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Weltsozialforum in Tunis beendet

Es gab den einen oder anderen kurzen Bericht in den Medien über das Weltsozialforum in Tunis, zum Beispiel in der Tagesschau und auch bei Spiegel Online. Das Weltsozialforum ist eine Gegenveranstaltung zu den Weltwirtschaftsgipfeln der WTO. Doch auch wenn der Veranstaltungsort Tunis, wo der arabische Frühling mit der Vertreibung des Diktators Ben Ali begann, ein wichtiges Zeichen ist, bleibt die Veranstaltung dieses Mal nicht ohne Kritik, wie Spiegel schreibt: 

In den Medien wird deutlich, wie Tunesien versucht, vom Weltsozialforum und der damit verbundenen Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit zu profitieren. Die regierungsnahe und größte französischsprachige Zeitung des Landes, "La Presse", berichtete zur Eröffnung auf einer großen Doppelseite geradezu euphorisch über das WSF.

 

  Auch wenn die Konferenz mehr als "Festival" gesehen wird, "wo jeder auf seine Kosten kommt und für seine Sache kämpfen kann", schreiben die Blätter täglich über das Forum und die Anliegen der Teilnehmer auf der Titelseite. Manchmal nicht ohne ironische Seitenhiebe: Unter der Überschrift "Wirklich gegen das System?" spießt die Zeitung genüsslich die Finanzierung des WSF (Ford-Stiftung), der Friedrich-Ebert-Stiftung (SPD) oder der Nichtregierungsorgansiation Oxfam (britische Regierung) auf. Diese Geldgeber stünden der Globalisierung schließlich ganz und gar nicht kritisch gegenüber.

Natürlich ist es schwierig, wenn solche Organisationen eine Veranstaltung wie das WSF sponsoren, aber leider wird eine solche Veranstaltung wohl nie ohne Sponsoring auskommen. Umso wichtiger ist es natürlich, auf die Unabhängigkeit der Veranstaltung zu achten und sie zu bewahren. Denn eine Veranstaltung wie das WSF ist als Gegenpol zur WTO umso wichtiger, insbesondere wenn man den Artikel bei Spiegel weiter liest: 

Die tunesischen Medien reagieren sensibel auf den Einfluss des Westens und Anzeichen neuer Abhängigkeiten. Am Karfreitag berichtete "La Presse" von nicht-öffentlichen Verhandlungen der Regierung mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) über einen Großkredit. Der Ton gegenüber dem IWF sei "unterwürfig", schreibt die Zeitung, die Folgen "verheerend" . Die Regierung schicke das Land für Generationen in die Abhängigkeit des "internationalen Finanzkapitalismus", der den Arabischen Frühling nutze, um sich in Tunesien, Ägypten oder Libyen einzukaufen.

Beim Begriff "Welthandelsorganisation" könnte man auf die Idee kommen, daß es sich um eine Organisation der UN handelt. Dem ist aber nicht so. Sie ist lediglich eine internationale Organisation, die es zum Ziel gesetz hat, sowohl Handelshemmnisse abzubauen als auch Deregulierung und Privatisierung voranzutreiben. Damit ist die WTO maßgeblich für die Globalisierungsfolgen verantwortlich. Bei Wikipedia gibt es weitere Kritikpunkte zu lesen:

Die Organisation Brot für die Welt beklagt die Rolle der WTO bei der fortschreitenden Globalisierung der Wirtschaften von südlichen Ländern durch die Forderungen nach der Privatisierung des Wassermarktes und nach dem Abbau von Schutzzöllen und Quoten. Länder, die über wenig Wasser verfügen, seien dadurch gezwungen, statt Grundnahrungsmitteln, die wenig Wasser benötigen, wasserintensive Produkte wie Getreide oder Zucker anzubauen. Die oft teurere Produktion von Exportprodukten für den Weltmarkt gefährde jedoch die Existenz von heimischen Kleinbauern. Zudem müssten die wasserarmen Länder dann viele ihrer Grundnahrungsmittel von den Industrieländern importieren, die häufig im Erzeugerland hochsubventioniert werden. Die Ernährungssicherheit vieler Länder würde noch stärker als heute schon von der Produktion in den Industrieländern, vom Weltmarkt und mächtigen Handelskonzernen abhängen.[9]

Jean Feyder hält liberalisierten Handel für nicht sinnvoll, da die Marktteilnehmer ungleiche Wettbewerbsbedingungen bzw. -vorteile hätten. Beispielsweise am Agrarsektor konkurrieren ungeschulte Kleinbauern mit Parzellen von weniger als einem Hektar und ohne Zugang zu Spritz- oder Düngemitteln mit agroindustriell erzeugenden Großunternehmen. Der zugleich mit dem Abbau von Schutzzöllen geforderte Rückzug des Staates aus Düngeberatung, Saatgutvergabe und Ernteankauf wird nicht schnell genug „vom Markt“ ersetzt, wodurch die betroffenen Kleinbauern in jedem Fall ins Hintertreffen gelangen. Werden dann hochsubventionierte Agrarprodukte mit Preisen unterhalb des Produktionspreises importiert, können die Kleinbauern ihre Produkte nicht mehr verkaufen, dann fehlt das Geld für Modernisierungen oder überhaupt zum Überleben[10][11].

Die WTO ist häufig zusammen mit der Weltbank (IWF) dabei, , wenn es darum geht, in Not geratenen Ländern zu "helfen", etwa durch Kredite von der Weltbank. Dafür verpflichten sich dann die Länder zu gewissen Auflagen, die zum Beispiel die Wirtschaft stärken sollen - wenn auch nicht unbedingt die Wirtschaft des entsprechenden Landes. Denn die Strategie ist meistens, daß die Kredite zurückgezahlt werden sollen. Hierfür wird dann die Privatisierung vorangetrieben und der Export von Gütern bekommt Vorrang gegenüber dem Binnenmarkt, um Devisen zur Tilgung der Kredite ins Land zu holen. Dadurch bricht dann häufig der Binnenmarkt zusammen und der einheimischen Wirtschaft geht es dann noch schlechter.

Das Weltsozialforum versucht nun, einen Gegenpol zu schaffen und die Zivilgesellschaft und damit auch die Demokratie zu stärken. Bleibt in der Tat also zu hoffen, daß auf dem WSF die Vernetzung vieler NGOs erfolgreich war und es viele neue Ideen und Ansätze gab, die Welt doch noch etwas gerechter zu machen.

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