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Das Griechenland-Virus greift um sich

Nachdem Griechenland dieser Tage erst mit einer weiteren Finanzspritze aus dem EU-Topf gerettet werden musste, scheint sich das Glück in Form der internationalen Finanzspekulanten nun gegen Italien zu richten, das als Land ebenfalls hoch verschuldet ist. Spiegel berichtet:

Die Symptome sind vertraut: Die Risikoaufschläge auf italienische Staatsanleihen erreichten am Montag einen neuen Höchststand, die Aktienkurse fielen, die Mailänder Börse schränkte vorsichtshalber die Leerverkäufe ein.

Italien ist ins Visier der internationalen Anleger geraten . Neue Zweifel an der Stabilität der Regierung in Rom und eine grundlegende Skepsis über die Finanzen des Landes verbinden sich zu einer gefährlichen Mischung. Die Staatsschuld ist mit 120 Prozent der Wirtschaftsleistung die zweithöchste der Euro-Zone nach Griechenland.

120% Verschuldung ist schonmal eine Ansage und ein Problem Italiens, das natürlich durch Sparen gelöst werden muss und nicht durch die Aufnahme neuer Kredite. Eine andere Sache sind aber die Spekulanten, die quasi auf den Zusammenbruch des Systems in Italien wetten und warten.

Nach der Lehman-Krise hat es die Politik leider, trotz aller Absichten, Vorhaben und Beteuerungen, versäumt, den Finanzsektor an die kurze Leine zu nehmen. Die Banken, die mit Unsummen an Steuergeldern gerettet werden mussten, fahren innerhalb kürzester Zeit wieder sagenhafte Gewinne ein, die Rating-Agenturen entscheiden weiterhin über Gedeih und Verderb von Unternehmen und Staaten und der Steuerzahler ist mal wieder der dumme August, der die Zeche zahlen soll, wenn das Spiel mal wieder in die Hose geht: 

Investoren fürchten nun, dass der Sparkommissar auf Berlusconis Abschussliste steht. Tremonti selbst wurde kürzlich mit dem Satz zitiert, wenn er falle, falle zunächst Italien und dann der Euro. Damit hat er sich vielleicht etwas zu wichtig genommen. Aber die Nervosität an den Märkten zeigt, was sein Abgang auslösen könnte.

Geriete Italien in die tödliche Spirale von Herabstufungen und Zinserhöhungen, wären die Folgen für die Euro-Zone fatal. Eine neue Bankenkrise wäre wahrscheinlich. Allein deutsche Banken hatten Ende März insgesamt 116 Milliarden Euro nach Italien verliehen. Zum Vergleich: Die Forderungen gegenüber Griechenland beliefen sich nur auf 17 Milliarden Euro.

Und es sind ja nicht nur Griechenland und Italien, die finanzielle Probleme haben: Portugal, Irland und ein wenig auch Spanien sind auch in Bedrängnis bzw. schon unter den Rettungsschirm der EU geflüchtet und haben Hilfen beantragt.

Kurzum: was ich bereits vor einiger Zeit geschrieben habe, scheint sich zu bewahrheiten: es macht keinen Sinn, ein totes Pferd reiten zu wollen, also ein kaputtes Finanzsystem dadurch retten zu wollen, indem man da einfach mehr Geld reinpumpt, was an anderer Stelle dann wiederum fehlt. Entweder die Politiker schaffen es nun endlich mal, den Finanzsektor (Banken und Rating-Agenturen) die riskanten Finanzspielchen auszutreiben, oder aber das Ganze wird in einer Krise enden, gegen die die Lehman-Krise wie Kleinkram aussieht.

Ich mag es im Prinzip ja auch, überall im (europaäischen) Ausland mit dem Euro zahlen zu können, aber durch die Einheitswährung haben sich die Staaten das Mittel der Abwertung der Währungen genommen. Das rächt sich nun. Vielleicht wäre es doch sinnvoll, in einer Nacht- und Nebelaktion wieder die alten Landeswährungen einzuführen und den Euro nur zur innereuropäischen Verrechnung zu verwenden? Es macht jedenfalls keinen Sinn, wie bisher weiter zu machen und Abermillarden in diesen Finanzsumpf zu werfen und damit die Instabilität der eigenen Wirtschaft zu riskieren.

 

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