Bundespräsident Wulf oder Gauck?

Nachdem Horst Köhler letzte Woche als Bundespräsident zurückgetreten war, ging die Suche nach einem Nachfolger los. Erst sah es so aus als wenn Ex-Familienministerin v.d. Leyen als Kandidatin der Union vorgeschlagen werden sollte. Aber zum Glück war das nur ein kurzes Intermezzo und schon bald wurde Christian Wulff von der CDU als Anwärter für den freien Posten vorgeschlagen. Zwar ist Wulff eine bessere Wahl als Bundespräsident als v.d. Leyen, aber ein idealer Kandidat ist auch nicht. Auch wenn die Union uns das Glauben machen möchte.

Dies hat die Opposition in Form von SPD und Grünen auch erkannt und kurze Zeit später dann Joachim Gauck als Gegenkandidat aufgestellt. Lediglich die Linke hat wohl historisch begründete Bedenken, wie es mir erscheint. Im Gegensatz zu Wulff erscheint Gauck als der bessere Kandidat. Warum das so ist, erklärt ironischerweise Wulff selber in einem Artikel bei Spiegel Online

Der niedersächsische Ministerpräsident fühlt sich durch seine Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten von Union und FDP geehrt: "Die Perspektive für ein solches Amt eröffnet zu bekommen, zeugt von großem Vertrauen und ist eine Ehre." Einen guten Bundespräsidenten zeichnet nach Ansicht Wulffs die Nähe zu den Menschen aus: "Er muss überparteilich, bürgernah sein und zuhören können."

Damit disqualifiziert sich Wulff gewissermaßen selber für das Amt des Bundespräsidenten, denn als überparteilich kann man Wulff bezeichnen. Das sehen auch die Mitglieder des Koalitionspartners FDP so: 

"Mit Wulff, von der Leyen, Lammert und Schäuble standen von Anfang an nur CDU-Parteisoldaten zur Auswahl", kritisierte Thüringens FDP-Generalsekretär Patrick Kurth im SPIEGEL die Kandidatenkür. "Die Parteiführung muss deutlich machen, welche strategischen Vorteile die Kür Wulffs für uns bringt." Sein Landesverband habe noch nicht entschieden, ob er Wulff oder den Gegenkandidaten Gauck unterstütze. In Sachsen sieht man es ähnlich.

Das Amt des Bundespräsidenten sollte, wie gesagt, von einem überparteilichen Kandidaten besetzt werden, nicht von einem "Parteisoldaten", wie sie von der Union ins Gespräch gebracht wurden. Der Bundespräsident ist kein Erfüllungsgehilfe oder Befehlsempfänger der Regierung oder des Kanzlers, sondern eine "neutrale Gewalt", wie es Wikipedia nennt.

Auch wenn Wulff wie ich aus Osnabrück kommt, bleibt zu hoffen, daß der Rostocker Gauck bei der Bundesversammlung das Rennen um das Bundespräsidentenamt macht.

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