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Der Castor und die Kosten

Schon im Vorfeld des Castor-Transports am Wochenende wurde viel über die Kosten gesprochen, die der Transport und der Polizei-Einsatz verursacht. Es haben sich ja, wie gestern geschrieben, auch Politiker dafür ausgesprochen, daß die Demonstranten die Kosten für den Polizeieinsatz tragen sollen. Wie das gehen soll, ist mir allerdings schleierhaft. Sollen Tickets im Vorfeld verkauft werden und Drehkreuze im Wald aufgestellt werden. Eine Stunde Demonstration € 10.-?

Angeblich belaufen sich die Kosten ja auf ca. € 50 Mio. Die muss der Staat und also der Steuerzahler, mithin also bereits die Demonstranten selber, aufbringen. Dafür macht dann aber auch die Atomindustrie großflächig auf den Castor-Transportbehältern Werbung für ihre Webseite. Doch all das sind eigentlich, um es mal einem Zitat zu sagen, "Peanuts".

Die Taz berichtete dieser Tage auf ihrer Webseite über die wahren Kosten der Kernkraft, die der Staat zu tragen hat:

5,5 Billionen Euro. 5.500 Milliarden Euro. Es ist eine Zahl die fast unvorstellbar ist. Und doch gibt es sie: Sie ist der geschätzte wirtschaftliche Schaden den eine Kernschmelze in Deutschland  anrichten würde. Zum Vergleich: Der gesamte Haushalt der Bundesregierung liegt bei gut 350 Milliarden Euro; das deutsche Bruttoinlandsprodukt bei etwa 2.500 Milliarden Euro. Das Land wäre bankrott. Die Opfer eines solchen Unglücks lassen sich zudem kaum in Zahlen bemessen.

Nun sind das ja nur die Zahlen, die im Falle eines GAUs auf uns zukämen. Würde man dieses Risiko in Form einer Umverteilung einer Versicherung auf alle Strom-Konsumenten verteilen, so käme ein Strompreis zustande, den wohl niemand zahlen will: 

Selbst wenn man berücksichtige, so die Autoren, dass ein Super-Gau rein rechnerisch nur alle 30.000 Jahre stattfinden würde, müsste jede Kilowattstunde Atomstrom mit 3,60 DM versichert werden.
Inflationsbereinigt wären das heute 270 Eurocent pro Kilowattstunde, die mehr gezahlt werden müssten, fast das 77-Fache des Preises, den die Atomkonzerne angeben.

Wer glaubt, daß so ein Unglück ja gar nicht passieren kann, weil uns die Atomlobby die Kernenergie ja immer als so sicher verkauft, der sei zahlreiche Zwischenfälle in diversen deutschen Atomkraftwerken in den letzten paar Jahren verwiesen.

Auch die Kosten der Zwischen- und Endlagerung werden nicht von den Energiekonzernen getragen, sondern auch von der Allgemeinheit, auch wenn im im Gesetz Gegenteiliges steht bzw. das Bundesumweltministerium verlautbaren läßt:

Entsprechend dem Verursacherprinzip sind die Erzeuger bzw. Ablieferer radioaktiver Abfälle, z.B. Kernkraftbetreiber , gesetzlich verpflichtet, die gegenwärtigen und zukünftigen Kosten für die Endlagerung (Errichtungs- und Betriebskosten) einschließlich der Kosten der späteren Stilllegung der Endlager zu tragen (§§ 21a, 21b AtG i. V. m. der Endlagervorausleistungsverordnung – Endlager VIV). Auch die bei den Abfallverursachern bis zur Ablieferung an ein Endlager oder eine Landessammelstelle anfallenden Kosten, z.B. für Konditionierung und Zwischenlagerung der radioaktiven Abfälle, werden von den Abfallverursachern getragen.

Es ist mehr als fraglich, ob das für die Dauer der Endlagerung, die mit 1 Mio. Jahren angegeben ist, auch so bleiben wird. Wenn es, wie in der Asse geschehen, zu einem Malheur kommt und Wasser in den Salzstock eindringt, könnte das schnell zu enormen Kosten führen, die selbst ein solches Unternehmen wie RWE oder Vattenfall schnell ruinieren dürften. Laut Taz sind Atomunfälle nur bis € 2.5 Mrd. durch die Unternehmen versichert. Es ist damit zu rechnen, daß höhere Kosten durch den Staat zu tragen sind.

Insofern ist Atomkraft eine mehr als riskante und zudem noch teuere Angelegenheit. Die Verlängerung der Laufzeiten durch die schwarz-gelbe Regierung Merkel also zukunftspolitisch völlig kurzsichtig, rückwärtsgewand und gefährlich.

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