Piratenpartei MV: ab in die Bedeutungslosigkeit?

Im letzten Jahr gab es ja einen regelrechten Boom bei der Piratenpartei im Zuge der Diskussion um Netzsperren & Co. Auch hier in Mecklenburg-Vorpommern. Der Wahlkampf zur Bundestagswahl war dann auch entsprechend erfolgreich und engagiert von den Mitgliedern der Partei betrieben worden. Ich hab da ja einige Male drüber berichtet.
Das ganze steht aber dann irgendwie im Gegensatz zum Gebaren der Partei nach der Wahl. Es wird sich über lokale Kreisverbände, deren Zuordnung und anderer Kleinigkeiten gestritten. Und für jede kleine Arbeitsgruppe gibt es dann eine extra Mailing Liste, so daß es schwierig wird, der Politik der Piraten in MV zu folgen, wenn man, wie ich z.B., nur die allgemeine Mailing Liste abonniert hat.
In zwei Jahren sind Landtagswahlen und ich vermisse irgendwie die Ausrichtung der politischen Arbeit auf dieses Datum. Das, was auf der allgemeinen Liste ankommt, handelt meistens von irgendwelchen Bundesthemen. Lediglich letztens war mal ein durchaus guter Ansatz dabei, sich des Themas "Videoüberwachung auf der Autobahn im Landkreis Güstrow" anzunehmen. Aber meistens geht es dann um sowas wie "da könnten wir doch mal eine Pressemitteilung zu schreiben".

Mir ist jedenfalls neu, daß der Kern der politischen Arbeit darin besteht, Pressemitteilungen zu allen möglichen und unmöglichen aktuellen Themen zu verfassen und in die Welt zu blasen. Auch in Hinblick auf das Engagement in anderen Bereichen bin ich eher enttäuscht von den Piraten in MV. So hängt seit Ende der Bundestagswahl im Bereich Fischerbastion/Am Strande immer noch ein Wahlplakat der Piratenpartei. Ich hab am 13.01. die Partei per Mail an die Mailing Liste darauf hingewiesen, woraufhin kurze Zeit später sich jemand meldete, der das Plakat abnehmen wollte:

wenn wer in der gegend wohnt, kann er das gerne machen, wenn nicht, dann
werd ich morgen gleich nach der uni da mal vorbeischauen ;-)

Dies geschah offensichtlich nicht, denn gestern morgen hing das Plakat immer noch an der gleichen Stelle. Also hab ich eine Erinnerung an die Liste geschrieben. Die Reaktion kam prompt und war in meinen Augen daneben bzw. frech:

Was hindert dich daran es zu entfernen?!

Liebe Piraten in Rostock!
Wenn ihr schon Plakate zur Wahl aufhängt, dann sorgt bitte auch dafür, daß diese nach der Wahl zügig entfernt werden! Dies ist Aufgabe der Partei und nicht von irgendwelchen Bürgern, die euch sogar noch freundlicherweise darüber informieren, anstatt es dem Ordnungsamt zu melden, was dann wohl € 11.- Kosten pro Plakat für die Partei bedeuten würde. Andere Parteien wie die Grünen haben es auch geschafft, vergessene Plakate zu entfernen, gehen aber wesentlich freundlicher mit den Hinweisgebern um.

Ich kenn zwar auch andere Piraten aus anderen Landesteilen der Republik und schätze deren Meinung, aber bei den Piraten in MV sehe ich da irgendwie nicht so recht eine positive Entwicklung. Insofern befürchte ich, daß der Wahlerfolg der Piraten in MV, der über dem Bundesdurchschnitt bei der Bundestagswahl lag, eine Eintagsfliege war und die Partei aufgrund der mangelnden politischen Arbeit vor Ort in der Bedeutungslosigkeit versinken wird und den Erfolg zur Landtagswahl nicht wiederholen kann, wenn sich hier im LV MV bald nicht was ändert. Die Zeit des Neulingsbonus ist vorbei

Ingo Jürgensmann (not verified)

Dass nicht immer alle sofort Zeit haben, stand gar nicht zu Diskussion. Auch ich bin Vollzeit am arbeiten und hab auch noch ein Privatleben. Aber seit der Bundestagswahl sind etliche Monate vergangen und auch seit meiner ersten Erinnerung sind einige Tage vergangen.
Dass die anderen Parteien Geld bekommen, sehe ich in diesem Punkt als irrelevant an, weil auch die Wahlhelfer der Gruenen wohl kaum Geld bekommen werden, wenn sie Plakate auf- oder abhaengen.

Dass ich zum Piratenstammtisch eingeladen bin, ist nett, aber da auch meine Zeit begrenzt ist, muss ich schauen, wann ich mir das mal einrichten kann.

Janis (not verified)

Hallo Lieber Sympathiespender.

Ich, als Gymnasier, habe, genau wie Christa, ein Abi vor der Tür. Ich, im Gegenzug zu Christa, wohne in Rostock - und nicht in Trinwillershagen. Ich, und das wie so ziemlich jeder der Piraten, habe KEIN Auto! Und ebenso keinen Führerschein...
Noch weniger habe ich Zeit! Ich muss mich momentan tierisch am Riemen reißen, um meinen FSJ-K Platz an der HMT, mein Tonmeisterstudium, sowie den Unterricht zur Vorbereitung der Aufnahmeprüfung zu organisieren. Ich gebe zu: Ich bin die letzten drei mal nicht zum Stammtisch gekommen - oder sind es schon 5???
Da halten wir doch mal fest: Politik sollte, so meine Ansicht, nicht über eine Mailingliste gemacht werden. Die Diskussionslänge und Redundanz einer solchen liegt hinter allen Bergen. Politik wird, auch wenn wir auf Datenschutz und Internetbasen wachsen, auf öffentlichen Plätzen gemacht (bei uns zumindest). Die Rostocker treffen sich im La Casa de Cuba (oder auch mal mitten auf dem Doberaner Platz - jeder kann zuhören, Vorschläge einbringen, etc...

Ich denke wir belaufen alle darauf hinaus, dass es reicht die ERGEBNISSE zu veröffentlichen. Die Mailingliste dient vieler Organisation, und hin und wieder bringen Parteimitlieder oder Außenstehende Ideen in diese mit ein, die wir natürlich gerne analysieren und auch mit aufnehmen. Vorrangig machen wir jedoch KEINE Politik darüber!

Des Weiteren möchte ich noch die Zeit der Piraten darlegen: ich wüsste spontan nicht, wer nicht studiert oder fest arbeitet (doch, einer fällt mir ein, der aber auch IMMER für alles einspringen muss)... Die anderen Parteien bekommen für ihre Arbeit Geld. Nicht zu knapp, möchte ich sagen. Und wir engagieren uns nicht nur ehrenamtlich, sondern investieren sogar noch in die Partei - An Zeit und Geld.

Ich würde Sie gerne einmal einladen, zu einem Stammtisch zu kommen - falls sie einen solchen noch nicht besucht haben. Wir schmeißen Sympathiesanten nicht weg oder wollen sie vor den Kopf stoßen, doch klingt ihr letzter nach einem negativen Eindruck... deshalb: Sie sind herzlichst eingeladen!

Ich freue mich auch über Antworten, evtl. auch per Mail...

Ingo Jürgensmann (not verified)

Naja, offene Diskussionskultur hin oder her. Manchmal ist das eher auf dem Niveau von fuenftklassigen Flamewars aus Usenet oder MLs. ;-)

Jedenfalls faende ich die 11.- sinnvoller in Rhetorikkurse fuer diejenigen Parteimitglieder investiert, die das passive Wahlrecht fuer die Partei ausfuehren.

(Das hat nun keinen speziellen Hintergrund, sondern ich denke, dass die anderen Parteien da einen gewissen Vorsprung haben, was man auch bei der Diskussion im Herbst in Rostock mit Juergen Trittin merken konnte.)

Wenn ich mich heute abend im Halbdunkeln nicht verguckt hab, ist das Plakat um ca. 18 Uhr schon weggewesen. Aber kann auch sein, dass ich mich da irre... ;)

Basti (not verified)

Ganz ruhig, nur keine vorschnellen Sch(l)üsse. Wer eine Mailingliste abonniert hat, weiß auch, dass dort jeder Antworten kann. Gerade die offene Diskussionskultur ist es doch, was die Piraten ausgemacht hat und ausmacht.
Und wenn du dich wegen einer - zugegebenermaßen frechen - Antwort irgendeines Mitglieds so auf die Füße getreten fühlst, wäre die einzig logische Konsequenz: Mailingliste abbestellen.

Dennoch ein großes Dankefür deinen erneuten Hinweis.
Auch wenn er spätestens mit dem Erscheinen dieses Artikels hinfällig geworden ist. Ich gehe fest davon aus, dass hier auch Leute mitlesen, die sich freuen, wenn wir 11€ für die Entsorgung löhnen dürfen...

Basti

Ingo Jürgensmann (not verified)

Ja, wobei ich auch nicht unbedingt ein grosser Fan von einer Zersplitterung der Parteienlandschaft an sich bin.

Ingo Jürgensmann (not verified)

Dass die Bundesregierung zahlreiche gute Gruende liefert, dass es eine Partei wie die Piraten geben muss, sehe ich genauso. Nur sehe ich momentan von ernsthafter politischer Arbeit recht wenig von den Piraten - wie bereits im Artikel beschrieben. Zu wuenschen waere es der Partei, aber dazu muss sie auch mal aus dem Quark kommen und sich mehr laenger darauf berufen, dass sie mit sich selber beschaeftigt seien.

Und dass mal ein Plakat vergessen werden kann, ist ja nicht schlimm, aber die Kommentare auf meinen Hinweis fand ich mitunter ziemlich daneben.

Jonathan (not verified)

wäre schade drum, aber so wie es aussieht wird das wohl passieren. leider. es bleibt bei dem grossparteienmonopol.

topsy.com (not verified)
Womblog (not verified)

Von Ingo Jürgensmann | Blog of Ingo Jürgensmann | –Im letzten Jahr gab es ja einen regelrechten Boom bei der Piratenpartei im Zuge der Diskussion um Netzsperren & Co. Auch hier in Mecklenburg-Vorpommern. Der Wahlkampf zur Bundestagswahl w...

JoSch (not verified)

Dass die Piraten das Plakat nicht abgehängt haben ist natürlich ein Unding, die 2. Antwort sowieso, zumal die Piraten sonst sehr sorgfältig beim Abhängen der Plakate waren. Ich habe in meiner Gegend schon eine Woche nach der Wahl keines mehr gesehen.
Einen Trend in die Bedeutungslosigkeit sehe ich aber auf keinen Fall. Im Gegenteil, die Bundesregierung tut gerade alles dafür, dass es bald wieder regen Zulauf für die Piraten gibt. Steuergeschenke für Großspender bedienen die Antikorruptionsthemen der Piraten (Gläserner Staat statt gläserner Bürger). Die Diskussion um ELENA untermauert die Datenschutzforderungen. Das beste "Kraftfutter" für die Piraten sind aber die Bestrebungen zur Einführung der Nacktscanner. Hier sehe ich schon Parallelen zur geplanten Einführung zu Netzsperren. Experten werden ignoriert wie seinerzeit von Zensursula. Die Wortwahl ist beschönigend (Netzsperren wird zu Zugangserschwerung, Nacktscanner werden zu passiven Bodyscannern ). Kosten/Nutzen-Verhältnis wird ignoriert. Kein Politiker hat sich öffentlich zu den von Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages auf 100 Millionen Euro bezifferten Kosten für die nachweislich umgehbare Stoppschildinfrastruktur geäussert. Auch heute traut ich kein Politiker zu sagen, was es kosten würde an jedem deutschen Flughafenterminal einen Nacktscanner aufzustellen und um wieviel Prozent die Terroranschläge auf Passagierflugzeuge dann zurückgehen.
Ich sehe noch reichlich Bedarf für die Piratenpartei und auch noch viel Wachstumspotential.

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