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#occupywallstreet - der Tahrir-Platz New Yorks?

Seit einiger Zeit schon, genauer seit dem 17. September, gibt es im Herzen der Weltwirtschaft andauernde Proteste: in der Wall Street von New York, also dem Sitz der New Yorker Börse. Leider sind die Berichte in den deutschen Medien nicht so ausführlich, wie man das eigentlich erwarten könnte, wenn in einem anderen Land vergleichsweise viele Menschen für Veränderungen im eigenen Land auf die Straße gehen. Natürlich ist nicht davon auszugehen, daß die Protestierenden die Regierung Obamas stürzen und ihn aus dem Lande vertreiben wollen. Auch geht es nicht darum, eine Diktatur durch eine Demokratie zu ersetzen.... doch halt! Eigentlich geht es genau darum! Die Protestierenden fordern nämlich, daß die Diktatur des Geldes beendet und wieder mehr Demokratie gelebt wird. Und wie es so heutzutage ist, kann keine größere oder kleine Veranstaltung oder Aktion ohne eigenen Hashtag auf Twitter bleiben: #occupywallstreet oder kurz #ows

Die Zeit hat auch einen schönen Artikel zu #occupywallstreet

Am Sonntag haben Joseph Stiglitz und Jeff Madrick auf dem Platz zwischen Wall Street und World Trade Center gesprochen. Wirtschaftsnobelpreisträger Stiglitz lehrt an der New Yorker Columbia University; Madrick arbeitet für das Roosevelt Institut, ein gemeinnütziger Verein, der progressive Ideen fördert. Es gebe einen Krieg gegen die Mittelklasse in Amerika, sagte Stiglitz. Die Banken hätten die politischen Prozesse gekarpert. Außerdem bräuchten die USA ein faires Steuersystem – will heißen: höhere Steuern für die Wohlhabenden. Er forderte die US-Bürger auf, mehr Druck auf die Abgeordneten auszuüben. "Wir müssen unsere Demokratie demokratisieren”, sagte Stiglitz.

Stiglitz sprach sich auch für eine Steuer auf Finanztransaktionen aus. Und auch die Federal Reserve müsse umstrukturiert werden, das seien Banker, die Banker kontrollieren. "Bis heute wissen wir nicht, wohin die Milliarden geflossen sind, um AIG zu retten", kritisierte Stiglitz.

Es tut sich also etwas und die Proteste finden inzwischen immer breitere Unterstützung, nicht nur durch Arbeitslose, sondern inzwischen auch durch Prominente. Die Organisation der ganzen Aktion erinnert übrigens auch sehr an die Proteste in Ägypten auf dem Tahrir-Platz, da sich bei beiden inzwischen eine Art Verwaltung im Kleinen gebildet hat: der Müll wird gesammelt, es gibt Leute, die sich um die Infrastruktur kümmern oder um die Essensversorgung. Im Zeit Artikel wird auch ein interessantes Video verlinkt: 

Nobody Can Predict The Moment Of Revolution from ivarad on Vimeo.

Insgesamt, und das kommt ja auch ein wenig im Video heraus, scheint es eine weltweite Bewegung für eine neue Gesellschaft zu geben. Die Bürger fordern überall und weltweit mehr Mitbestimmung ein. Sei es in Stuttgart beim Bau des neuen Bahnhofs, sei es in Tunesien, Ägypten, Libyen oder eben nun auch in den USA, wo es die Proteste nicht nur in New York, sondern zum Beispiel auch in Boston.

Natürlich darf auch eine Kampagnen-Webseite nicht fehlen, auf der man sich informieren kann: occupywallstreet.org bietet sogar einen Livestream an: 

Watch live streaming video from globalrevolution at livestream.com

Insgesamt also eine interessante Entwicklung und es bleibt zu hoffen, daß die Protestierenden in New York genauso ihr Ziel erreichen, wie es die Menschen auf dem Tahrir-Platz in Kairo geschafft haben und die internationale Finanzwelt endlich gezügelt und in die Schranken verwiesen wird.

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