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Denkmal "Georg Büchner"

Seit geraumer Zeit, aber doch relativ überraschend, kursiert das Thema "Georg Büchner" in Rostock umher. Die "Georg Büchner" ist ein älteres Schiff, das in Rostock von einem Trägerverein als Jugendgastschiff betrieben wird. Mehr schlecht als recht, was dazu führt, daß dem Verein die notwendigen Mittel für den weiteren Unterhalt fehlt. Deshalb soll sie nun im Januar noch verkauft und verschrottet werden. Das wiederum wäre schade, weil die "Georg Büchner" bzw. die Charlesville, wie sie früher hieß, das letzte Schiff ihrer Klasse ist und auch für Belgien aufgrund ihrer Kolonialzeit eine gewisse geschichtliche Bedeutung hat. Deswegen würde eine Gruppe von Belgier das Schiff gerne kaufen und nach Belgien überführen.

Jedenfalls geht es, typisch Rostock, mal wieder hin und her und quer durcheinander. Vor allem auch, weil das Schiff noch in der Denkmalliste der Hansestadt Rostock aufgeführt ist und der Verein wohl übersehen hatte, den Denkmalschutz zu involvieren. Interessant ist auch was Sybille Bachmann, Fraktion Rostocker Bund in der Rostocker Bürgerschaft, heute als Pressemitteilung verschickt hat: 

Georg Büchner:
Fördermittelabzocke
Schiffsveräußerung für symbolischen Euro zwecks Erhalt

 
Je mehr man sich in das Thema vertieft, je mehr Fragen und Ungereimtheiten tauchen auf, je wütender kann einen die Angelegenheit machen.
 
Mein erstes Fazit: Bei dem Vorgang handelt es sich um eine jahrelange Inanspruchnahme öffentlicher Mittel. Als das Modell nicht mehr funktionierte, veräußerte man das Objekt zu einem hohen Preis. Mit dem Erlös soll das nächste Objekt erworben und vielleicht wieder wirtschaftlich ruiniert werden. Letztlich wird die öffentliche Hand wie ein Selbstbedienungsladen ausgenommen.
 
Öffentliche Mittel
 
Der Förderverein Traditionsschiff Rostock e.V. erhielt das Schiff 2001 für 1,- DM. Die Stadt ließ es in den Stadthafen verholen, richtete den Liegeplatz her und investierte nochmals in das Schiff. Insgesamt flossen über 1,1 Millionen DM öffentliche Gelder in das Schiff und damit den Verein. Anschließend (2001 - 2004) wurde die Sanierung des Schiffes durch wiederum öffentlich geförderte ABM-Maßnahmen fortgesetzt. Das hergerichtete Schiff erhielt im Juli 2005 den Status eines Denkmals, was sicherlich zu weiteren öffentlichen Förderungen führte, weil es sonst keinen Sinn macht, einen Denkmalstatus anzustreben.
 
Mitte 2005 war das Schiff in einem gut nutzbaren Zustand, bereits 7,5 Jahre später soll es verschrottet werden. Die Verantwortung für den Nichterhalt des Ursprungszustands, das Nichtfinden neuer Zielgruppen und Geschäftsfelder und damit letztlich die Verschwendung öffentlicher Mittel liegt allein beim Vereinsvorstand.
 
Unbekannt ist momentan, ob die Bindungsfrist der öffentlichen Fördermittel bereits bei allen Positionen abgelaufen ist. Bei der IGA, in deren Zuge die Übertragung 2001 erfolgte, ist das bis dato nicht der Fall. Sollte die Bindungsfrist von Fördermitteln noch nicht um sein, hätte der Verein mit der Veräußerung des Schiffes seine Vertragspflichten gegenüber der Stadt verletzt.
 
Welche Rolle spielt der OB?
 
Es verwunderte, dass der oberste Hüter aller Rostocker Schiffe bei der „Georg Büchner“ eine Ausnahme machte und nichts Spürbares gegen den Verkauf setzte. Sang und klanglos lies er die Verschrottungsabsicht zu. Bei der ebenfalls unter Denkmalschutz stehenden Undine sah das ganz anders aus. Daher fragt man sich, wer hinter dem Förderverein Traditionsschiff Rostock e.V. steht und welche Beziehungen es zum Oberbürgermeister gibt. Dieser hat bereits den Auftrag erteilt, nach einem Ersatz für die Jugendherberge zu suchen, die der Georg-Büchner-Schiffsverein erhalten soll, sicher ohne Ausschreibung. Aus öffentlichem historischen und Realvermögen (Schiff) soll ein Privatverein letztlich Kapital schlagen. Der OB handelt hier offensichtlich nicht in öffentlichem Interesse.
 
Nachvollziehbar ist eine Ablehnung des Rückkaufs durch die Stadt seitens der Bürgerschaft, wenn ihr erklärt wird, das würde neben den Kaufkosten 5 Mio. Euro Investitionskosten sowie hohe laufende Unterhaltungskosten nach sich ziehen.
Nicht nachvollziehbar ist, dass alle Zahlen mit keinerlei überprüfbaren Unterlagen oder gar einem Verkehrswertgutachten hinterlegt wurden und dass der OB überhaupt von Kaufkosten ausgeht, war das Schiff doch für lediglich eine DM übereignet worden.
 
Gegenüber der Bürgerschaft wurde noch in ihrer Dezembersitzung die Veräußerung nach Belgien als Vorzugsvariante erklärt.
Nicht nachvollziehbar ist daher, dass der OB wenige Wochen später nicht dafür Sorge trägt, dass dieses Szenario auch umgesetzt wird. Jetzt schaltet sich der Belgische Staat ein und für Rostock erledigt der Bildungsminister die Aufgabe, die OB Methling hätte erfüllen müssen. Das wird weitere Auseinandersetzungen bringen, in deren Verlauf dann vielleicht auch die tatsächlichen Hintergründe der Vorgänge ans Licht kommen.
 
Prüfung möglicher strafrechtlich relevanter Vorgänge
 
Auf eine mögliche strafrechtliche Relevanz sollten die folgenden Vorgänge geprüft werden:
·        Schweiß- und andere Arbeiten am Denkmal ohne vorherige Zustimmung durch das Denkmalpflegeamt
·        Entfernen von Gegenständen vom Schiff (Untreue gegenüber dem Verein oder Käufer)
·        Vernachlässigung einer durch öffentliche Mittel geförderten Immobilie
·        evtl. Nichtbeachten von Bindungsfristen für Fördermittel
·        Vertragsgestaltung zum Nachteil des Vermögens der Hansestadt Rostock 2001
·        unvollständige oder unkorrekte Vorlage für die Bürgerschaftssitzung vom 05.12.12
·        Verhalten von Oberbürgermeister Methling im Gesamtvorgang.

 
Schiffsveräußerung für symbolischen Euro
 
Die Unfähigkeit des Vereins zu korrektem Handeln zeigt die verspätete und dilettantische Antragstellung beim Amt für Denkmalschutz.
 
Es bleibt zu hoffen, dass die Rostocker und Landesdenkmalpfleger dem Vereinsunfug ein Ende setzen, den Verkauf stoppen und damit eine Veräußerung an die Belgier zum symbolischen Preis von 1 Euro ermöglichen.
 
Nur das kann Denkmalschutz bedeuten, nicht das Erzielen eines Gewinns mit einem vernachlässigten Denkmalobjekt der Hansestadt Rostock durch Menschen, die angeblich gemeinnützig tätig sein möchten.
 
Rostock muss die Chance nutzen die „Georg Büchner“ nach Belgien zum Erhalt des Denkmals zu geben. Einzig fairer Preis ist dabei die Übertragung für einen Euro.
 
 
Sybille Bachmann  

Mal vom Thema mit dem Oberbürgermeister und der damit verbundenen relevanten Vorgänge abgesehen, finde ich die Idee von Sybille Bachmann eigentlich eine wunderbare Lösung. Das Denkmal "Charlesvill" bzw. "Georg Büchner" bleibt erhalten, weil es für 1.- Euro nach Belgien verkauft wird, die Stadt hat keine weiteren Kosten und der Verein hat den Klotz vom Bein, wenn auch ohne Einnahmen durch den Verkauf als Schrott.

Schade ist natürlich für Rostock, daß mit dem Verkauf nach Belgien (oder zur Verschrottung) das letzte Schiff aus dem Rostock Stadthafen verschwindet. Da der Stadt und dem Verein aber eigentlich die finanziellen Mittel für einen Ersatz fehlen, ist das nunmal leider so. Die Frage stellt sich nur: verschrottet man einfach ein altes Schiff oder trägt man dafür Sorge, daß ein Denkmal erhalten bleibt, auch wenn es dann in einem anderen Land erhalten wird?

Ich persönlich fände es eigentlich schön, wenn die "Charlesville" wieder ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt wird: als Fracht- und Passagierdampfer. Fracht wird man heute kaum noch befördern, aber als kleiner Passagierdampfer liebevoll restauriert und behutsam modernisiert (was Unmengen an Geld kosten dürfte), könnte ich mir vorstellen, daß das Schiff einige Freunde unter Kreuzfahrtbegeisterten finden könnte. Das Schiff an sich hat eine heutzutage fast vergessene klassische Schiffsform. Es ist noch richtig Schiff und nicht einfach ein Kasten.

Und ebenso wie auch alte Dampflokomotiven ihre Fans haben und durchaus kostendeckend betrieben werden können, müsste es doch machbar sein, ähnliches auch mit einem Traditionsschiff zu machen. Das hätte auch den Vorteil, daß das Schiff vielleicht jedes Jahr zur Hanse-Sail wieder nach Rostock heimkehren könnte.

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Ein Denkanstoss vom Namensgeber des Schiffes: "Ein einziger Aufwiegler taugt manchmal mehr als alle Abwiegler zusammen.", Georg Büchner, hessischer Schriftsteller und Revolutionär (1813 - 1837). Ich unterstütze hiermit die Argumentation und Vorschläge der Chefin vom Rostocker Bund, Sybille Bachmann, zur Rettung der Georg Büchner. Roland Hartig

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