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Terror: Angst haben oder nicht?

Gestern habe ich ja darüber geschrieben, daß die Innenminister, um ihre Innenministerkonferenz in Hamburg ins rechte Licht zu rücken, passenderweise eine Terrorwarnung ausgesprochen haben. Natürlich kamen dann auch von diversen Politikern von CDU und SPD(!!) der Ruf nach mehr Überwachung. Namentlich in Form der Vorratsdatenspeicherung (VDS). Daß sich die Bombe in einem namibischen Flughafen als Attrappe der Behörden entpuppt hat, um eben die Sicherheitskontrollen zu überprüfen, wurde von den Medien allerdings weniger reißerisch verbreitet als die ursprüngliche Meldung.

Thomas Delecat macht sich hingegen in seinem Blog delecat.de seine eigenen Gedanken zu den Terrorwarnungen: 

… am Ende bleibt eben dieses Gedankenspiel. Dieses kleine, bohrende “was wäre wenn”. Trifft es mich? Wie verhalte ich mich, wenn es passiert? Rette ich? Werde ich gerettet? Ändert sich plötzlich alles? Es ist ein absurdes Gedankenspiel, so virtuell und entfernt von mir, wie eben der Terror selbst. In gewisser Weise kindisch, vielleicht sogar narzißistisch. Und doch liegt darin der Ursprung von Angst – dem Motor von Terror und denen, die ihn zu bekämpfen vorgeben.

Rational gesehen hat er keine Angst vor irgendwelchen Terroranschlägen. Doch irgendwie schwingt immer irrational und unterbewußt doch eine Angst, aber zumindest der Gedanke "Was wäre wenn..." mit.

Und genau da liegt ja der Hund begraben! Das ist genau das, was eventuell die Terroristen, aber ziemlich sicher (meinem Empfinden nach) die Sicherheitspolitiker wollen: eine permanente und unterschwellige Angst zu schüren, die sie ausnutzen können, um ihr Spiel zu treiben.

Ich würde ja eigentlich auch soweit gehen und solche Anschläge gar nicht als Terror bezeichnen. Es sind Anschläge und somit auch Verbrechen. Keine Frage! Aber zu Terror gehört meines Erachtens nach mehr. Die RAF hat in 60er und 70er Jahren durch Anschläge auf diverse Persönlichkeiten wie Herrhausen Terror verübt. Die RAF war (gesellschhftlich-)politisch motiviert und sie hat in Folge mehrere Anschläge oder Straftaten verübt, um ihre Ziele zu erreichen.

Wenn heute von Terror gesprochen wird, dann bereits schon im Vorfeld einer Tat, die noch gar nicht geschehen ist und die es angeblich zu verhindern gilt. Dabei dienen meistens irgendwelche kleinen ausländischen Gruppen als potentielle Gefährder, mit denen man dann bei der Bevölkerung Angst schüren und dafür werben kann, mehr Sicherheitskontrollen durchzusetzen.

Selbst wenn es diese ausländischen Gruppen als direktes Ziel hätten, unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung zu beseitigen, was einfach mal bezweifle, wäre das zwar wirkliche eine Ursache, die man dann mit der Motivation der RAF gleichsetzen könnte, aber es fehlt die Kontinuität. Der eigentliche Terror besteht somit darin, eine vage Angst bei der Bevölkerung zu schüren, damit diese ihre Freiheiten aufgibt. Dazu muss man ja noch nicht einmal konkret einen Anschlag verüben, sondern es reicht die Androhung eines solchen. Die Sicherheitspolitiker führen dieses Spiel dann weiter und sorgen für den Erfolg dieser Drohung, indem sie genau das machen, was die potentiellen Terroristen wollen: die freiheitlich-demokratische Grundordnung beseitigen bzw. einzuschränken.

Nun kann man sich selber überlegen, wo nun die eigentlichen Terroristen sitzen und ob man sich wirklich auf dieses Spiel einlassen will? Ja, Anschläge sind Verbrechen, aber nicht jedes Verbrechen ist gleich Terror. Erst wenn wir uns selber auf dieses Spiel von Drohung und Angst einlassen, wird aus dem Verbrechen Terror.

Insofern scheinen die Drohungen bei Thomas ja unterschwellig schon zu wirken. Letztendlich muss man sich halt bewußt machen, wie das Spiel läuft und wie man diesen Kreislauf von Drohungen und Einschränkungen der Freiheiten durchbrechen kann. Wieviele Tote durch Terroranschläge gab es in den letzten 20 Jahren wirklich in Deutschland? Wieviele Tote gibt es jedes Jahr im Straßenverkehr? Beides ist natürlich nicht direkt miteinander zu vergleichen, aber die Wahrscheinlichkeit bei einem Anschlag ums Leben zu kommen oder verletzt zu werden, ist verschwindend gering, quasi nicht existent.

Insofern Thomas: keine Angst zu haben ist der beste Schutz vor Terrorismus! :-)

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Comments

Mutig bleiben zum Schutz der Freiheit? :)

Aber natürlich hast Du vollkommen Recht. Speziell auch, was die Frage betrifft, ob man bei dem diffusen Bedrohungswölkchen überhaupt von Terror oder nicht schlicht von Kriminalität sprechen soll.

Angst und Unbehagen hab ich nicht. Nur eben dieser kleine Gedanke. Und der wird da sein, wenn ich nächste Woche über die Hauptbahnhöfe schlender. Und das allein ist schon ...

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