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Friedrich Kellner: "Ein Volk, das seine Grundrechte aufgibt, ist ein Scheißhaufen"

Die Nazi-Zeit ist den meisten heutzutage ja nur noch aus dem Geschichtsunterricht bekannt und für die meisten dürften auch die gängisten Widerständler gegen den Nationalsozialismus wie Dietrich Bonhoeffer, Graf Stauffenberg oder Hans und Sophie Scholl ein Begriff sein. Aber meistens hört es schon bei der zweiten Riege wie Martin Niemöller, Graf von Galen oder Alexander Schmorell auf. Ein Friedrich Kellner dürfte den allermeisten jedoch noch nie untergekommen sein. Und streng genommen zählt Kellner auch eigentlich gar nicht zu denen, die Widerstand im Nationalsozialismus leisteten, wie wir allgemein üblich Widerstand definieren. Vielmehr besteht sein Kampf gegen den Nationalsozialismus darin, daß er die Greueltaten der Nazis dokumentiert hat. Und darüber gab es heute bei der Sueddeutschen einen Artikel, in dem am Ende ein bemerkenswerter Satz steht (Hervorhebung von mir): 

Das Hauptmotiv Friedrich Kellners war seine demokratische Grundüberzeugung: "Die Zivilisation hängt von der Achtung des Rechtes ab." Aus ihr bezog er die innere Stärke für seine Art des verzweifelten individuellen Widerstands. Er wusste: "Ein Volk, das seine Grundrechte aufgibt, ist ein Scheißhaufen." Er hatte das unstillbare Bedürfnis, das Geschehen aus seiner eingeengten Sicht für die Nachwelt zu archivieren, und die Absicht, heimlich Material für die Bestrafung von Tätern und ihren Gehilfen zu sammeln.

Eigentlich muss man diesen einen Satz nochmal für sich betrachten: 

Ein Volk, das seine Grundrechte aufgibt, ist ein Scheißhaufen.

Und damit hat er nicht nur Recht, sondern schlägt im Prinzip auch in die gleiche Kerbe wie das Zitat, das Benjamin Franklin zugeschrieben wird: "Wer Freiheit für Sicherheit aufgibt, wird beides verlieren.

Während Freiheit zweifelslos zu den Grundrechten gehört, ist Sicherheit nur ein Zustand, aber an sich kein Grundrecht. Den Wert der Grundrechte hat auch der Sozialdemokrat Kellner gekannt und das wunderbar verkürzt auf diesen einen prägnanten Satz konzentriert.

Dem Unrecht der Nazis setzte er die Dokumentation desselben entgegen, in der Hoffnung, daß nachfolgende Generationen daraus lernen würden, wie auch bei Wikipedia zu lesen ist: 

Ich konnte die Nazis damals nicht in der Gegenwart bekämpfen. Also entschloss ich mich, sie in der Zukunft zu bekämpfen. Ich wollte kommenden Generationen eine Waffe gegen jedes Wiederaufleben solchen Unrechts geben. Meine Augenzeugenberichte sollten die barbarischen Akte aufzeichnen und auch zeigen, wie man sie beenden konnte.

Leider sind auch heute wieder die Grundrechte durch Politiker in Gefahr, die lieber zugunstern einer ominösen und nicht nachgewiesenen effektiven Sicherheitspolitik lieber die Grundrechte beschränken wollen, wie zum Beispiel beim PNR-Abkommen mit den USA.

Übrigens: am 10. September soll in Berlin wieder die "Freiheit statt Angst" Demo stattinden! Zeit und Gelegenheit, für Grund- und Bürgerrechte zu protestieren!

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