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Verfassungsklage gegen Bestandsdatenauskunft gestartet

Letzte Woche Freitag hat der Bundesrat das Änderungsgesetz zur Bestandsdatenauskunft durchgewunken. Damit werden die Abfragen bei Internet- und Telefonanbietern neu geordnet. Zusätzlich zu den bisherigen Daten wie Name, Adresse und etwa Bankverbindung, können die Behörden nun auch weitere Daten wie PIN und PUK des Handys oder Passwörter und IP-Adressen abfragen. Ebenso aber auch die Konfiguration des DSL-Routers. Und das nicht nur bei schweren Straftaten, sondern auch bei einfachen Ordnungswidrigkeiten. Nähere Infos finden sich auf www.bestandsdatenauskunft.de.

Daß es quasi kaum noch Privatsphäre geben kann, wenn die Behörden über PIN und Passwörter verfügen, sollte einleuchtend sein. Offenbar aber nicht den Parteien in Bundestag und Bundesrat. Hoffen wir, daß zumindest das Bundesverfassungsgericht diese Gefahr sehen wird, denn zwei Aktivisten und Piraten haben nun eine Verfassungsklage angekündigt: Katharina Nocun aus Osnabrück und Patrick Breyer aus Kiel:

Die Verfassungsbeschwerde ist so aufgebaut, daß es exemplarisch verschiedene Beschwerdeführer geben wird und alle anderen diese mit ihrer Vollmacht unterstützen. Die Klage wird übrigens von Meinhart Starostik vertreten, der auch schon bei vorherigen Klagen in Karlsruhe verantwortlich zeichnete.

Da mit der Unterstützung der Klage keinerlei Kosten verbunden ist, kann man also getrost sich auf http://stopp-bda.de/ beteiligen.

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Peter Gingold: Flucht im Boulevard St. Martin vor 70 Jahren

Foto by: TuPG, Lizenz: CC-BY-SA-2.0-DE

Heute jährt sich die Flucht von Peter Gingold aus den Klauen der Gestapo in Paris. Am Karfreitag, d. 23. April 1943, gelang dem Widerstandskämpfer Peter Gingold, nachdem er im Februar verhaftet worden war. Wikipedia schreibt hierzu: 

Er emigrierte im Herbst 1933 nach Frankreich, arbeitete bei der deutschsprachigen antifaschistischen Tageszeitung „Pariser Tageblatt“ und war in einer kleinen Gruppe des KJVD in Paris politisch tätig. Im Juni 1936 gründete er in Paris mit anderen jungen deutschen Antifaschisten die Freie Deutsche Jugend (FDJ) und lernte dort Ettie Stein-Haller, seine spätere Frau, kennen. 1937 trat er in die Kommunistische Partei Deutschlands ein. Im Januar 1940 heiratet er Ettie Stein-Haller und wurde im Mai als „deutschstämmiger Staatenloser“ von den Franzosen interniert. Im Juni wurde ihre erste Tochter Alice geboren.

Peter Gingold kehrte im Oktober nach Paris zurück und war im deutschen antifaschistischen Widerstand aktiv. Im Frühjahr 1941 gab er die Tätigkeit auf, da die Gestapo nach ihm fahndete. Er ging im April nach Dijon und wurde in der Travail allemand (TA), einer Gruppe in der Résistance, tätig, die antifaschistische Flugblätter unter den deutschen Soldaten verbreitete. Seine Aufgabe war unter anderem, den Kontakt zu den Soldaten der Wehrmacht herzustellen, um Hitler-Gegner herauszufinden und für die Zusammenarbeit in der Résistance zu gewinnen. Im Juli 1942 wurden zwei seiner Geschwister in Paris verhaftet und in das KZ Auschwitz deportiert. Im Februar 1943 wurde er in Dijon von der Gestapo verhaftet und mehrere Wochen lang verhört und gefoltert. Gingold wurde nach Paris überführt, dort gelang ihm im April die Flucht und nach ein paar Wochen war er wieder in der Résistance tätig. Im August 1944 beteiligte er sich am Aufstand zur Befreiung von Paris und ging als Frontbeauftragter des Nationalkomitees Freies Deutschland mit dem 1. Pariser Regiment nach Lothringen. 1945 wurde er von der US-Armee inhaftiert und kam wegen falschen Verdachts für kurze Zeit in ein französisches Kriegsgefangenenlager. Ende April war er als Frontbeauftragter bei den Partisanen in Norditalien und erlebte dort das Ende des Zweiten Weltkrieges.

Peter Gingold blieb bis zum Schluß ein entschiedener Kämpfer gegen Neonazis.

P.S.: Heute gibt Hannes Wader ein Konzert in Rostock, bei dem auch sein Lied über Peter Gingold "Boulevard St. Martin" gespielt werden wird. Schade, daß ich nicht dabei sein kann, sondern derzeit in Triest auf Dienstreise bin.

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Novartis verliert Patent in Indien

Das oberste Gericht in Indien hat entschieden: Das Patent von Novartis auf ein Krebsmittel ist in Indien nicht gültig, da es lediglich eine neuere Version eines alten Wirkstoffes sei, wie Spiegel berichtet

Indiens Oberster Gerichtshof hat mit einer Grundsatzentscheidung die Rechte armer Patienten gestärkt. Die Richter in Neu-Delhi wiesen am Montag eine Klage des Schweizer Pharmakonzerns Novartis ab, der seit 2006 für die Patentierung seines Krebsmittels Glivec stritt. Die indischen Behörden hatten dies mit der Begründung verweigert, dass das Mittel nur eine leicht veränderte Version eines älteren Wirkstoffs sei.

Novartis hatte argumentiert, man brauche das Patent, um Investitionen zu sichern, die in die Entwicklung des Medikaments geflossen sind. In 40 anderen Staaten, darunter den USA, ist die neue Glivec-Version patentiert worden. Die Gegenseite warf dem Pharmariesen vor, lediglich Gesetzeslücken ausnutzen zu wollen, um den Profit aus Arzneimitteln zu maximieren, deren Patent abgelaufen ist. Im vergangenen Jahr hatte Indiens Oberstes Gericht bereits dem Krebspräparat Sutent und dem Hepatitis-C-Mittel Pegasys mit einer ähnlichen Begründung ein Patent verwehrt.

Das ist eine großartige Entscheidung, die in vielen ärmeren Ländern Leben retten wird. Novartis hat für sein Krebsmittel wohl über € 3000.- pro Monat gefordert. Das Generika kostet hingegen lediglich gut € 60.- pro Monat. Und selbst das dürfte für einige Patienten in Indien und anderswo noch zu viel sein.

Außerdem ist dies ein gutes Beispiel, wofür wir letztes Jahr bei den ACTA -Protesten auf die Straße gegangen sind. Denn genau das war ein Kritikpunkt an ACTA, daß es die Beschlagnahmung auf dem Handelsweg von Generika erlaubt hätte. Wenn also zum Beispiel nun der indischer Gerichtshof Novartis das Patent abgesprochen hat und ACTA in Kraft gesetzt worden wäre, hätte das günstigere Medikamtent faktisch kaum exportiert werden können, weil ACTA dazu berechtigt hätte, das Generika zum Beispiel auf dem Weg von Indien nach Brasilien in Seehäfen zu beschlagnahmen.

Zur Erinnerung nochmal die Rede von Dr. Sybille Bachmann, MdBürgerschaft (Rostocker Bund) bei der Stop ACTA Demo am 11. Februar 2012 in Rostock:

 

 

Auch von ACTA inzwischen zu Fall gebracht worden ist, zeigt die Entscheidung in Indien, wie wichtig es ist, gegen solche Vorhaben wir ACTA oder dessen Nachfolger TAFTA auf die Straße zu gehen und diesen Irrsinn zu stoppen. Patente behindern inzwischen meistens Innovation anstatt sie zu fördern, da sie häufig nur noch dazu eingesetzt werden, um Konkurrenz zu verhindern. Das Patentrecht muss international reformiert werden. Natürlich soll Innovation auch zukünftig geschützt werden können, aber das muss in einem Rahmen geschehen, der den Wettbewerb fördert und keine Leben gefährdet.

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Weltsozialforum in Tunis beendet

Es gab den einen oder anderen kurzen Bericht in den Medien über das Weltsozialforum in Tunis, zum Beispiel in der Tagesschau und auch bei Spiegel Online. Das Weltsozialforum ist eine Gegenveranstaltung zu den Weltwirtschaftsgipfeln der WTO. Doch auch wenn der Veranstaltungsort Tunis, wo der arabische Frühling mit der Vertreibung des Diktators Ben Ali begann, ein wichtiges Zeichen ist, bleibt die Veranstaltung dieses Mal nicht ohne Kritik, wie Spiegel schreibt: 

In den Medien wird deutlich, wie Tunesien versucht, vom Weltsozialforum und der damit verbundenen Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit zu profitieren. Die regierungsnahe und größte französischsprachige Zeitung des Landes, "La Presse", berichtete zur Eröffnung auf einer großen Doppelseite geradezu euphorisch über das WSF.

 

  Auch wenn die Konferenz mehr als "Festival" gesehen wird, "wo jeder auf seine Kosten kommt und für seine Sache kämpfen kann", schreiben die Blätter täglich über das Forum und die Anliegen der Teilnehmer auf der Titelseite. Manchmal nicht ohne ironische Seitenhiebe: Unter der Überschrift "Wirklich gegen das System?" spießt die Zeitung genüsslich die Finanzierung des WSF (Ford-Stiftung), der Friedrich-Ebert-Stiftung (SPD) oder der Nichtregierungsorgansiation Oxfam (britische Regierung) auf. Diese Geldgeber stünden der Globalisierung schließlich ganz und gar nicht kritisch gegenüber.

Natürlich ist es schwierig, wenn solche Organisationen eine Veranstaltung wie das WSF sponsoren, aber leider wird eine solche Veranstaltung wohl nie ohne Sponsoring auskommen. Umso wichtiger ist es natürlich, auf die Unabhängigkeit der Veranstaltung zu achten und sie zu bewahren. Denn eine Veranstaltung wie das WSF ist als Gegenpol zur WTO umso wichtiger, insbesondere wenn man den Artikel bei Spiegel weiter liest: 

Die tunesischen Medien reagieren sensibel auf den Einfluss des Westens und Anzeichen neuer Abhängigkeiten. Am Karfreitag berichtete "La Presse" von nicht-öffentlichen Verhandlungen der Regierung mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) über einen Großkredit. Der Ton gegenüber dem IWF sei "unterwürfig", schreibt die Zeitung, die Folgen "verheerend" . Die Regierung schicke das Land für Generationen in die Abhängigkeit des "internationalen Finanzkapitalismus", der den Arabischen Frühling nutze, um sich in Tunesien, Ägypten oder Libyen einzukaufen.

Beim Begriff "Welthandelsorganisation" könnte man auf die Idee kommen, daß es sich um eine Organisation der UN handelt. Dem ist aber nicht so. Sie ist lediglich eine internationale Organisation, die es zum Ziel gesetz hat, sowohl Handelshemmnisse abzubauen als auch Deregulierung und Privatisierung voranzutreiben. Damit ist die WTO maßgeblich für die Globalisierungsfolgen verantwortlich. Bei Wikipedia gibt es weitere Kritikpunkte zu lesen:

Die Organisation Brot für die Welt beklagt die Rolle der WTO bei der fortschreitenden Globalisierung der Wirtschaften von südlichen Ländern durch die Forderungen nach der Privatisierung des Wassermarktes und nach dem Abbau von Schutzzöllen und Quoten. Länder, die über wenig Wasser verfügen, seien dadurch gezwungen, statt Grundnahrungsmitteln, die wenig Wasser benötigen, wasserintensive Produkte wie Getreide oder Zucker anzubauen. Die oft teurere Produktion von Exportprodukten für den Weltmarkt gefährde jedoch die Existenz von heimischen Kleinbauern. Zudem müssten die wasserarmen Länder dann viele ihrer Grundnahrungsmittel von den Industrieländern importieren, die häufig im Erzeugerland hochsubventioniert werden. Die Ernährungssicherheit vieler Länder würde noch stärker als heute schon von der Produktion in den Industrieländern, vom Weltmarkt und mächtigen Handelskonzernen abhängen.[9]

Jean Feyder hält liberalisierten Handel für nicht sinnvoll, da die Marktteilnehmer ungleiche Wettbewerbsbedingungen bzw. -vorteile hätten. Beispielsweise am Agrarsektor konkurrieren ungeschulte Kleinbauern mit Parzellen von weniger als einem Hektar und ohne Zugang zu Spritz- oder Düngemitteln mit agroindustriell erzeugenden Großunternehmen. Der zugleich mit dem Abbau von Schutzzöllen geforderte Rückzug des Staates aus Düngeberatung, Saatgutvergabe und Ernteankauf wird nicht schnell genug „vom Markt“ ersetzt, wodurch die betroffenen Kleinbauern in jedem Fall ins Hintertreffen gelangen. Werden dann hochsubventionierte Agrarprodukte mit Preisen unterhalb des Produktionspreises importiert, können die Kleinbauern ihre Produkte nicht mehr verkaufen, dann fehlt das Geld für Modernisierungen oder überhaupt zum Überleben[10][11].

Die WTO ist häufig zusammen mit der Weltbank (IWF) dabei, , wenn es darum geht, in Not geratenen Ländern zu "helfen", etwa durch Kredite von der Weltbank. Dafür verpflichten sich dann die Länder zu gewissen Auflagen, die zum Beispiel die Wirtschaft stärken sollen - wenn auch nicht unbedingt die Wirtschaft des entsprechenden Landes. Denn die Strategie ist meistens, daß die Kredite zurückgezahlt werden sollen. Hierfür wird dann die Privatisierung vorangetrieben und der Export von Gütern bekommt Vorrang gegenüber dem Binnenmarkt, um Devisen zur Tilgung der Kredite ins Land zu holen. Dadurch bricht dann häufig der Binnenmarkt zusammen und der einheimischen Wirtschaft geht es dann noch schlechter.

Das Weltsozialforum versucht nun, einen Gegenpol zu schaffen und die Zivilgesellschaft und damit auch die Demokratie zu stärken. Bleibt in der Tat also zu hoffen, daß auf dem WSF die Vernetzung vieler NGOs erfolgreich war und es viele neue Ideen und Ansätze gab, die Welt doch noch etwas gerechter zu machen.

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Störsender TV: Folge 1 - Finanzkasinokapitalismus

Anfang des Jahres hatte ich ja schon mehrfach über das Crowdfunding Projekt "Störsender TV" berichtet. Das Funding war erfolgreich und seit einigen Tagen können die Abonnenten bereits die erste Folge des Störsender TVs gucken und seit heute nun auch alle anderen:

Mitwirkende der ersten Folge sind: Dieter Hildebrandt, HG.Butzko, Hans Scharpf, Helge Peukert, Konstantin Wecker, Ecco Meineke & Jazz Big Band Association, Dieter Hanitzsch, Sigi Zimmerschied. 

Ich finde, für die erste Folge ist das Ergebnis gut geworden. Lediglich die Tonqualität (Hall) beim Interview mit Helge Peukert finde ich etwas schade und hoffe da bei den nächsten Folgen auf Besserung. Die Ausführungen, die Peukert macht, sind zwar nicht überraschend, aber doch erhellend. Auch der Beitrag von HG Butzko beleuchtet sehr schön die Ursachen unserer Finanzkrise anhand der Causa Jörg Asmussen (SPD), der auch entsprechend in der Lobbypedia gewürdigt wird und der seit Anfang 2012 bei der EZB unter anderem mit der Griechenlandkrise beschäftigt ist. Unglaublich! Da brauchen wir uns nicht weiter über die Finanzkrise wundern und daß eher die Banken als die Staaten gerettet werden.

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Bestandsdatenauskunft kommt

Der Bundestag hat gestern in einer ähnlichen Aktion wie beim Meldegesetz im letzten Jahr die Änderung des Telekommunikationsgesetzes zur Bestandsdatenauskunft durchgewunken. Bei der Änderung geht es unter anderem darum, daß bei Anfragen der Behörden bei Internet- oder Mobilfunkprovidern nicht nur die bisherigen Bestandsdaten wie Name, Adresse, Alter gespeichert und abgefragt werden, sondern auch zu Passwörtern, PINs und PUKs.

Wie man beim Artikel von Katharina in ihrem Blog am Screenshot der gestrigen Abstimmung sehen kann, wiederholt sich die Szenerie im Bundestag wie beim Meldegesetz: nur wenige Abgeordnete sitzen noch spät abends im Plenum und stimmen in 2. und 3. Lesung über ein Gesetz ab, was die Grundrechte von 80 Mio. Bundesbürgern verletzt.

Wir haben hier gleich mehrere Probleme: 

  1. Es wurde mal wieder nicht die Beschlußfähigkeit des Bundestages festgestellt, obwohl das jeder popelige Sport-, Tauben- oder Briefmarkenverein bei Mitgliederversammlungen machen muss.
  2. Wie gestern auf Twitter bekannt wurde, scheint auch die ehemals vorhandene Mehrheit im Bundesrat zu bröckeln, weil unter anderem Nordrhein-Westfalen eingeknickt ist. Damit wird das nicht zustimmungspflichte, aber widerspruchsfähige Gesetz ungehindert den Bundesrat passieren können.
  3. Die Bestandsdatenauskunft kann bereits bei einfachen Ordnungswidrigkeiten erfolgen. Das heißt zum Beispiel beim Falschparken. Eine Herausgabe von PINs und Passwörtern lehne ich kategorisch ab, da dies für mich zum unbedinten Schutzbereich des Grundrechts auf informationelle Selbstbestimmung gehört.

Insgesamt wieder ein trauriges Ergebnis unserer Demokratie.

Patrick Breyer, der bereits gegen die alte Fassung der Bestandsdatenauskunft geklagt und in Teilen Recht bekommen hatte, hat bereits angekündigt, wieder in Karlsruhe beim Bundesverfassungsgericht zu klagen.

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Kommunaler Ordnungsdienst Rostock

Auf der letzten Ortsbeiratssitzung in Warnemünde wurde unter anderem der Kommunale Ordnungsdienst Rostock, kurz: KOD, vorgestellt. Leider war ich nicht persönlich bei der Sitzung, aber eine Arbeitskollegin hatte mir dann am nächsten Tag Bericht erstattet. Zunächst zur Selbstdarstellung des KOD.

Auf der Webseite der Stadt findet sich folgender Text: 

Rostocker Ordnungsdienst im Einsatz

In Hamburg, Schwerin und vielen anderen Städten gehört er bereits zum alltäglichen Stadtbild: der kommunale Ordnungsdienst (KOD).
Am 03.12.2012 wurde in Rostock ein zweijähriges Pilotprojekt in drei Aufbauphasen gestartet. Die Aktionsmöglichkeiten und Aufgabenfelder eines Kommunalen Ordnungsdienstes im Rostocker Stadtgebiet sollen geprüft werden.

In der ersten Phase geht es ab Januar 2013 ausschließlich um die Verfolgung von Ordnungswidrigkeiten im Umweltbereich, wie z.B. illegale Haus- und Sperrmüllablagerungen. Außerdem werden die neuen Kontrollkräfte Grundstückbesitzer auf ihre Pflichten bezüglich Straßenreinigung und Winterdienst hinweisen. In der zweiten und dritten Projektphase kommen weitere Ordnungs- und Sicherheitsaufgaben hinzu, die in anderen Bundesländern kommunale Ordnungsdienste bereits übernommen haben.

Zum Projektstart sind vier Kontrollkräfte und ein Innendienstmitarbeiter im Einsatz.
Sie sind jedoch keine Polizisten und setzen sich primär für die Verbesserung von Sauberkeit und Ordnung in der Stadt ein. Ordnungswidrigkeiten werden konsequenter verfolgt.
Die Sorgen und Nöte von Rostocker Einwohnerinnen, Einwohnern und Gästen sollen auf kurzen Dienstwegen geklärt und schnelle, bürgerfreundliche Lösungen gefunden werden.
Übersteigerte Erwartungshaltungen müssen in der zweijährigen Projektphase relativiert werden. Vier Außendienstmitarbeiter in Teilzeit mit eingeschränkten Tätigkeitsbereichen auf einer Stadtfläche von 181 km² können nicht ständig und überall präsent sein. Anregungen und konstruktive Kritik nehmen die Ordnungskräfte gern entgegen. Nur durch gegenseitiges Verständnis und Achtsamkeit im Handeln kann eine hohe Lebensqualität in der Hansestadt auf Dauer gewährleistet werden.

Im Bürgerportal www.klarschiff-hro.de können Mängel bzw. Ideen ebenfalls angezeigt werden.

Dort ist auch ein Flyer zum Download verlinkt (s.a. Anhang). Die Vorstellung des KOD in Warnemünde fiel nicht zur Begeisterung der Anwesenden aus. Der KOD soll wohl vornehmlich in Warnemünde patrouillieren, hat eine Handvoll von Mitarbeitern, die befristet angestellt zu sein scheinen und hochheitliche Aufgaben und Rechte haben. Das ganze soll auch, soweit ich mich erinnern kann, 600.000.- Euro für 2 Jahre kosten für Gehälter (5 Stellen a 30h, 1 Vollzeitstelle), Autos und Uniformen. 

Dabei soll der KOD vornehmlich erzieherisch tätig werden und erst einmal nur Verwarnungen aussprechen, etwa bei Verunreinigung auf den Gehwegen oder bei Nichtbeachtung der Räumpflichten im Winter. Erst im Wiederholungsfall sollen dann Maßnahmen erfolgen, also Strafen in Form von Ordnungsgeldern verhängt werden.

Was mir aber besonders sauer aufstößt, sind die polizeilichen Rechte des KOD. Dieser darf Personaldaten erheben, auf mein Grundstück oder meine Wohnung kommen und solcherlei Sachen. Laut Wikipedia darf ein Kommunaler Ordnungsdienst das auch. Interessant ist aber die Begründung bei Wikipedia, warum das so ist: 

Kommunale Ordnungsdienste sind seit Ende der 1990er Jahre vor allem in den größeren Städten des Landes Nordrhein-Westfalen eingerichtet worden, was als Reaktion der Städte und Gemeinden auf vermeintlich zunehmende Sicherheitsprobleme im urbanen Umfeld (offene Drogenszene, Verwahrlosungstendenzen, Straßenkriminalität, mangelnde Stadtsauberkeit) und die gleichzeitig schwindende Präsenz der staatlichen Polizei gewertet werden kann.

Weil das Land also bei seiner Polizei spart, wird eine neue polizeiliche Behörde geschaffen, nun auf kommunaler Ebene, deren Mitarbeiter aber im Zweifel nicht über die gleiche Ausbildung wie Polizeibeamte haben. Statt einer Polizei haben wir dann mehrere Polizeien. Auch wenn dies rechtlich zulässig ist, finde ich die Entwicklung äußerst bedenklich.

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Friendica on Debian

I guess many of you do have an account on Facebook. Facebook, on the other hand, has many privacy issues, beside the fact that it is not a good idea to give away your own data to an maybe-evil monopolist. I'm a great fan of self-hosting. I host my own DaviCal instance for CalDAV/CardDAV to sync my mobile phone, running my own mailserver and of course my own webservers. And additionally to run my own Jabber server I now run my own Social Media service as well. It's an instance of Friendica.

Unfortunately there is no Friendica package in standard Debian repositories, but when you do some web searches, you might stumble upon a package on mentors.debian.net as I did. Of course it would have been possible to run Friendica by using the git repository, but that wouldn't help the Debian package at all.

Here are some caveats and issues I discovered when trying to install Friendica on a new Wheezy VM: 

  • php-pear is missing as dependency
  • the directory "object" is no included/copied from source and will give you an error like this: "Failed opening required 'object/BaseObject.php'"
  • when running with a different database host than on the same machine, it's a little bit awkward to convince db-common to make use of the remote host. But that's more a db-common issue, I think.
  • symlinking to /etc/friendica/htaccess/.htaccess is wrong as the symlink in /usr/share/friendica/.htaccess points to /etc/friendica/htaccess and gives you this error: "(9)Bad file descriptor: /usr/share/friendica/.htaccess pcfg_openfile: unable to check htaccess file, ensure it is readable"
  • invocation of scriptaculous is missing. Friendica looks for it in /usr/share/friendica/library/cropper/lib/, but can't find them there, because they are located in /usr/share/javascript/scriptaculous/ directory. This will result in being unable to upload and/or change your profile picture, because you can't crop your needed frame from the uploaded picture and the result will be a black profile picture afterwards.

As I'm unsure to report bugs against an not-included package in Debian, there's no bugreport within bugs.debian.org from me. I'm just saying this because of all these "where's your bug report, dude!?"-junkies out there. I'll mail my findings directly to Tobias (693504) and Kamath.

Anyway, you can find me in Friendica at ij on nerdica.net (Web Profile) and connect to me. Have fun with your Friendica installation! :-) 

PS: the registration on nerdica.net is basically open, but just needs my approval to prevent spam bots. So, feel free to join! :)

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Aus der Geschichte lernen?

Regelmäßige Leser des Blogs kennen mich als Mahner, daß wir aus unserer Geschichte lernen sollen, um die gleichen Fehler von damals im Heute oder der Zukunft zu vermeiden. Doch geht das überhaupt, aus der Geschichte lernen? Susanne Ebrecht hat hierzu einen lesenswerten Artikel in ihrem auch ansonsten empfehlenswerten Blog geschrieben: Why we can't learn from Holocaust

Die Überschrift ist natürlich ein bißchen eye-catchy, aber lesenswert ist der Artikel natürlich trotzdem, auch wenn ich natürlich mit dem Ergebnis, daß wir nicht aus der Geschichte lernen können, überhaupt gar nicht übereinstimme. Susanne schreibt: 

The youngest people who can remember the Second World War are already around 100 years. The contemporary witnesses are almost died out. We are in third generation after the war. The fourth generation will be born in a few years.

However, what did we learn? What is faded? Did we learn something at all? What did we learn from wars? Isn't all just always repeating? Aren't we running already into the next insurgence? Why can't we learn from history?

Ja, in der Tat. Vor kurzem ist Stéphane Hessel gestorben, was diesen Exodus an Zeitzeugen des Nazi-Terrors gut beschreibt. Auch wenn die letzten Zeitzeugen nun bald gestorben sind, leben wir im westlichen Europa doch in einer sehr langen friedlichen Zeit ohne Kriege. Es gab aber im südöstlichen Europa (Balkan) in den 90ern schreckliche Kriege, als der Eiserne Vorhang fiel. In der restlichen Welt gibt es aber immer noch viele Kriege und auch die sich ansonsten so friedlich gebenden Europäer mischen da fleißig mit.

What should we learn from Holocaust?

How could it happen at all? What was the causation?

When I was a school girl we had to read "The Wave" written by Morton Rhue. An American history teacher made an experiment with his class and showed that facism isn't far away - that facism is all around and in us.

The book made me thinking. The book shaped who I am. It showed the danger to me. It helped me to understand how the Holocaust could happen. It also showed me how we should behave so that it won't happen again. How we should behave to break the horror loop.

In der Tat: "Die Welle" (engl. Original: "The Third Wave") sollte eigentlich jeder gelesen haben. Es gibt eine amerikanische und eine deutsche Verfilmung des Stoffs. Ich halte die amerikanische für besser, die aber leider nicht aufzufinden ist.

We should have learned that we won't follow a command without thinking. That we always first think about what we are doing. That we always bear the full blame for all what we are doing, what we are thinking and what we won't do. We should learn to take stock of all what we are doing. We should learn to go into ourselves to reflect if we really are able to bear the burden, to figure out if we will be in balance with our mind, if we can have a good mind by doing what we plan to do. Instead of blind following commands we should just do for what we really are willing to bear the burden.

Additionally we should learn that we never should command other people. We should not pressure our will to others. We should accept other opinions. We should not denounce people having other opinions.

Was Susanne hier schreibt, kann man eigentlich nur unterstützen, aber gerade wir Deutschen scheinen einen Sinn für Obrigkeitsdenken und -gläubigkeit zu haben. Viele Leute wissen oder haben es im Gefühl, daß es in der Politik zum Beispiel nicht mehr so weiterlaufen kann, wie bisher. Trotzdem wählen sehr viele Leute konservative Parteien (CDU/CSU, teilweise SPD), die mit ihren immer gleichen Ansätzen zur Problemlösung diese Probleme eigentlich immer weiter verschlimmern, anstatt sie mit neuen Ansätzen zu lösen.

Es ist für einen selber ja auch sehr viel einfacher, in der Masse der Befehlsempfänger mitzulaufen, anstatt selber das Denken anzufangen und zu opponieren, wenn man etwas falsch findet. Die "da oben" haben auch nicht die Weisheit mit Löffeln gegessen, sondern sind in ihrer Filterblase aus Beratern und Lobbyisten gefangen, wenn man sie da nicht regelmäßig herauszerrt und erdet. Diese Angst, aus der großen Masse auszubrechen, spricht Susanne ebenfalls an:

But the human fear to expel themself from the collective just because of having a different opinion is so big that most people just will follow the collective without thinking.

Aber genau das ist eigentlich notwendig, wenn wir die Gesellschaft nach vorne bringen wollen. Handeln wir immer nur wie bisher, dann können wir eben nicht aus der Geschichte lernen, sondern wiederholen sie bloß immer nur. Auf der einen Seite bewundern wir an Gedenktagen zum Beispiel die Widerstandskämpfer gegen die Nazis, aber der anderen Seite gehen wir dann unserem täglichen, duckmäuserischen Habitus weiter nach. Doch warum tun wir das?

My friend Gwenn Dana helped me understanding why we can't learn from Holocaust.

She made researches of some historical documents and figured out that you already will find educational advertising about these topic in Thomas gospel. Already 2000 years ago you can find free thinkers who understood that people need to learn a different way of thinking when you want to stop horrible tortures.

By studying Maharishi Maresh Yogi theories Gwenn Dana found that he thought that the critical mass to break the system is reached when there is one percent of understanding people.

It also was Gwenn Dana who showed me by taking historical examples what will happen when the system will break. She described it so nice within our dialogue that I just want to translate and quote her:

<quote>
Our country already has reached the state that we create laws where you can ask afterwards "Why didn't you anticipate it? Were you sympathic to the system?"

They all fall into the trap of beeing unable to establish a collective. Napoleopn, Che Guevera, Stalin, all the rebellion leaders. At the end the first who succumbed were the bishops who wanted to opposite the Roman country but in same move they founded a new empire under a Papa called "church" in which you can get lost same way.
<end of quote>

Die freien Denker, wie es im Artikel von Susanne heißt, sind schon enorm wichtig. Früher waren dies mal unseren "Intellektuellen". Künstler, Schauspieler, Schriftsteller, Philosophen, Sänger, Liedermacher. Heute sitzen diese nur noch in Talk Shows und stellen ihr neuestes Buch, Album oder Film vor. Gesellschaftliche Diskussion? Fehlanzeige! Es bringen also immer weniger Leute die freien Gedanken unter die Leute. Somit wird natürlich auch das kritische Quorum nicht erreicht, egal ob es nun bei 1% oder 10% liegt.

Aber ich denke schon, daß wir aus der Geschichte lernen können. Das impliziert aber natürlich, daß wir uns mit unserer Geschichte befassen und auch daraus lernen wollen. Und vor allem, daß wir das Gelernte nicht vergessen! Denn da sehe ich das eigentliche Problem der im Artikel-Titel gestellten Frage, warum wir nicht aus dem Holocaust lernen können: Lernen können wir schon, aber wir dürfen nicht vergessen und müssen uns immer wieder aufs Neue damit beschäftigen und uns daran erinnern. Und es darf uns nicht egal sein. Wir müssen den Mut haben, Unrecht zu benennen, wenn wir ihm begegnen. Mut kostet Kraft, aber wir müssen heute vielfach nicht um unser Leben fürchten, wie es die Widerstandskämpfer damals mussten. Deshalb sollte es uns eigentlich ein Leichtes sein, diesen Mut zu beweisen und uns einzumischen, nicht zu vergessen, mitzumischen und dafür zu sorgen, daß wir eben doch aus unserer Geschichte lernen können.

Es liegt an jedem selbst und jeder hat die Macht, dazu beitragen, daß wir Geschichte nicht bloß wiederholen.

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Internationaler Black Out Day gegen Internetzensur

Heute ist Internationaler Black Out Day gegen Internetzensur. Wie wichtig das Engagement gegen die Bestrebungen ist, das Internet zensieren zu wollen, muss ich den regelmäßigen Lesern des Blogs ja nicht mehr erzählen. Den anderen sei der Artikel zum Thema bei der Piratenpartei ans Herz gelegt. Katharina Nocun wird darin wie folgt zitiert:

Katharina Nocun, Themenbeauftragte für Datenschutz der Piratenpartei Deutschland, resümiert: »Der digitale Wandel stellt Medienlandschaft und Politik vor neue Herausforderungen, denen man nicht mit der Einschränkung der Presse- und Meinungsfreiheit begegnen darf. Vorratsdatenspeicherung, Standards für Abhörschnittstellen bei Sozialen Netzwerken und Bestrebungen einzelner Staaten für mehr Überwachung im Netz auf völkerrechtlicher Basis zeichnen eine bedenkliche Tendenz hin zu weniger Freiheit und mehr Überwachung. Dass am Tag vor dem Welttages gegen Internetzensur eine Änderung des Telekommunikationsgesetzes in Sachen Bestandsdatenauskunft verhandelt wird, ist natürlich ein Skandal! Ebenso skandalös ist, dass deutsche Software in autoritäre Regime exportiert wird und dort zur Verfolgung und Unterdrückung von Bloggern, Aktivisten und Journalisten eingesetzt wird.

Zugleich wird immer wieder versucht, die Auskunftsrechte bei Presseanfragen einzuschränken, anstatt digitale Medien für eine umfassende Transparenzinitiative zu nutzen. Die Politik muss begreifen, dass Blogger und Bürger in der Berichterstattung der Zukunft durch das Internet eine größere Rolle spielen. Anonymität im Netz und Schutz vor Verfolgung muss auch bei Online-Journalisten und Bloggern gewährleistet werden.«

Natürlich ist es nicht mit einem kleinen Script, was die Webseite schwarz färbt getan. Man muss sich beständig dafür engagieren, daß das Internet frei und allgemein zugänglich bleibt, ohne daß Inhalte einfach wegzensiert werden dürfen. Dies ist auch im Grundgesetz so in Artikel 5 des Grundgesetzes verankert: 

(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.

"Eine Zensur findet nicht statt." So steht es zumindest in der deutschen Verfassung. Dennoch muss gesagt werden, daß deutsche Unternehmen fleißig Zensurtechnologien exportieren, die in den dortigen Ländern wie zum Beispiel Syrien oder Ägypten zur Unterdrückung der Menschen eingesetzt werden.

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