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Thema Atomausstieg bei "Hart aber Fair"

Gestern abend bin ich irgendwie bei Hart aber Fair im Ersten hängengeblieben. Thema war "Der Sprung ins Dunkle - wie riskant ist Deutschlands Atomausstieg?" Zu Gast waren für die Atom-Befürworter Wolfgang Clement (Berater von RWE) und Roland Tichy (Chefredakteur Wirtschaftswoche). Für die Kritiker waren Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU), Jürgen Trittin (Grüne) und Daniel Goeudevert (Ex-Manager, Autor, Philosoph). Das Video gibt es beim WDR, vielleicht ja auch bald bei Youtube zum Einbinden.

Während Clement und Tichy Allgemeinplätze zum Thema abseierten und Clement und Trittin sich immer parteipolitisch angingen, war Daniel Goeudevert eine durchaus positive Überraschung. Doch zunächst zu Wolfgang Clement. Dieser hat mehrfach betont, daß der Atomausstieg die (Strom-)Unternehmen wirtschaftlich schädigen wird und quasi einer Enteignung der Konzerne gleichkäme. Damit stellt Clement den Schutz von Vermögen über den Schutz von Leib & Leben der Menschen. Deutlicher kann man eine Menschenverachtung kaum ausdrücken.

Ebenfalls beliebt war, den Atomausstieg als Resultat von Panikmache darzustellen. Nach Fukushima hab ich allerdings nicht das Gefühl gehabt, daß die Deutschen in Panik verfallen seien. Vielmehr hatte ich den Eindruck, daß alle ziemlich ruhig waren, aber mit Fukushima eindrucksvoll vor Augen geführt bekamen, daß die Atomenergie nicht sicher beherrschbar ist, wenn irgendetwas passiert. Und daß immer irgendwas passieren kann, wurde ja nun schon mit diversen Unfällen und GAUs bewiesen.

Auf der anderen Seite waren die Atomkraftgegner bzw. Atomausstiegsbefürworter, die im Falle Trittins und  Röttgens ruhig etwas pointierter hätten argumentieren können und zum Beispiel die Chance verpaßten, auf Clements Fauxpax mit der Besitzstandswahrung für die Energieriesen entsprechend zu kontern. Daniel Goeudevert hingegen erzählte aus seinem Heimatland Frankreich, daß er auf der Fahrt zum Flughafen mehrmals an Graffitis vorbeigefahren sei, mit denen Deutschland für den Atomausstieg gedankt wurde. Insgesamt scheint es da auch Unterschiede zwischen Bevölkerung und Politik/Medien/Institutionen zu geben. Während die Bevölkerung mehrheitlich für den Atomausstieg zu sein scheint, wird in den Medien und in der Politik eher für die Atomenergie als saubere Alternative zur Kohle getrommelt. Atomenergie als Klimaretter. Insofern scheint auch auf der weltweiten politischen Bühne eher Unverständnis über den Schritt der Deutschen aus der Atomenergie zu herrschen. Oder blanke Angst. Denn wenn Deutschland beweist, daß ein solcher Schritt möglich ist, dann setzt dies auch die anderen Regierungen bzw. Staaten unter Druck.
Und so gab es dann auch einen Einspieler mit einem Zitat von Klaus Töpfer (Ex-Bundesumweltminister): 

Ich bin gerade in New York gewesen, auf einer internationalen Konferenz: Da wirst du umgeben von Menschen, die du noch nie gesehen hast, die dir alle mit einer Mischung von Skepsis, von Überraschung, von fast schon mitleidigem Lächeln begegnen. Die aber am Ende immer wieder dazu kommen: Wenn es die Deutschen sind, die den Atomausstieg machen, dann kannst du nicht ausschließen, dass es klappt.

Ich sehe den Ausstieg aus der Kernenergie ja auch eher als positives Signal und Chance für die deutschen Unternehmen. Um das Thema alternative Energien und Energiesparen wird niemand in den nächsten Jahren herumkommen. Und auf der anderen Seite sammeln die Deutschen auch im Bereich Abwracken von Atommeilern Knowhow. Denn auch wenn andere Staaten auf Atomenergie setzen: je mehr Atommüll dadurch produziert wird, desto drängender wird auch die Frage der bisher ungeklärten Endlagerung und desto größer der Druck auch für diese Staaten aus der Kernenergie auszusteigen. Und dann brauchen auch diese Staaten erneuerbare Energien und das Knowhow, ein Atomkraftwerk stillzulegen und abzubauen.

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