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Aaron Swartz ist tot

Aaron Swartz ist tot. Vermutlich wird euch der Name ähnlich wenig sagen, wie er mir selber bis vor wenigen Tagen nichts gesagt hat, aber Aaron Swartz war einer dieser sogenannten Netzaktivisten in den USA. Er hat unter anderem am Protokoll für RSS-Feeds mitgeschrieben. Und auch sich für ein freies Internet und frei zugängliches Wissen eingesetzt. So war er einer derjenigen, die die Proteste gegen SOPA und PIPA in den USA organisiert haben. Aber letztendlich könnt ihr auch alle die Artikel bei Heise oder bei der Sueddeutschen Online lesen.

Aaron litt wohl unter Depressionen und hat sich am 11. Januar in seiner New Yorker Wohnung erhängt. Offenbar, weil er in wenigen Wochen wegen seiner JSTOR Aktion, wie Heise schreibt: 

Anders sah es bei einer Aktion im Jahre 2011 aus, als Swartz versuchte, wissenschaftliche Artikel des JSTOR-Systems in einer Aktion downzuloaden. Weil Swartz sich dabei einen unerlaubten Zugang zum MIT-Netzwerk beschaffte, wurde er angeklagt, obwohl er sich mit JSTOR als geschädigter Partei gütlich einigen konnte. Wenige Monate nach dem Vorfall wurde die JSTOR-Bestände öffentlich zugänglich gemacht, es folgte der umstrittene Vorwurf, Swartz würde einen illegalen Datenhandel mit den Dokumenten betreiben. Dennoch wurde ein Verfahren gegen Swartz in 13 Klagepunkten eröffnet, die insgesamt eine Haftstrafe von 35 Jahren zur Folge gehabt hätten. Gegen die von vielen als überhart empfundene Reaktion der Justizbehörden protestierten etliche Gruppen, etwa die Electronic Frontier Foundation. Der Prozess sollte in wenigen Wochen beginnen.

Ihm drohten also bis zu 35 Jahren Haft für etwas, das er veröffentlichte, was das MIT bzw. JSTOR dann sowieso später veröffentlicht hat. Wer bereits unter Depressionen leidet und dann mit einer solchen Aussicht auf sein zukünftiges Leben konfrontiert wird, obwohl er - zwar nicht juristisch, aber moralisch - eigentlich richtig gehandelt hat, der wird sich in einer ausweglosen Situation sehen.

Was tun Menschen in einer ausweglosen Situation, insbesondere wenn sie der Meinung sind, sie seien Willkür und Ungerechtigkeit ausgesetzt? Wie auch Mohamed Bouazizi sah wohl auch Aaron Swartz keinen anderen Ausweg als die Ultima Ratio Selbstmord. Das ist schade und vor allem schwer für die Angehörigen. Nachvollziehen kann das wohl niemand, der selber noch nie in einer ähnlichen Lage war.

Leider sind Depressionen bei Netzaktivisten nicht selten. Auch Stephan Urbach litt daran, aber er hat das öffentlich gemacht. Und das ist eigentlich auch das einzige, was man machen kann, um es nicht zum äußersten kommen zu lassen. Und natürlich drauf zu achten, daß es erst gar nicht so weit kommt.

Als Aktivisten können wir von Aaron Swartz viel lernen: seine Hingabe, mit der er die für ihn wichtigen Themen angegangen ist, seinen Nachdruck dabei, aber auch lernen zu müssen, daß wir nicht ausbrennen und depressiv werden. Wir müssen auch lernen, daß wir zwar eigentlich das Richtige tun und wollen, aber daß wir für eine breitere Unterstützung in der Bevölkerung arbeiten und für andere Gesetze sorgen müssen.

Bis dahin können wir nur schauen, daß wir das Beste daraus machen, daß wir mehr auf uns und andere achten und keinen Burnout bekommen oder in eine Depression fallen, und daß sich so ein Schicksal wie von Aaron Swartz nicht wiederholen muss. Zumindest können wir weiterhin daran arbeiten, Aarons Vision von einem freien Internet und freiem Zugang zu Wissen zu verwirklichen. Und es liegt an uns allen, wie schnell und wie gut wir dieses Ziel erreichen.

UPDATE: 
Jens Ohlig hat lesenswerte Gedanken zum Tode Aarons. Er ist da ein bißchen direkter und klarer als ich mit seiner Aussage, daß dieser Suizid die Konsequenz des politischen Systems (Urheberrecht) ist.

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Flughafen und Elbphilharmonie

Gestern wurde ja bekannt, daß die Eröffnung des neuen Flughafens Berlin-Brandenburg (BER) erneut verschoben werden muss und der Aufsichtsratsvorsitzende Wowereit zurücktrat. Außerdem wundert sich ja auch niemand mehr, daß der Flughafen nun gut doppelt so teuer werden soll. Damit ist das Bauvorhaben in "bester" Gesellschaft, denn nahezu alle Vorzeigeprojekte bzw. -bauvorhaben scheitern: der BER, die Elbphilharmonie in Hamburg oder auch Stuttgart21.

Auch die Elbphilharmonie in der Hamburger Hafencity wird und wird nicht fertig, aber dafür immer teuerer. Und auch der tiefergelegte Stuttgarter Bahnhof wird wohl um ein deutliches teuerer werden. Doch warum? Sind unsere Politiker und vertragsabschliessenden Kommunen oder öffentliche Einrichtungen allesamt so inkompetent, daß sie sich bei den Verträgen ständig so über den Tisch ziehen lassen? Sollte man ja eigentlich eher nicht meinen, sondern vielmehr, daß die öffentliche Hand als solches auch entsprechende Experten hat, die entsprechende Vertragsklauseln, die von den ausführenden Privatfirmen eingebracht werden, entdecken und abschmettern können. Denn schließlich geht es hier um unser aller Steuergeld.

Also mit Inkompetenz kann man es wohl nicht begründen, auch wenn das eine verführerische Begründung sein würde. Vielleicht ist Ignoranz eine bessere Erklärung? Denen sind die Steuergelder egal, denn es ist ja schließlich nicht ihr eigenes Geld, was da massenweise durch den Schornstein geblasen wird. Aber auch Ignoranz dürfte wohl kaum als Erklärung ausreichen. Sicherlich würden mir nun noch weitere Schlagwörter dazu einfallen, aber lassen wir das.

Letztendlich geht es doch auch darum, daß die öffentliche Hand (nicht nur die, aber die ganz besonders aufgrund der klammen Kassen) dazu angehalten ist, immer das preiswerteste Angebot anzunehmen. Man soll ja schließlich Kosten sparen. Das aber hat nun über all die Jahrzehnte dazu geführt, daß auch die Privatfirmen nur noch Angebote abgeben, von denen eigentlich auszugehen ist und man eigentlich wissen sollte, daß die Kosten zu niedrig kalkuliert sind. Einfach, um eben den Zuschlag im Bieterverfahren zu bekommen. Hat man erst einmal den unterschriebenen Auftrag in der Tasche, bleibt dem Bauherrn meistens nichts anderes übrig, als dann die gesteigerten Kosten durch Nachforderungen der Privatfirmen zähneknirschend hinzunehmen.

Und diese Kostensteigerungen kann man natürlich beliebig fortsetzen. Sicherlich wird es auch die einen oder anderen Änderungswünsche von Seiten des Bauherrn geben, die zu Kostensteigerungen beiträgt, aber das sollte überschau- und kalkulierbar sein. Aber solche Patzer wie beim BER und der Elbphilharmonie lassen sich eigentlich nur durch die Verkettung mehrerer Umstände, wie oben beschrieben, erklären. Sicherlich wird es an der einen oder anderen Stelle mal eine inkompetente Person geben, die etwas entscheiden darf. Sicherlich wird es auch mal den einen oder anderen Entscheider geben, dem es egal ist, wieviel das Zeugs kostet, weil es ja nicht sein eigenes Geld ist. Aber sicherlich ist es auch ein systemisches Problem in der Auftragsvergabe, bei der im Prinzip nur auf die niedrigsten Kosten geschaut wird.

Nun kenne ich sicherlich auch nicht die Vergabekriterien im Detail, da diese ja auch allzu häufig geheim sind. Lediglich in Hamburg gibt es nun dank des neuen Transparenzgesetzes die Möglichkeit, in die Verträge rein zu schauen. Und somit haben wir einen weiteren Kritikpunkt: die Vertragsverhandlungen sollten eigentlich von Anfang an öffentlich und transparent sein, damit auch interessierte Bürger, Fachleute und im Zweifel auch die Konkurrenz die Möglichkeit der Kontrolle haben.

Außerdem muss Pfusch am Bau und in den Verträgen auch Folgen haben. Sowohl den Politikern als auch den Firmen muss klar sein, daß sie a) die Angebote ordentlich kalkulieren, b) dann auch einzuhalten haben und c) im Zweifel halt auch von künftigen Verträgen ausgeschlossen werden können oder aber eben zur Rechenschaft gezogen werden können. Insbesondere auch bei den entscheidenen hohen Politikern, bei denen man häufig den Eindruck hat, sie wollen zwar gerne die Macht haben, aber nicht die Verantwortung, die zu dieser Macht dazugehört.

Wer also in seiner Funktion als Oberbürgermeister die Funktion des Aufsichtsratschefs bekommt und damit so dermaßen patzt, wie es beim BER der Fall ist, der sollte auch konsequent sein und genug Mumm in den Knochen haben, um nicht nur vom Aufsichtsratsposten zurückzutreten, sondern auch vom Amt des Oberbürgermeisters.

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Mehr Unabhängigkeit des Bundesdatenschützers

Katharina Nocun hat bei der EU eine Beschwerde gegen die Bundesregierung eingereicht, da die Bundesregierung gegen die notwendige Unabhängigkeit der Datenschützer verstößt, wenn der Bundesdatenschützer im Bundesinnenministerium angesiedelt ist, wie es derzeit der Fall ist. Heise schreibt

Katharina Nocun, die Spitzenkandidatin der Piratenpartei bei den anstehenden Landtagswahlen in Niedersachsen, hat bei der EU-Kommission eine Beschwerde gegen die Bundesregierung eingereicht. In ihrem Blog begründet sie die Beschwerde damit, dass der gesamte Apparat des Bundesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit dem Bundesinnenministerium unterstellt ist. Dies verletzte die nach dem EU-Recht geforderte Unabhängigkeit des Datenschutzes.

Auch wenn Heise das in den Zusammenhang mit der Niedersachsenwahl am 20. Januar bringt, wäre es falsch, diese Beschwerde lediglich als Wahlkampfmanöver zu sehen. Katharina ist durchaus zuzutrauen, daß sie die Beschwerde so oder so gestellt hätte.

Notwendig und berechtigt ist die Klage allemal. Denn sie führt zu einer Stärkung des Datenschutzes, wenn der Bundesdatenschützer endlich wirklich unabhängig agieren kann. Aber auch dann gibt es in dieser Hinsicht noch viel zu tun, denn bis auf die Verhängung von Bußgeldern ist der Bundesdatenschützer in seinen Sanktionsmöglichkeiten ziemlich zahnlos. Diese Beschwerde kann also nur als einen Schritt in die richtige Richtung gewertet werden. Einen längst überfälligen Schritt zudem noch.

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Urlaub vorbei

Leider, leider ist auch dieser Urlaub heute vorbei. In den letzten 3 Wochen habe ich zwar nicht viel gebloggt, aber ich war ja trotzdem nicht untätig. So haben wir mit vereinten Kräften ja wieder den m68k Port von Debian an den Start gebracht, was mir immerhin eine Slashdot-Erwähnung eingebracht hat. Außerdem hab ich das eine oder andere Video vom 29c3 mir angeschaut. Da kommen in der nächsten Zeit bestimmt noch ein paar Guck-Empfehlungen.

Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, daß nach gut 3 Wochen Abwesenheit der Arbeitsanfang nicht wieder so stressig wird, daß der Erholungseffekt flöten geht.... aber ich fürchte Schlimmes... ;-)

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Landtagswahl in Niedersachsen

Am 20. Januar findet in meiner alten Heimat Niedersachsen die Wahl zum neuen Landtag statt. Da die Wahl in Niedersachsen auch in Hinblick auf die Bundestagswahl im September als wichtig angesehen wird, wäre es natürlich toll, wenn die bisher regierende CDU abgewählt werden würde. Insbesondere auch weil dann der unsägliche Innenminister Schünemann auch nichts mehr zu sagen hätte.

Egal was ihr wählt, schaut zu, daß Katharina Nocun in den Landtag kommt! Katta ist Mitglied in der Piratenpartei und auf Platz 2 der Landesliste, hat also sehr gute Chancen, sofern die Piratenpartei über 5% kommt. Ich habe Katta als einen sehr integeren und sehr engagierten Menschen kennengelernt und darüber hinaus hat sie es ohnehin schon mit ihrem langjährigen Einsatz für Bürger- und Grundrechte und Datenschutz sowieso schon bewiesen. So solche Leute brauchen wir in der Politik. Und wenn man das Wahlwerbevideo anschaut, dann ist sie auch besser in der Politik aufgehoben als in der Schauspielerei ;-)) : 

UPDATE:
Ein besseres Video mit mehr Inhalt gibt es übrigens vom Landesparteitag, als sie ihre Rede als Listenkandidatin hielt: 

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Slashdot'ted

Ich hatte ja dieser Tage berichtet, daß wir den m68k Port von Debian wieder so halbwegs in die Spur gebracht haben, weil die ersten Autobuilder wieder laufen. Der Post, weil er Debian betraf und englischsprachig war, erschien natürlich auch auf Planet Debian, wo er ein paar hundert Leser generierte. Aber irgendwie fand die Nachricht dann auch zu Slashdot. Und so wurde ich dann zum ersten Mal slashdotted:

Ich hatte das gar nicht so recht mitbekommen, wunderte mich nur, warum das Log des Webservers, das ich für solche außergewöhnlichen Zwecke immer mitlaufen lasse, plötzlich so permanent durchscrollte und der Rechner so langsam wurde. Eigentlich war ich nämlich dabei, einen kleinen Fehler im update-buildd.net Script zu beheben und wunderte mich, daß der Connect zum Webserver so langsam war bzw. nicht zustandekam.

Insgesamt kamen innerhalb von wenigen Stunden ca. 15x mehr Seitenaufrufe zustande als üblich. Ich hab das dann dadurch gelöst, daß ich den Webserver kurz heruntergefahren habe, um der virtuellen Maschine mehr RAM und mehr CPU zu geben. Außerdem hab ich dann noch die Anzahl der Apache Prozesse erhöht. Aber auch das Herunterfahren hat aufgrund der Last einige Zeit in Anspruch genommen.

Naja, heute hat sich der Traffic wieder normalisiert, nachdem die Meldung nicht mehr auf der ersten Seite von Slashdot vorhanden ist.

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Resurrecting m68k - We're on track again!

Mid of November I already wrote about "Resurrecting m68k" - and went on holidays right after that writing. So, nothing really happened until December. But then things happened rather quickly one after one. First, I got Elgar up and running. Then I upgraded Arrakis and Vivaldi again. And then it was a lucky coincedence that my parents made a short trip to Nuremberg. Back then there were another buildd located in that city: Akire, which was operated by Matthias "smurf" Urlichs. So I mailed him and asked, if Akire still do exists and he answered surprising quickly that it is - but he wanted to take it to the garbage soon.

I asked Smurf if my parents could pick it up and we managed to exchange contact addresses/phone numbers. To all of our surprise the Hotel, where my parents were staying, was just 180m away from Smurfs home! So it was really easy for my parents to pick up the machine, until they continued their trip to visit me in Rostock. That way I had just another machine to upgrade! Whoohoo!

I used most of the time in December to upgrade the machines, migrating to larger disks, setting up everything as someone on debian-68k list popped up to offer a hosting facility in Berlin. That was really perfect timing! I took Elgar from NMMN in Hamburg, where it was hosted until August, and had now a second machine, Akire, where I didn't know where to host. So the offer made it easy to decide: Elgar & Akire will go to Berlin whereas Kullervo & Crest will move back to NMMN, when those two boxes got upgraded. That way we have some kind of redundancy. Perfect!

Except that we would still need a running Buildd on those machines. During the last few years, I think 4-5 years, the sbuild/buildd suite did change in a great way. Nothing worked any longer as it did. So I concentrated on getting sbuild ready to pick a source and build it. But I got faced with some segfaults of various stuff. After all, it happened to be a somewhat broken kernel that caused all the problems. After upgrading the kernel, schroot suddenly did work and I could continue in setting up sbuild. After some days things got clearer and finally it worked: 6tunnel was the first newly build package by sbuild on m68k on 20. December 2012!

During the next days I tried to get a larger disk (18G) for Spice, another machine, working, so I could use the big disk (36G) for Akire, instead of the old 2 & 4G disks and tried to deploy the sbuild config to Arrakis and Vivaldi. That was about two days ago. The missing part was an updated buildd config. This was addressed by Wouter today (well, actually yesterday in the meantime) and now we have a working buildd again since years! Hooray! :-))

Now we are back on track with the m68k port and will add more buildds, as well native as emulated ones, to come down from that "Needs-Build : 5261" number.

So, very big thanks to all that made this possible: 

  • Wouter for configuring the buildd setup on Arrakis
  • Aurelien for adding the m68k buildd back to debian-ports.org.
  • John Paul Adrian Glaubitz for offering the hosting
  • Matthias "smurf" Urlichs for keeping care of Akire all of these years
  • NMMN in Hamburg for willing to continue the hosting for Kullervo & Crest
  • adb@#debian-68k for donating 4x 32MB PS/2 RAM

and finally, last but not least, a very, very BIG THANKS to Thorsten Glaser who acted all these years as a human buildd and for solving the TLS problem on m68k and keeping the port alive in some kind of one-man-show!

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Hiddensee: Bürgermeister gegen Schülerzeitung

Auf Spiegel Online kam heute ein Artikel, wie der Bürgermeister Hiddensees, Thomas Gens, versucht, einen Artikel in der Schülerzeitung Hiddensees zu unterdrücken. Was war geschehen? Damals im Kommunalwahlkampf war herausgekommen, daß Gens Mitglied bei der DVU war, woraufhin die CDU ihn aus der Partei ausschloß. Die Vergangenheit des Bürgermeisters interessierte nun unter anderem auch die Chefredakteurin Elisa Skott, die Gens hierzu während eines einstündigen Interviews auch ein paar Fragen zu diesem Thema stellte: 

Elisa sagt, sie habe immer wieder von diesen Vorwürfen gehört und gelesen: Gens soll als junger Mann für die Stasi gearbeitet haben. Bei seiner Bürgermeister-Kandidatur habe er das nicht angegeben und deswegen arglistig getäuscht, berichtete die "Ostsee Zeitung". Sie zitierte damit aus dem vertraulichen Papier einer Kommission, die hatte sich mit Gens' Fall befasst und dafür seine Akte vorliegen. Es hieß, er könne seinen Posten verlieren. Gens weist die Vorwürfe zurück.

Elisa sagt, sie habe sich trotzdem gefragt: Stimmt das? Warum ist er noch im Amt? Oder sind das nur Gerüchte? Und warum unterschrieb er diese Erklärung gegen Rechtsextremismus nicht? Was ist mit seiner früheren Mitarbeit in der rechtsextremen Partei DVU? [...]

Elisa tat, was ein Journalist tun muss: Sie hat aus dem Gespräch das Interessanteste ausgewählt. Das gedruckte Interview handelt also nicht vom Hubschrauberlandeplatz, sondern von Stasi und Rechtsextremismus. Deswegen hat der Bürgermeister einen Brief an die Schule geschrieben. Darüber berichteten auch die örtlichen "Inselnachrichten": "Maulkorb für Schülerzeitung", titelten sie.

Die Ausgabe der Schülerzeitung und den Brief von Gens kann man übrigens bei www.buerger-fuer-hiddensee.de herunterladen. Aber nicht nur Spiegel Online hat inzwischen das Thema aufgegriffen, sondern auch der NDR hat einen Bericht (Mediathek) hierzu.

Gens versucht mit seinem Brief die Berichterstattung über seine Vergangenheit zu unterdrücken. Er sucht nach Anhaltspunkten wie die unerlaubte Verwendung eines Fotos von seiner Webseite oder des nicht ganz einwandfreien Impressums, um Eilsa Skott in die Enge zu treiben. Er versteift sich in seinem Brief sogar auf diese Aussage: 

Eine Verbreitung des Textes untersage ich hiermit ausdrücklich.

Auch wenn Elisa Skott vielleicht nicht alles so gemacht hat, wie es der Bürgermeister gewünscht hat oder gar gewohnt ist, so geht die Untersagung der Verbreitung dann doch eindeutig zu weit und greift in die Grundrechte Elisas ein. Dazu muss man nun eigentlich nicht mehr viel sagen. Das geht einfach nicht und ist ein No-go!

Besonders schlimm wird es durch die Drohanrufe, die die Familie inzwischen bekommt. Umso wichtiger ist es, ein Zeichen für Demokratie und Pressefreiheit zu setzen und Elisa Skott und ihre Familie zu unterstützen und das Thema eben nicht unter den Tisch zu kehren. Ich würde mir mehr solche Elisas in den Medien wünschen, die eben nicht über das berichten, was die Interviewten gerne veröffentlicht sehen wollen, sondern genau das, was sie eigentlich zu verheimlichen suchen.

Wir brauchen mehr Elisas und weniger Bürgermeister, die meinen, sie könnten unangenehme Berichterstattung unterdrücken.

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Lauer zu 1 Jahr Rot-Schwarz in Berlin

Via Martin Haase auf Twitter wurde ich auf ein Video von einer Rede Christopher Lauers im Berliner Abgeordnetenhaus zu einem Jahr rot-schwarzer Koalition aufmerksam: 

Wie eigentlich fast immer ist Lauers Rede eigentlich empfehlenswert. Er geht mit der rot-schwarzen Regierung Wowereits ordentlich ins Gericht und benennt auch einige generelle Probleme in der Politik. Zum Beispiel die Weigerung der SPD mit der Linken oder anderen Parteien aus dem linken Bereich zu koalieren. Stattdessen hat die SPD lieber mit der eigentlich politisch weiter entfernten CDU koaliert.

Und das ist in der Tat ein generisches Problem: die Linke als solches ist zersplittert: SPD, DieLinke, Bündnis90/Die Grünen und ein bißchen auch die Piratenpartei. Als Links betrachte ich dabei die Parteien, die keine konservative, sondern eher eine progressive Polit machen. Bei der SPD an sich kann man ja durchaus darüber streiten, ob dieses nun konservativ oder progressiv ist, aber traditionell wird die CDU eher rechts und die SPD eben links eingeordnet.

Wenn nun also, wie Lauer sagt, die SPD lieber mit der CDU koaliert, weil es so schön einfach ist, im ersten Wahlgang gewählt zu werden, dann offenbart das durchaus ein demokratisches Problem, wenn die Mehrheit der Berliner eben Parteien aus dem linken Spektrum gewählt hat. Die Links-Parteien müssen endlich mal einen gemeinsamen Nenner finden und über ihren Schatten springen (insbesondere die SPD), um einen Gegenpol zu der konservativen Union bilden zu können. Was die Menschen in Deutschland und Europa brauchen, sind neue Konzepte und Denkweisen und nicht ein "Weiter so!" in der Politik.

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Keine Ferienwohnungen in Warnemünde mehr?

Gestern fand wieder eine Ortsbeiratssitzung in Warnemünde statt, zu der ich eigentlich hingehen wollte, aber leider nicht konnte, weil ich bis kurz vor 20 Uhr noch unerwartet arbeiten musste. Auf der Tagesordnung standen auch zwei Punkte, die sich mit der Umwidmung von Wohnraum in Ferienwohnungen beschäftigen, unter anderem die Vorlage 2012/BV/4110 mit dem schönen Titel Veränderungssperre zum Bebauungsplangebiet Nr. 01.W.183 "Schutz des Wohnens vor Umwandlung in Ferienwohnungen in Warnemünde".

Kurzum sollen halt keine weiteren Wohnungen zu Ferienwohnungen umfunktioniert werden, damit das Leben im Ort erhalten bleibt und Warnemünde im Winter bzw. in der Nebensaison nicht wie ausgestorben ist. Soweit, so gut. Das ist durchaus ein Vorhaben, daß man unterstützen sollte. Aber, wie ich ja bereits berichtet habe, plant die Stadt ja auch große Teile in Warnemünde neu zu bebauen, etwa die Mittelmole, das Gebiet "Molenfeuer" und einen Bereich an der westlichen Parkstraße. Insgesamt sollen bis zu 1000 Wohnungen entstehen, die - so auch die Befürchtungen vieler Warnemünder Bürger - vermutlich so teuer sind, daß sich die Wohnungen kaum ein Einheimischer, geschweige denn die angepeilten jungen Familien werden leisten können. Somit stehen die neugebauten Wohnungen vermutlich für zahlungskräftige Auswärtige als Ferien- bzw. Eigentumswohnungen zur Verfügung. Das wird natürlich von den treibenden Kräften hinter diesem Bauvorhaben ständig auf das Energischte bestritten. Allerdings fehlen in den vorgestellten Plänen zum Beispiel Schulen oder Kindergärten, die aber bei 1000 Wohnungen für Familien eigentlich notwendig wären.

Nun kann man auf einer Karte zur Veränderungssperre schön sehen, daß ausgerechnet diese Bereiche der Neubaugebiete von der Veränderungssperre ausgenommen wurden: 

Ich frage mich, mit welchem Grund dies gemacht wurde und ob es für die ausgesparten Gebiete, zu denen auch das neue A-ja Resort Hotel und das Neptun Hotel gehören, gesonderte Sperren für Ferienwohnungen gibt? Wenn nicht, dann wäre das in meinen Augen ein ziemlicher Kniefall der letztendlich beschließenden Bürgerschaft Rostocks vor den Investoren, die dort in Warnemünde bauen wollen. Mir würden noch andere Vermutungen einfallen, aber die kann sich vermutlich sowieso jeder selber denken.

Weiß jemand, was gestern auf der Ortsbeiratssitzung los war und besprochen wurde?

PS: Anbei noch die entsprechenden Dokumente aus dem Ratsinformationssystem der Stadt angehängt.

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