You are here

Konzert: Konstantin Wecker in Rostock

Nachdem wir im Herbst zum Auftaktkonzert von Hannes Wader in Georgsmarienhütte waren, konnten wir es uns ja auch nicht nehmen lassen, dem anderen großen Barden einen Besuch anzustatten, wenn er nach Rostock kommt: Konstantin Wecker mit seinem aktuellen Programm "Wut und Zärtlichkeit"!

Die Karten haben wir online geordert und uns Plätze in der 9. Sitzreihe gesichert. Somit gab es auch keinen großen Anlaß, besonders früh in der Stadthalle sein zu müssen, so daß wir die Zeit noch genutzt haben, um noch vorher essen zu gehen. Um kurz nach 19:30 kamen wir also an der Stadthalle an und entrichteten unseren Parkobolus in Höhe von 3.- € und suchten uns einen freien Parkplatz. Da das Konzert in Saal 2 stattfand und nicht in der großen Halle, machte das Erlebnis zwar kuscheliger, aber wir sind letztendlich deswegen einmal umsonst um die gesamte Stadthalle gelaufen: von der Westseite kommend zum Haupteingang an der Nordseite, um dann feststellen zu müssen, daß der Eingang zu Saal 2 an der Ostseite liegt. Nun gut. Wir waren mit dem Schicksal jedenfalls nicht alleine.

Konstantin Wecker fing dann auch recht pünktlich mit dem Titelstück des Programms "Wut und Zärtlichkeit" an. Gefolgt von Absurdistan und anderen, auch altbekannten Liedern. Zum Beispiel "Es gibt nichts Gutes", "Willy" und "Sage Nein!" noch vor der Pause. Im zweiten Teil des Konzerts kamen dann noch weitere bekannte Songs wie "Ansprache an Millionäre", "Weil ich dich liebe", "Weltenbrand", "Empört Euch" und "Was keiner wagt". Danach gab es dann noch mehrere Zugaben und Standing Ovations. Alles in allem hat das Konzert bis kurz nach 23 Uhr gedauert, also circa 3 Stunden.

Insgesamt war das Konzert ein gutes Mix von etwas leichteren Liebesliedern und bedeutungsschwereren kritischen Liedern. Bei letzteren gab es, meinem Empfinden nach, etwas mehr Applaus. Aber die Gesellschaftskritik erwartet man ja auch von Konstantin Wecker, wie man sie auch von Hannes Wader erwartet. Aber ein bißchen nachdenklich hat es mich auch gemacht. Wecker "beschwerte" sich ein bißchen, daß er seit 40 Jahren die Hoffnung habe, mit seinen Liedern die Welt verändern zu können. Bis heute hat sich allerdings noch nicht viel getan, im Gegenteil: während in den 70er und 80ern die Friedensbewegung noch Hunderttausende auf die Straßen lockte, seien bei der letzten Demo gegen die Münchner Sicherheitskonferenz nur noch knapp 1500 Leute gekommen.

Auch bei "Sage Nein!" heißt es im Liedtext ja "misch dich ein, sage Nein!" Die Konzertbesucher applaudierten Wecker in besonderer Weise zu diesem Lied. Bei mir blieb aber etwas Frust, den ich vermutlich mit Wecker teile, daß wohl die Wenigsten genau das leben, was sie so eben beklatscht haben. Nämlich sich einzumischen und etwas an den bestehenden Ungerechtigkeiten etwas ändern zu wollen. Nicht nur die niedrigen Wahlbeteiligungen sprechen Bände, sondern auch die eigene erlebte Schwierigkeit, Leute davon zu überzeugen, daß sie eben nicht nur immer bloß herummeckern, sondern sich auch aktiv an unserer Demokratie beteiligen, sich einbringen, sich einmischen. Nein! zu sagen, wenn irgendwo wieder etwas schief läuft. Ich glaube, daß kaum jemand von den Konzertbesuchern gestern, wirklich aktiv ist. Bestenfalls ein paar Dutzend von vielleicht circa 1000 Gästen gestern. Der Frust Weckers bahnte sich dann auch seinen Weg in Kommentaren wie "Warum tu ich mir das als Rentner eigentlich noch an?" Aber er lieferte auch gleich die Erklärung mit, warum er noch immer aktiv ist und sich einmischt. Kurzum: er kann nicht anders.

Alles in allem ein schönes, ein gutes Konzert. Mit deutlicher Kritik an unserer Gesellschaft, aber auch mit schönen, ruhigeren Moment. Die Musik, insbesondere wenn der Drummer loslegte, war sehr kraftvoll. Konstantin Wecker ist halt nicht unbedingt ein Mann der leisen Töne, aber auch der besinnlichen Musik. Meine Empfehlung: wer noch nicht bei Wecker war, unbedingt hingehen! Und im April kommt Hannes Wader nach Rostock. Auch unbedingte Hin-Geh-Empfehlung!

Kategorie: 
 

Add new comment

Theme by Danetsoft and Danang Probo Sayekti inspired by Maksimer