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Polizei kesselt bei Castor-Einsatz

Offenbar sind die Proteste gegen den Castor-Transport außerordentlich erfolgreich. Der Zug mit den Castor-Behältern ist über Nacht stehengeblieben und die Besetzung der Gleise wird erst jetzt in den Morgenstunden geräumt. Die Zahlen reichen von 2000 bis 5000 Bahngleis-Besetzern.

Auch berichtet der Castorticker auf Twitter, daß die Leute von der Polizei eingekesselt werden. Das heißt, daß die Leute wohl offensichtlich nicht gehen können, selbst wenn sie es wollten. Spätestens seit dem Hamburger Kessel sollte hingegen aber bekannt sein, daß Einkesselungen nicht rechtens sind. Dennoch werden diese immer wieder durchgeführt.

Daß nun der Castor bis heute morgen stehen bleibt, ist wohl der Erschöpfung der Polizisten geschuldet, wie auch Spiegel berichtet: 

Zusätzlich teilte Rainer Wendt, der Vorsitzende der Deutschen Polizei-Gewerkschaft, der Nachrichtenagentur dpa mit, der Castor-Transport solle erst mal bis Montagmorgen stillstehen, weil die Polizisten am Ende ihrer Kräfte seien.

Dummerweise steht der Zug mit den Castoren nun aber im Bahnhof Dahlenburg und die Anwohner sind dementsprechend über die Strahlung besorgt und haben deshalb Greenpeace um eine Messung gebeten, wobei es aber zu Problemen mit der Polizei gekommen ist, wie Greenpeace berichtet: 

Die Anwohner hatten Greenpeace telefonisch darum gebeten, die Strahlungsbelastung in ihrem Haus zu messen. Ein Team um den Kernphysiker und Greenpeace-Atomexperten Heinz Smital fuhr deshalb mit den notwendigen empfindlichen Messgeräten von Dannenberg nach Dahlenburg. Dort wurde ihnen der Durchgang zum Haus nicht nur verweigert, er wurde von der Polizei auch mit körperlicher Gewalt verhindert.

Es ist schon ein starkes Stück, daß Personen vom Zutritt eines Privathauses ohne wichtigen Grund (es geht keine Gefahr davon aus) mit körperlicher Gewalt ferngehalten werden, obwohl dieser Zutritt so von den Bewohnern gewünscht wird. Zum Glück hat die Polizei aber offensichtlich eingesehen, daß dies ein Unding ist und den Zutritt mittlerweise gestattet.

Um aber nochmal auf die übermüdeten und somit gereizten Polizeibeamten zurückzukommen

Neben Unterkühlungen und den üblichen Polizeigriffveretzungen wurde bei der Räumung in Harlingen einem Menschen die Schulter zertrümmert.

Das dürfte kaum unter Einsatz von einfacher körperlicher Gewalt und somit von der Verhältnismäßigkeit der Mittel fallen. Jan Albrecht (MdEP, Grüne) kündigt derweil ein politisches Nachspiel an.

P.S.:
Wer übrigens von den Begriffen Castor-Transport, Zwischenlager, Endlager und so weiter verwirrt ist, sollte unbedingt den Artikel von Andreas Maier bei Zeit-Online vom 20.11.2003 lesen.

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