSM-Gerät, also praktisch ein Handy, in das Auto eingebaut wird. Löst der Airbag nun bei einem schweren Unfall aus, wird eine SMS an die 112 geschickt und damit auch gleichzeitig die Standortdaten. Soweit ist ja alles gut und schön, nur leider wissen wir, daß die Bundesregierung, diverse Parteien und z.B. das BKA eine Vorratsdatenspeicherung verankern wollen.

Das bedeutet aber auch, daß dieses Notrufsystem zu einer automatischen GPS-Wanze wird. Sobald den Behörden bekannt ist, welche Rufnummer oder IMEI-Nummer das Notrufsystem im Auto hat, kann es jederzeit die aktuelle Position des Autos über sogenannte Stille SMS orten. Sie müssen also nicht einmal mehr selber eine GPS-Wanze an den Fahrzeugen anbringen. Wie praktisch und kosteneffizient.

Zusammen mit den übrigen Daten der Vorratsdatenspeicherung, von der es eine nette Visualisierung dank Malte Spitz gibt, lassen sich noch detailliertere Benutzer- und Bewegungsprofile anfertigen. So zum Beispiel auch dann, wenn jemand kein Auto hat, aber mit seinem Mobiltelefon bei einem Freund, der vielleicht kein Handy hat, mitfährt. Durch die Überlagerung der Daten lassen sich dann auch soziale Kontakte herausfiltern.

Ein automatisches Notrufsystem hört sich super an und macht auch wirklich Sinn, aber wir dürfen dabei dann nicht den Datenschutz und die höchstrichterlichen Vorgaben der Verfassungsrichter aus Karlsruhe vergessen. Das heißt dann im Prinzip, daß der Zugriff auf die Daten ausschließlich auf die Notrufzentralen beschränkt werden muss. Im Idealfall schaltet sich das GSM-System im Auto sowieso nur nach einem schweren Unfall ein und bleibt ansonsten ausgeschaltet und damit nicht ortbar. Die Erfahrung zeigt aber, daß weder das eine noch das andere so kommen wird, sondern daß wir zukünftig mit gesetzlich vorgeschriebenen GPS-Wanzen in Neuwagen noch mehr über unser Privatleben verraten werden. Erich Mielke würde sich sicherlich über diese Willfährigkeit diebisch freuen.

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