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Koalition der Willigen plant Internetzensur

Blogger-Kollege und Verschwörungsfan Fefe hat unlängst auf die Koalition der Willigen hingewiesen, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, das Internet mal wieder zu einem sicheren Ort für Kinder zu machen. Seit Zensursula und dem Zugangserschwerungsgesetz, das glücklicherweise zu einer Politisierung der sogenannten Netzgemeinde im Jahr 2009 geführt hat, wissen wir aber, daß hinter dem Begriff des Kampfes gegen Kinderpornografie im Internet, was an sich schon ein falscher Terminus ist, eigentlich das Bestreben steckt, die Inhalte des Internets zu kontrollieren und zu zensieren.

Nun kann man sich also zwei Stunden lang die Diskussion anhören. Allerdings braucht man da schon starke Nerven für, nicht nur wegen der Dauer, sondern auch wegen des Inhalts. Denn was dort mitunter diskutiert wird, ist mitunter unglaublich. Peter Piksa hat sich zum Glück die Mühe gemacht und ein paar Stellen transkribiert und in sein Blog gestellt: 

0:14:30 – Eine Dame von Nintendo lobte im Vorfeld ein aus Japan stammendes Verfahren, bei dem “vertrauenswürdige” Seiten klassifiziert werden und bei dem auf Computern ein Filterprogramm läuft, was demjenigen, der es dort installiert hat, erlaubt, Zugriffe auf Seiten, die nicht “vertrauenswürdig” sind, zu sperren. Die Dame von Nintendo lobt dieses Verfahren in höchsten Tönen. Daraufhin stellt Christian Bahls von Mogis der Dame von Nintendo ein Szenario vor, in dem ein Kindesmissbraucher seinem Kind den Zugang zu Seiten, die das Thema “Kinderrechte” zum Thema haben, verwehren könnte. Auf das Problem angesprochen weiß die Dame sich nicht wirklich zu helfen und stammelt sich förmlich einen zu Recht. Allem ganz offensichtlichen Missbrauchspotenzial zum Trotz versteigt die Dame sich bei 0:16:30 zu der glorreichen Aussage

“I think this is useful”.

Nun ist es eine Sache, ob die Eltern selber ein Filterprogramm für die lieben Kleinen verwenden, eine andere Sache aber, wenn eine Klassifizierung verpflichtend wird. Mal vom Sinn einer solchen Filterung an sich abgesehen. Der Einwand von Christian ist natürlich berechtigt. Man stelle sich vor, der Vater mißbraucht seine Kinder, aber die Kinder können nicht im Netz nach Hilfe suchen, weil dort ein Filter mit einer Whitelist installiert ist. Ob die Dame von Nintenda das dann immer "useful" findet?

Ein anderes Beispiel: 

1:00:00 – Meine persönlicher Höhepunkt war der Vorschlag eines Herren, der meint, Microsoft solle per Windows-Update die Hashes von Kindesmissbrauchsdarstellungen an alle Windows-Computer verteilen und dann basierend darauf die Computer seiner Kunden nach Kindesmissbrauchsdarstellungen durchsuchen und im Falle eines Fundes, den Eigentümer sofort identifizieren und ihn anschließend festnehmen zu lassen. Christian Bahls lacht laut auf und bittet um die Gelegenheit, die Frage zu beantworten, worauf hin alle im Saal sehr amüsiert sind. Bahls erläutert dann dankenswerter Weise wie undenkbar absurd dieser Vorschlag ist.

Dazu fällt einem fast nichts mehr zu ein, außer die Erfahrungen in Deutschland mit der Unfähigkeit im Zusammenhang mit dem Staatstrojaner im Herbst letzten Jahres. Das Durchsuchen der Platten dürfte wohl das informationelle Selbstbestimmungsrecht als auch das Grundrecht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme verletzen und somit verfassungswidrig sein.

Kurzum: eigentlich ist das geleakte Audiomaterial genügend Grund für einen ordentlichen Shitstorm im Netz. Aber: nichts ist! Selbst Netzpolitik.org hat das Thema nicht aufgegriffen, ebensowenig wie die Piratenpartei, was angesichts der Entrüstung und der Proteste wundert, die sonst immer stattfindet, wenn die Freiheit im Internet in Gefahr ist. Sind alle im Moment mit den Protesten gegen ACTA ausgelastet oder wieso scheint diese Koalition der Willigen niemanden zu interessieren?

PS: Eigentlich wäre es ja auch mal eine tolle Idee, wenn jemand ein Etherpad-ähnliches Tool zum Transkribieren von Audio- und Video-Dateien programmieren würde. Dann könnte man per Crowdsourcing solche Leaks schnell in einen nutzbaren Text überführen. 

UPDATE 21:40: Auf Titanpad.com haben fleißige Leute begonnen, das Audio-File zu transkribieren! Super!

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Eigentlich wäre es ja auch mal eine tolle Idee, wenn jemand den audio2text-Tools zum Durchbruch verhelfen würde.

Danke für den Blogpost!

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