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Gestriger Aktionstag VDS in Rostock

Wenn man gestern auf dem Universitätsplatz in Rostock den Dialogen zwischen den Infoflyern verteilenden Aktivisten und den vorbeieilenden Bürgern Glauben schenkt, dann lehnt die Mehrheit der Rostocker Bürger die Vorratsdatenspeicherung ab: 

Frage, mit Infoflyer in der Hand: "Vorratsdatenspeicherung?"
Antwort von vorbeielenden Passanten: "Nein, danke!"

Auch wenn diese kleine Anekdote eher zum Schmunzeln verleitet, so waren wir (die Piratenpartei und ich von den Netzpolitischen Bürgern Rostock) gestern beim bundesweiten Aktionstag gegen die Vorratsdatenspeicherung durchaus erfolgreich und haben uns mit dem Infostand in Rostock damit zusammen mit 28 anderen Städten klar gegen die VDS positioniert. Denn am Montag, d. 15. Oktober wird der Hauptpetent Kai-Uwe Steffens vom AK Vorrat in einer öffentlichen Anhörung vor dem Petitionsausschuß des Deutschen Bundestages sprechen und den Bundestag, gemäß des Petitionstextes, dazu auffordern, sich für ein europaweites Verbot der VDS auszusprechen.

Zwar eilten viele Passanten am gestrigen Samstag am Infostand vorbei und wollten, wie in der obigen Anekdote angedeutet, keinerlei Flyer mitnehmen, aber dank des guten Wetters konnten wir bei allerbestem herbstlichen Sonnenschein viele Passanten in kurzen, manchmal auch längeren Gesprächen in Bezug auf die VDS informieren und auch immerhin so viele Flyer verteilen, daß schon nach gut der Hälfte der Zeit die extra vom AK Vorrat entworfenen und vom FoeBuD e.V. zugeschickten neuen Flyer restlos verteilt waren und wir auf Restbestände vom letzten Jahr zurückgreifen mussten.

Leider wussten viele Passanten kaum etwas über die VDS, aber umso wichtiger sind solche Infostände. Außerdem wird uns das Thema VDS sicherlich noch einige Zeit, auch nach der Anhörung am Montag, begleiten. Solange nicht die EU-Richtlinie zur VDS gekippt ist, solange werden wir auch am Ball bleiben und über diesen unverhältnismäßigen Eingriff in unsere Privatsphäre informieren müssen.

 

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Kabinett beschließt Beschneidungsgesetz

Gestern also hat das Kabinett das Beschneidungsgesetz beschlossen. Sagt die Tagesschau und der Spiegel. Damit soll der Vorhautamputation aus religiösen Beweggründen der Eltern dem Grundrecht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit Vorrang gegeben werden. Das Gesetz muss nun noch durch Bundestag und Bundesrat, soweit ich das überblicke.

Ich halte das Gesetz schlicht für falsch und verfassungswidrig, da es das Recht der freien Religionsausübung der Eltern auf das Kind in einer Art und Weise überträgt, die nicht unbedingt immer dem Kindeswohl dient. Davon zeugen inzwischen viele Berichte von Betroffenen, wie unter anderem bei MOGiS e.V. zu lesen ist: 

Alexander Bachl, dem als Kind aus religiösen Grunden von einem Arzt die Vorhaut amputiert wurde, sagt:
"Das Gesetz zur Legalisierung der Beschneidung ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die unter ihrer Beschneidung leiden. Rücksichtslos wurden alle von den beschneidungswünschenden Lobbys geforderten Praktiken, gleich wie schädlich und grausam, untergebracht. Man erkennt mit Schrecken, wie wenig das Leid von Kindern bei Politikern auf Empathie trifft."

Volker Sharing meint dazu:
"Als von Zwangsvorhautamputation Betroffener stehe ich erschüttert vor einem Gesetz, das Jungen das Recht auf genitale Unversehrtheit aberkennt. Dieses Gesetz beschneidet uns Zwangsbeschnittene ein zweites Mal, denn es negiert schlicht, wie Männer wie wir mit ihrer Beschneidung und deren Folgen leben. Die Bundesregierung ist taub und blind für die zahlreichen Berichte, in denen wir unter Überwindung unserer Scham von den Folgen der Zwangsbeschneidung für unser Leben berichten.

Der von einer ritualisierten Beschneidung betroffene Ali Utlu [2] fügt hinzu:
"Die Debatte über die Beschneidung läuft sehr einseitig, denn Opfer kommen nicht zu Wort, werden totgeschwiegen. Es ist eine rein religiöse Diskussion. Ich werde mein Leben lang unter den Auswirkungen leiden müssen, wie viele andere auch die bei der Entscheidung übergangen wurden. Meine Beschneidung nehme ich im Nachhinein wie eine Vergewaltigung meines Körpers wahr. Zudem handelte es sich um einen Eingriff in meine eigene Religionsfreiheit - der Freiheit auch keiner Religion anzugehören. Durch das Kupierverbot haben in Deutschland sogar Hunde mehr Rechte als Kinder!

Es ist mal wieder bezeichnend für unsere Politik, daß einer breiten gesellschaftlichen Diskussion aus dem Wege gegangen wird und stattdessen lieber - husch! husch! - schnell ein Gesetz auf den Weg gebracht wird. Das Problem, wenn das Gesetz in Kraft treten sollte, ist nun aber leider, daß man dagegen kaum vor dem Bundesverfassungsgericht klagen können wird. Denn normalerweise können nur unmittelbar Betroffene vor dem Bundesverfassungsgericht klagen, also die kleinen Jungen, denen die Vorhaut amputiert werden soll. Ein acht Tage altes Baby wird aber genausowenig klagen wie ein sechsjähriger muslimischer Junge. Und das Ganze muss auch noch binnen eines Jahres nach Inkrafttreten des Gesetzes passieren.

Möglich wäre auch eine Organklage einer Partei oder eines Abgeordneten. Aber auch das dürfte schwierig werden, wie ein Blick in die Wikipedia verrät: 

Parteifähigkeit

Antragsberechtigt sind Oberste Bundesorgane im Sinne des Art. 93 Abs. 1 Nr. 1 GG. Dazu zählen der Bundespräsident, der Bundestag, Bundesrat und die Bundesregierung, sowie die gemeinsamen Ausschüsse (Art. 93 Abs. 1 Nr. 1 GG i.V.m. § 13 Nr. 5, § 63 BVerfGG).

Antragsberechtigt sind auch Teile dieser Organe, sofern sie unter „andere Beteiligte“ im Sinne des Art. 93 Abs. 1 Nr. 1 GG fallen. Organteile können etwa der Bundestagspräsident, der einzelne Abgeordnete (als Teil des Organs Bundestag), Bundesminister (In-Sich-Streit zwischen einzelnen Bundesministern ist unzulässig), Fraktionen sowie politische Parteien, sofern diese in ihrer (organschaftlichen) Stellung als Mitwirkende am Verfassungsleben betroffen sind, sein.

Antragsbefugnis

Ein zulässiger Antrag liegt nach diesem Kriterium nur dann vor, wenn der Antragssteller die Verletzung eigener, aus der Verfassung herleitbarer Rechte hinreichend geltend macht. An dieser Stelle wird jedoch nur festgestellt, ob ein solches Recht verletzt sein könnte (Möglichkeitstheorie). Die konkrete Frage, ob die Verletzung tatsächlich vorliegt, wird im Rahmen der Begründetheit (siehe unten) geklärt.

  • Das konkrete Recht muss sich aus der Verfassung ableiten lassen
  • Der Antragssteller selbst oder das Organ, dem er angehört (gesetzliche Prozessstandschaft), muss in diesem Recht verletzt oder unmittelbar gefährdet sein.
  • Die Rechtsverletzung muss hinreichend plausibel geltend gemacht werden.

Form und Frist

Ein Antrag auf ein Organstreitverfahren hat schriftlich zu erfolgen (§ 23 Abs. 1 BVerfGG). Der Antrag ist zu begründen (§ 64 Abs. 2 BVerfGG). Die Frist beläuft sich auf sechs Monate nach Bekanntwerden der fraglichen Handlung oder Unterlassung (§ 64 Abs. 3 BVerfGG).

Bei Organklagen gilt also zudem nur eine Frist von 6 Monaten. Bei der Antragsbefugnis sieht es sogar noch schlimmer aus: das konkrete Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit ist zwar gegeben, aber schon die Unmittelbarkeit der Betroffenheit dürfte schwierig herzuleiten sein.

Wenn ein Jurist hier eventuell doch noch einen Weg sehen würde, würde ich mich über einen Kontakt freuen. Nicht, daß ich selber klagen will, aber ich leite das dann gerne an MOGiS weiter...

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Aktionstag VDS in Rostock am 13. Oktober

Am Samstag, d. 13. Oktober wird es einen bundesweiten Aktionstag im Vorfeld der Anhörung vor dem Petitionstag zur Vorratsdatenspeicherung geben, an dem sich bisher bereits über 10 Städte in ganz Deutschland beteiligen werden. Auch in Rostock wird es von 10-14 Uhr einen Infostand auf dem Universitätsplatz geben, der von der Piratenpartei betrieben werden wird. Die Netzpolitischen Bürger Rostocks werden natürlich mit von der Partie sein und entsprechend mithelfen, möglichst viele Bürger zu informieren und über den Umfang der Vorratsdatenspeicherung aufzuklären.

Wir freuen uns natürlich über jeden, der uns am Infostand besucht und sich informieren möchte!

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Interview mit einer Mitläuferin in Rostock

Vor einigen Monaten hat Johannes Ponader, seines Zeichens Politischer Geschäftsführer der Piratenpartei Deutschland, aber auch Künstler und Theaterregisseur, in einem Artikel in der Zeit seinen Rücktritt vom Amt öffentlich gemacht - vom Arbeitsamt. Seine Erlebnisse mit dem Amt, die er im Artikel schilderte, führten dazu, daß sich eine Bewegung formte, die den Betroffenen und Arbeitslosen helfen wollen, denn, so Ponader: 

Die Jobcenter teilen ihre Kunden in mehrere Kohorten ein: arbeitsmarktnah, arbeitsmarktfern, nicht vermittelbar. Doch es gibt auch eine inoffizielle Kategorie: Kunden, die ihre Rechte kennen. Sie kommen oft zu zweit aufs Amt, begleiten sich gegenseitig. Insider berichten, das seien etwa zwei Prozent der Kunden. „Wären es fünf bis zehn Prozent“, so ein Insider, „könnten wir einpacken“.

Viele Antragsteller kennen ihre Rechte nicht oder sind einfach beim Gang aufs Amt eingeschüchtert. Die neue Bewegung, die sich aufgrund dieses Artikels in der Zeit gegründet hat, nennt sich "Die Mitläufer" und ihr Hilfsmodell ist so simpel wie wirksam: sie begleiten Menschen, die dies wollen, mit auf das Arbeitsamt bzw. in das Jobcenter und leisten ein wenig Beistand, passen vielleicht auf, daß die Menschen nicht eingeschüchtert oder gar über das Ohr gehauen werden.

Schnell haben sich in ganz Deutschland Menschen gefunden, die bereit sind, ein bißchen ihrer Freizeit zu opfern, um andere bei ihren Gängen auf das Amt, egal welches, zu begleiten. Sie nennen sich "Die Mitläufer" und ihre Webseite ist unter http://wirgehenmit.de/ zu finden. Auch in Rostock gibt es eine Mitläuferin: Nicole W. Hier ein Interview per Mail mit Nicole: 

Hallo Nicole! Magst Du dich kurz selber vorstellen?
Mein Name ist Nicole W. und ich bin 35 Jahre jung. In Rostock wohne ich erst seit 5 Jahren, ich komme ursprünglich aus dem Westen nahe Düsseldorf. Allerdings fühle ich mich sehr wohl in der Hansestadt und könnte mir unter keinen Umständen vorstellen wieder weg zu ziehen.
Ich bin dreifache Mama und alleine, weil Rostock sehr Familienfreundlich ist - und gerade der Stadtteil, in dem ich wohne, politisch sehr hart arbeitet, den Stadtteil wohnenswert zu machen und vor allem Familienfreundlich zu gestalten - ist es Grund genug, hier nicht mehr weg zu wollen.

Was sind die Mitläufer? Worum geht es bei http://wirgehenmit.org?
Mitläufer sind Menschen die in Ihrer Freizeit, anderen Menschen bei schwierigen oder überhaupt bei Ämtergängen beistehen und eben "Mitlaufen". Sie sind in Prinzip stumme Zeugen, die allein durch Ihre Anwesenheit dafür Sorge tragen, dass sich an geltende Gesetze gehalten wird und das derjenige, mit dem mitgelaufen wird, im Amt ordentlich behandelt und beraten wird.

Wie bist Du selber auf die Mitläufer aufmerksam geworden bzw. was ist deine Motivation, dich selber als Mitläuferin zu beteiligen?
Aufmerksam geworden bin ich durch Johanes Ponader und sein Wirrwar beim Amt und die daraus resultierende Medienschlacht mit anschließender Initiative bei Twitter, eine solche Sache zu starten. Ich fand die Idee von Anfang an gut und habe keine Sekunde gezögert, mich dort einzutragen.
Ich bin ein sehr sozialer Mensch und wenn ich mit solchen kleinen Gesten, anderen Menschen helfen und eventuell Hoffnung schenken kann, bin ich immer bereit, etwas zu tun.

Hattest Du schon selber Erlebnisse bei der Agentur für Arbeit bzw. im Jobcenter, bei denen Du dir einen Mitläufer gewünscht hättest?
Bedingt durch den tödlichen Unfall meines mittleren Sohnes vor etwa drei Jahren, hatte ich gerade in der Anfangszeit danach selber des öfteren Begleitung beim Amt. Damals habe ich schon erfahren wie anders man behandelt wird, sobald eine andere Person mit im Raum sitzt und das hat sich in den letzten drei Jahren so weiter gezogen, da ich immer mal wieder auf das Angebot von Begleitern zurückgegriffen habe. Die Beratung ist viel umfänglicher und man wird viel weniger schnell "abgespeist". Abgespeist wird man schnell, wenn man ins Amt geht und keine Ahnung hat, was seine eigenen Rechte sind, deswegen wäre generell mein Tipp, sich vor einem Amtsgang nach seinen Rechten und nach allen Möglichkeiten kundig zu machen. Das nur am Rande.
Nach dem Unfall war ich drei Jahre berufsunfähig und wurde relativ in Watte gepackt.Nachdem ich aber offiziell wieder einsatzfähig war, wechselte mein Sachbearbeiter (aus organisatorischen Gründen) und dieser hatte von der Vorgeschichte keine Ahnung, weil er offensichtlich seine Hausaufgaben nicht gemacht hat. Das Gespräch war nicht besonders schön: ich wurde als "Verweigerer" dargestellt und auch sonst nicht sehr nett behandelt. Zwar nicht schlecht, aber man hat einfach gemerkt, das man nur eine Nummer von Vielen ist, die lästig ist, weil sie schon solange nicht gearbeitet hat. Erst als beim Sachbearbeiter der Groschen gefallen war, was meine Vorgeschichte ist (nach der wortwörtlichen Frage:"Wieso sind sie denn so..naja so eben") wurde ein anderer Ton angeschlagen. Bei diesem Gespräch hätte ich gerne jemanden dabei gehabt, da ich mich danach nicht besonders gut gefühlt hatte. Auch wenn der Sachbearbeiter sich noch im Gespräch entschuldigt hatte. Aber es zeigte mir einfach wie mit Menschen umgegangen wird, die nicht ins Schema passen.

Hattest Du schon einen Einsatz als Mitläufer?
Bisher hatte ich noch keinen Einsatz als Mitläufer.

Weißt Du, ob das Projekt bereits in Rostock bei der Bevölkerung bekannt ist? Oder scheuen sich die Leute, um Hilfe zu fragen? Gibt es bereits Erfahrungen hierzu aus anderen Städten?
Ich persönlich denke, diese Initiative ist nicht sehr bekannt.Ich habe meine Mitmenschen schon des öfteren drauf angesprochen und mich als "Mitläufer" angeboten, aber ich glaube, viele denken das man gar keine andere Person dabei haben darf oder sie haben Angst und scheuen sich.

Wie kann man selber Mitläufer werden und anderen helfen? Wie kann man helfen, wenn man selber keine Zeit hat, weil man zum Beispiel selber arbeiten muss?
Mitmachen ist ganz einfach. Es gibt eine Liste auf der man sich eintragen kann und schon ist man dabei. Außerdem gibt es noch etliche andere Möglichkeiten diese Initiative zu unterstützen. All das ist zu finden unter http://wirgehenmit.org/.

Wie ist deine Einschätzung zur gesellschaftlichen und politischen Bedeutung der Mitläufer? 
Ich schätze die Bedeutung sehr hoch ein. Auf diese Art zeigen die Menschen, dass sie nicht mehr alles mit sich machen lassen, nur weil sie in einer momentan schlechteren Position verharren.

Sind die Mitläufer dein einziges ehrenamtliches Engagement oder gibt es da noch mehr?
Seit etwa zweieinhalb Jahren bin engagiere ich mich freiwillig in unserem Stadtteil- und Begegnungszentrum. Ich unterstütze u.a. die Leiterin des Spielzimmers für die Grundschulkinder und leite seit einigen Monaten das durch Eltern geführte Mutter-Kind-Zimmer für die ganz kleinen bis 5 Jahre. Dazu habe ich vor kurzem die Leitung einer von Jugendlichen geführten "Kinderzeitung" übernommen.

Ähnlich wie bei Johannes Ponader schildert auch Nicole entsprechende Erlebnisse bei ihren Gängen auf das Amt. Besonders interessant ist dabei, daß sie das Konzept des Mitgehens oder eines Begleiters aufgrund ihres Schicksals durch den Verlust ihres Sohnes bereits vorher kennengelernt und erfahren hat, wie anders man dann dort auf dem Amt behandelt wird.

Umso deutlicher wird deswegen auch die Bedeutung dieser Initiative, oder wenn man so will: Bewegung: sie bringt den Betroffenen ein wenig Menschlichkeit zurück, weil sie ganz einfach menschlicher behandelt werden, wenn sie nicht alleine vor ihrem Sachbearbeiter sitzen. Wer schon einmal selber ALG2 bezogen hat, weiß aus eigener Erfahrung, daß man sich da schon ziemlich nackig machen muss, wenn man den Antrag stellt. Die Journalistin Bettina Hammer hat dies auch nochmal selber in einem Beitrag auf wirgehenmit.org dargestellt.

Außerdem zeigt das Beispiel der Mitläufer, wie sich Sachen, die im Netz entstanden sind, mittlerweile als Bewegung im wirklichen Leben manifestieren und der Allgemeinheit dienen können. Insofern ist das Projekt der Mitläufer und die Webseite http://wirgehenmit.org/ vielleicht sogar prototypisch für andere gesellschaftliche Beteiligungen und die Bedeutung von netzpolitischem Engagement in der heutigen Gesellschaft.

Bleibt nur zu hoffen, daß sich noch weitere Menschen wie Nicole finden, die Mitmenschen auf ihren Gängen in die Ämter begleiten und auch, daß das Projekt in der Bevölkerung an sich bekannter wird. Im Idealfall sollte niemand mehr alleine auf das Amt gehen müssen und jeder wissen, daß er das auch gar nicht braucht, weil es die Mitläufer gibt!

PS: Auf der Webseite gibt es auch PDFs zum selberausdrucken und weiterverteilen. Eines der PDFs findet ihr auch hier unter dem Artikel.

PPS: Dies ist ein Crosspost von npbhro.de

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Pimp your Mac: von 4 auf 8 GB RAM

Vor über 2 Jahren hab ich mir ein MacBookPro gekauft, in der HiRes-Variante, also 1680x1050 Pixel Auflösung. Das war noch vor der Retina-Display Zeit. Demnach ist das ein Mid 2010 MBP, damals noch mit 4 GB ausgestattet.

Die 4 GB haben auch nun gut 2 Jahre gehalten, aber die Programme werden zahlreicher und größer und auch bei OSX selber scheint sich immer mehr Gerumpel anzusammeln. Das Booten dauert immer länger, aber auch Firefox, Aperture und FinalCut Pro X brauchen immer mehr RAM, so daß ich manchmal mit 2-3 GB an benutztem Swap häufiger den Beachball zu sehen bekam, als mir eigentlich lieb war.

Also musste mehr Speicher her. Auf einer Apple Support Seite ist zum Glück aufgelistet, was man für Speicher braucht und wie man ihn einbaut. Das machte die Suche nach Speicher beim örtlichen Computerladen einfacher, vor allem weil dieser eigentlich nichts mit Macs zu tun hat. Für € 62.- hatte ich dann heute den Speicher abgeholt und zuhause eingebaut. Und zu meiner Überraschung scheint der Rechner damit sogar zu funktionieren: 

 Die Gelegenheit des offenen Rechners hatte ich dann auch zum Entstauben der beiden Lüfter genutzt, die gut voll saßen. Es war also bitter nötig. Nun ist der Rechner also nicht nur schneller, im Sinne von "er swappt weniger", sondern auch wieder etwas leiser, weil die Lüfter nun nicht mehr gegen den Staub ankämpfen müssen.

Im Netz gibt es übrigens viele Ratschläge, wie man seinen Mac beschleunigen kann. Die meisten empfehlen den Einbau einer SSD. Mal vom preislichen Nachteil abgesehen, bringt eine SSD in meinen Augen nichts, wenn der Rechner zu wenig RAM hat und deswegen ständig swappen müsste. Das tut auch der SSD im Zweifel nicht unbedingt gut. Eine SSD bringt zwar schnelleren Plattenzugriff, was sich beim Booten und beim Starten von Programmen auswirkt, aber wenn man einfach schrecklich viele Fenster und Tabs im Firefox geöffnet hat, hilft eine SSD auch nur bedingt etwas.

RAM ist halt nur durch noch mehr RAM zu ersetzen. Alte Nerd-Weisheit. 

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Tourauftakt: Hannes Wader in Georgsmarienhütte

Vor Monaten war mir Hannes Wader eigentlich noch ziemlich unbekannt. Bis er dann im NDR-Fernsehen in der Sendung "DAS!" auftrat. Die Vita von Wader erschien mir interessant, auch wenn ich nicht nachvollziehen kann, wie er zur DKP kam. In der Sendung wurde nicht nur auf seinen 70. Geburtstag hingewiesen, sondern auch seine bevorstehende Tour. Dank Internet und Youtube habe ich mir das eine oder andere Lied angehört und daraufhin geschaut, ob er in Rostock oder Umgebung auftritt. Tut er leider nicht, wie ich den Tourdaten entnehmen konnte, aber zu meiner Überraschung startete die Tour am 30. September in Georgsmarienhütte, meiner Heimatstadt. Also schnell online zwei Tickets gebucht. Wunderbare neue Onlinewelt! 

Nachdem wir dann auch die Sache mit dem Urlaub geklärt hatten, ging es am Sonntag dann von Rostock nach Georgsmarienhütte. Das Konzert sollte, nach Aufdruck auf den Karten, um 19:30 losgehen. Als wir um kurz nach 19 Uhr im Kasinopark in Hütte ankamen, war der Saal bereits rappelvoll gefüllt. Mit etwas Glück konnten wir noch relativ weit vorne, ca. in Reihe 10 und 11, noch zwei einzelne Plätze finden. Die Mehrheit der Konzertbesucher war deutlich älter. Zu unserer Überraschung waren wir aber nicht die Jüngsten, sondern zwei junge Mädels, vielleicht so 10-11. Klasse saßen direkt neben uns.

Hannes Wader kam dann irgendwann kurz nach 19:30 auf die Bühne und begann, wie bekannt und zu erwarten war, mit dem Wader-Klassiker "Heute hier, morgen dort". Nach 1-2 weiteren alten Liedern ging es dann mit neuen Liedern vom neuen Album "Nah dran" weiter, unter anderem auch mit dem Anti-Nazi-Titel "Boulevard St. Martin", in dem es um die Flucht des deutschen Resistance-Kämpfers Peter Gingold vor den Nazis in Paris geht. Weitere Titel vom neuen Album waren "Dass wir so lange leben dürfen", "Nah dran", "Der Drachen", "Die welken Blätter (Les feuilles mortes)", "Jeder Traum", "Alter Freund", "Seit Ewigkeiten (To Everything There is A Season - Turn, Turn, Turn)", "Das Lied vom Tod" und natürlich auch "Was keiner wagt" von seinem Kollegen und Freund Konstantin Wecker. Da waren auch noch einige andere Lieder, aber aufgrund diverse Umstände komme ich erst heute dazu, darüber zu schreiben und habe natürlich die Titel vergessen.

Das Publikum ging gut mit und gab auch bei dem einen oder anderen gesellschaftskritischen Lied Zwischenapplaus. Hannes Wader erzählte zu diesem oder jenem Titel noch ein paar Kleinigkeiten. Etwa bei "Alter Freund", in dem es um seinen November 2011 verstorbenen Freund Franz-Josef Degenhardt geht und um einen Baum, den er gefällt hatte, weil er morsch war und auf Rat von Hannes Wader einen neuen Kirschbaum gepflanzt hatte. Leider kam da wohl Degenhardts Schwiegersohn dazwischen, der einen relativ kleinen Baum pflanzte statt eines eigentlich größeren. Ab und zu merkte man Wader ein bißchen die Nervosität des Tourauftakts anmerken, wenn er sich mal beim Text verhaspelt hatte. Aber das fand ich für einen 70jährigen Liedermacher eher charmant als störend, zeigt es doch, daß es für Wader nach 50 Jahren Bühne immer noch immer noch kein Alltag ist, auf der Bühne zu stehen und er Lampenfieber hat.

Nach gut 2 Stunden mit einer kurzen Pause ging das Konzert dann um ca. 22 Uhr nach mehreren Zugaben und Standing Ovations mit dem Titel "Ade zur guten Nacht" zuende.

Bemerkenswert war neben der Alterstruktur der Besucher auch, daß etliche Vinylplatten verkauft wurden. Ebenso seltsam fand ich, daß ein älterer Herr mit grau-weißem Vollbart mit einem Stereo-Aufnahmegerät offensichtlich ein Bootleg angefertigt hatte. Soviel dazu, daß die Jugend im Internet soviel und so hemmungslos raubmordkopiert...

Mein Fazit jedenfalls: Unbedingt empfehlenswert! Hannes Wader ist ein Liedermachen, ein politischer noch dazu. Doch nicht alle Texte sind politisch oder gesellschaftskritisch. Die meisten seiner Texte sind aber hörenswert, u.a. "Das Lied vom Tod" wo er sich pointiert mit seinem eigenen Tod auseinandersetzt. Wer gute Texte schätzt, sollte sich durchaus Wader mal anhören.

PS: ein weitere Bericht ist auf www.radionist.de zu lesen.

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Blog-Pause

Mohammed-Karikaturen, Propheten-Videos und Bücherverbrennung

Derzeit sorgt ein offenbar dämliches Video für Aufruhr in der islamischen Welt. Irgendein ultraorthodoxe Christ/Kopte in den USA hat ein Schmähvideo produziert, um seiner antiislamistischer Grundhaltung Ausdruck zu verleihen. Nun könnte man meinen, daß ein offensichtlich mieser Film keine große Beachtung finden wird, aber leider gibt es da die andere Seite: orthodoxe bzw. geradezu fanatische Islamisten (Salafisten), die sich - natürlich! - in ihrem Glauben verletzt sehen und Botschaften anzünden und sogar auch nicht vor Mordaufrufen an Diplomaten zurückschrecken bzw. bereits solche Morde verübt haben.

Es ist natürlich nun ein leichtes, aus unserer aufgeklärten Gesellschaft heraus, für mehr Gelassenheit und Säkularisierung zu werben. Andere wiederum empfinden das als eine Art Kolonalisierung auf einer anderen Ebene, wie etwa in den Kommentaren unter einem Artikel bei den Ruhrbaronen zu lesen ist. Aber was ist die Alternative zu Säkularisierung, Aufklärung und Humanismus?

Wenn radikale Islamisten, die zudem auch noch durch andere Staaten, wie zum Beispiel Saudi Arabien, finanziert werden und wodurch dann ein Ungleichgewicht in der öffentlichen Wahrnehmung entsteht, zu Gewalttaten aufrufen, welches Mittel hat dann die säkularisierte westliche und übrige Welt übrig, als sich irgendwie zu schützen? Schlimmer wird die ganze Problematik noch dazu dadurch, daß auch in bereits eigentlich säkulären Staaten wie den USA religiöse Fanatiker an die Macht streben. Sehr schön zu sehen im derzeitigen Wahlkampf um die US-amerikanische Präsidentschaft.

Glaube und Religion sind grundlegende Menschenrechte. Jeder soll glauben können, was er mag, und dabei frei und ungehindert seine Religion ausüben können. Das gilt universell und in alle Richtungen: für Christen ebenso wie für Juden, Moslems, Buddhisten, Atheisten oder was es sonst noch für Religionen geben mag. Aber wenn wir ein friedliches Miteinander haben wollen, bedeutet das auch, daß der Glauben anderer Menschen und deren Religion akzeptiert und toleriert werden muss. Wenn also ein islamischer Geistlicher meint, er müsse auf den Film mit dem Zerreissen der Bibel und deren Verbrennung reagieren, dann sollte sich der gleiche Geistliche auch die Frage gefallen lassen, wie er denn reagieren würde, wenn ein christlicher Geistlicher den Koran öffentlich zerreissen würde? Oder anders ausgedrückt: ein Glaube oder eine Religion verliert doch dadurch nichts an Wert, nur weil irgendein Idiot einen dämlichen Film dreht oder ein anderer Idiot irgendein Buch zerreisst?

Säkularisierung, Aufklärung und Humanismus sind also keine neue Form der Kolonalisierung, sondern eine bittere Notwendigkeit, Gewalt oder gar Kriege aus religiösen Gründen zu verhindern.

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Opt Out Day 2012 in Rostock

Am Donnerstag, d. 20. September findet der diesjährige bundesweite Opt Out Day statt. Auch in Rostock wird es einen Infostand am Neuen Markt geben, wo ihr euch über den Opt Out Day informieren und - viel wichtiger! - wo ihr euren Widerspruch gleich unterschreiben und beim Meldeamt abgeben könnt. Der Infostand wird von 10-17 Uhr dort sein und wird federführend von der Piratenpartei MV betrieben.

Wenn ihr euch erinnert wollt: während der Fußball-EM hat der Deutsche Bundestag während eines Spiels der deutschen Nationalmannschaft mit äußerst wenigen anwesenden Bundestagsabgeordneten in 57 Sekunden eine Änderung des Meldegesetzes beschlossen, die einen Widerspruch faktisch unmöglich macht, da auch dann die Daten weitergegeben werden dürften. Das neue Meldegesetz hängt nun, dank Bundesrat und entsprechender öffentlicher Aufregung, im Vermittlungsausschuß.

Nutzt also die Chance und widersprecht schon jetzt der Weitergabe eurer Daten durch das Meldeamt! Ihr könnt natürlich auch jederzeit euch das Formular zum Widerspruch beim Landesdatenschutzbeauftragten herunterladen, ausfüllen und dem Melde- oder Ortsamt zukommen lassen (Formulare für andere Bundesländer).

Also bis Donnerstag am Neuen Markt!

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Offener Brief: FoeBuD will neuen Namen und befragt Mitglieder

Der Verein zur Förderung des bewegten und unbewegten Datenverkehrs, kurz FoeBuD e.V., möchte nach 25 Jahren nnicht mehr erklären müssen, was FoeBuD bedeutet und was bewegter und unbewegter Datenverkehr ist. Deshalb sucht der Verein schon seit geraumer Zeit einen neuen Namen und hat deshalb nun auch seine Mitglieder um Meinung zu ein paar Vorschlägen gebeten, die dem Verein als geeignete neue Namen erscheinen. Da ich Mitglied im FoeBuD bin, sah ich mich aufgrund der Namensvorschläge dann doch genötigt, meine Meinung dazu abzugeben, was ich hier auch nochmal öffentlich und transparent als quasi Offener Brief machen möchte: 

Hallo FoeBuD!

Im letzten Schreiben an die Mitglieder werden wir ja ermuntert, euch unsere Meinung zu den folgenden Namensvorschlaegen zu schicken, was ich hiermit tun will:

* Data Movement
*Datawatch
* Die Algonauten
* Digitalcourage
* Lebenswert Digital

Ehrlich und offen gesagt finde ich alle Vorschlaege ziemlich unpassend und vor allem nichtssagend. Die Vorschlaege "Data Movement", "Datawatch", "Digitalcourage" sind irgendwie Allerweltsbezeichnungen, "Die Algonauten" hingegen wieder so abgedreht und speziell, dass die Allgemeinheit damit auch wieder genauso wenig anfangen koennen wird wie mit FoeBuD. Bei "Datawatch" kommt noch hinzu, dass mir das zu sehr von Foodwatch abgeguckt klingt. Wie ihr vielleicht wisst, sucht auch die Humanistische Union gerade nach einem neuen Namen und auch dort gibt es solche Vorschlaege wie Civil Rights Watch. Es scheint also eine regelrechte Mode zu geben, sich irgendwelche *watch Namen auszudenken, was die ganze Sache dann auch wieder beliebig, wenig aussagekraeftig und austauschbar macht.
"Lebenswert Digital" hoert sich wie der Titel einer Hochglanz-Zeitschrift fuer den digitalen Life-Style ala "Schoener Wohnen" an.

Ich kann zwar verstehen, dass es nach 25 Jahren nervt, die Abkuerzung FoeBuD immer noch erklaeren zu muessen, aber FoeBuD ist nun einmal auch eine Marke, ein Begriff und eine gewisse Groesse. Auch bei EDRi kommen Leute, die die Abkuerzung zum ersten Mal hoeren, nicht unbedingt sofort auf die Bedeutung. Genauso wie EDRi ist aber auch FoeBuD relativ praegnant und gut aussprechbar. Dass man die dann eventuell die Langform erklaeren muss, empfinde ich nicht unbedingt als Nachteil, sondern als Gelegenheit, die Ziele des Vereins dabei ebenfalls erlaeutern zu koennen.

Wenn der FoeBuD seinen Namen aendert, spart man sich vielleicht die Erklaerung der Bedeutung, aber dafuer muss man dann erklaeren, wieso man sich umbenannt hat. Und der Verein muss in vielen Bereichen wieder von vorne anfangen, sich ein Standing und entsprechendes Vertrauen aufzubauen. Ich bin mir nicht sicher, ob dieser Aufwand den von euch empfundenen Nachteil des "sperrigen" Namen "FoeBuD" aufwiegen kann.

Ich persoenlich identifizier mich eher mit dem "alten" FoeBuD und kann mir derzeit nicht vorstellen, dass ich anderen Leuten Netzpolitik, Datenschutz und Bürgerrechte erklaere und denen sage, dass ich im Verein "Die Algonauten" oder "Lebenswert Digital" Mitglied bin.

Ich hoffe, wenn ihr den Namen zur Wahl stellen solltet, dass es dann auch die Beibehaltung von "FoeBuD" und/oder eine "NOTA - none of the above" Option geben wird...

Ingo

Dummerweise hatte ich dann noch eine Sache vergessen und musste noch eine Mail nachschieben: 

Ich nochmal...

Hatte eben noch was vergessen:

Wie bereits geschrieben, kann ich verstehen, dass die Erklaerung, was FoeBuD bedeutet und was mit bewegtem und unbewegtem Datenverkehr gemeint ist, nach 25 Jahren halt irgendwann nervt.

In Rostock hatte ich letztes Jahr das netzpolitische Bier Rostock (#npbhro) ins Leben gerufen. Da man auch bei der Stadt und kommunalen Einrichtungen sowie lokalen Parteivertretern es schwer hat, wenn man gleich mit einem "Bier" im Namen ins Haus faellt, haben wir uns in "Netzpolitische Buerger Rostock" umbenannt. Vorteil ist, dass wir die Webseite und andere Kontaktmoeglichkeiten sowie den Hashtag #npbhro als "Logo" weiterverwenden koennen.

So koennte aus "FoeBuD - Verein zur Foederung des bewegten und unbewegten Datenverkehrs" halt auch "FoeBuD - Verein zur Foerderung von Buergerrechten und Datenschutz" werden. Das faende ich eigentlich die beste Loesung...

Ingo

Vielleicht gibt es ja noch andere FoeBuD Mitglieder oder Sympathisanten des FoeBuDs, die auch noch schnell mit abstimmen und Mitglied werden wollen? 

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