JusProg-Filter

24 05 2009
Vor ein paar Tagen ging der JusProg-Filter durch die Blogosphäre und dort entsprechend Wellen geschlagen. Vorhin traf dann ein Trackback von pornoanwalt.de. Dessen Betreiber RA Dörre scheint einen Tätigkeitsschwerpunkt im einschlägigen Bereich zu haben. Ist ja auch nicht schlimm. Aber in seinem dortigen Artikel weist er durchaus zu Recht darauf hin, daß die Pornoindustrie geringes Interesse an (nicht geschäftsfähigen) Jugendlichen hat, die womöglich gar nur zusätzliche Kosten verursachen würden.
RA Dörre schreibt:

Wie funktioniert die Software des JusProg e.V.? Eltern können die JusProg-Software auf den von ihren Kindern genutzten Computern installieren. Freiwillig. Surfen die softwaregeschützten Jugendlichen nun durch das World Wide Web und rufen meinen Blog pornoanwalt.de auf, dann wird der Zugriff unterbunden, weil die URL auf der JusProg-Blacklist steht. Gleiches gilt für die Websites der Vereinsmitglieder, beispielsweise fundorado.de, coupe.de, praline.de, bluvista.tv, berlinintim.de und so weiter. Alle sind gesperrt. Zudem bietet die kostenlose JusProg-Software den altersdifferenzierten Zugang, beispielsweise ab 14 oder 16 Jahren, und eine Whitelist für jugendaffine Websites.
[...]
Leider untersagt die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) weitestgehend die Öffentlichkeitsarbeit für die Software JusProg, solange der Modellversuch noch läuft. Damit wird die Aufklärung nicht unbedingt erleichtert. Ich hoffe, dass ich etwas Licht ins Dunkel bringen konnte.


Damit ist dann auch schon fast alles gesagt: Die Blogosphäre hat sich etwas darüber echauffiert, daß sie auf irgendeiner seltsamen Filterliste standen, ohne darüber informiert worden zu sein. Daß Eltern ihre Zöglinge vor gewissen Inhalten schützen wollen, ist durchaus nachvollziehbar und verständlich. Fraglich ist halt nur, wie sinnvoll diese Filterei ist. Wenn Kinder bzw. Jugendliche in das Alter kommen, in dem diese Inhalte für diese interessant wird, dürften die meistens schon über Möglichkeiten verfügen, diesen Filter zu umgehen. Am einfachsten natürlich dadurch, daß sie selber über einen eigenen Rechner verfügen und die Eltern somit keine Möglichkeiten mehr haben, dort eine Filtersoftware zu installieren.

Bei jüngeren Kindern würde es vermutlich eh sinnvoll sein, die Kinder am Rechner zu betreuen und sie zu entsprechender Medienkompetenz zu erziehen.

Den JusProg-Filter sehe ich deswegen immer noch skeptisch und würde mir wünschen, daß die Betreiber der gefilterten Seiten darüber informiert werden würden. Inklusive der Gründe, die dazu führten, weshalb die Seite auf der Filterliste gelandet ist. Und daß Bild.de als unbedenklich eingestuft wird, ist auch merkwürdig. So bleibt halt ein "G'schmäckle" über...

Auch F!xmbr hat bereits auf den Trackback geantwortet. Auch lesenswert.

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03 06 2009
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Comments

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25 05 2009
#1 Teuchtlurm (Reply)

TeuchtlurmSorry, aber für mich ist das weitaus mehr als ein "Gschmäckle"! Chris von F!XMBR hat dazu ja schon einiges geschrieben, besser könnte ich's nicht ausdrücken.
25 05 2009
#1.1 Ingo Jürgensmann (Reply)

Ingo JürgensmannTjanun, aber man sollte es auch nicht ueberbewerten. Chris hat es schon recht schoen formuliert, weswegen ich ja auch auf ihn verlinkt habe am Schluss, aber letztendlich ist das wohl ein Filter, der zum einen noch in der Betaphase ist, und zum anderen eh irrelevant. Wuenschenswert waere eine Benachrichtigung an die Seitenbetreiber ueber die Listung im Filter. Darueberhinaus sollte man die Freiheiten, die man selber wuenscht, auch anderen zugestehen. Zum Beispiel die Freiheit, einen Filter verwenden zu wollen. Auch wenn das noch so unsinnig erscheint. Gegen eine Zwangsfilterung von Staats wegen sollte man aber in der Tat alle Hebel in Bewegung setzen.

Auch sollte man vielleicht nicht immer gleich alles schwarz-weiss sehen. Wer einen freiwilligen Filter einsetzt, doktort vielleicht an irgendwelchen Symptomen herum, anstatt seinen Kindern Medienkompetenz beizubringen, aber in diesem Zusammenhang dann von Zensur zu sprechen, wie es derzeit haeufig und schnell geschieht, halte ich fuer falsch. Man sollte den Begriff nicht ueberstrapazieren, denn dann nutzt er sich ab und niemand regt sich mehr darueber auf, wenn es sich dann doch mal um echte Zensur handelt.

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