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Mohammed-Karikaturen, Propheten-Videos und Bücherverbrennung

Derzeit sorgt ein offenbar dämliches Video für Aufruhr in der islamischen Welt. Irgendein ultraorthodoxe Christ/Kopte in den USA hat ein Schmähvideo produziert, um seiner antiislamistischer Grundhaltung Ausdruck zu verleihen. Nun könnte man meinen, daß ein offensichtlich mieser Film keine große Beachtung finden wird, aber leider gibt es da die andere Seite: orthodoxe bzw. geradezu fanatische Islamisten (Salafisten), die sich - natürlich! - in ihrem Glauben verletzt sehen und Botschaften anzünden und sogar auch nicht vor Mordaufrufen an Diplomaten zurückschrecken bzw. bereits solche Morde verübt haben.

Es ist natürlich nun ein leichtes, aus unserer aufgeklärten Gesellschaft heraus, für mehr Gelassenheit und Säkularisierung zu werben. Andere wiederum empfinden das als eine Art Kolonalisierung auf einer anderen Ebene, wie etwa in den Kommentaren unter einem Artikel bei den Ruhrbaronen zu lesen ist. Aber was ist die Alternative zu Säkularisierung, Aufklärung und Humanismus?

Wenn radikale Islamisten, die zudem auch noch durch andere Staaten, wie zum Beispiel Saudi Arabien, finanziert werden und wodurch dann ein Ungleichgewicht in der öffentlichen Wahrnehmung entsteht, zu Gewalttaten aufrufen, welches Mittel hat dann die säkularisierte westliche und übrige Welt übrig, als sich irgendwie zu schützen? Schlimmer wird die ganze Problematik noch dazu dadurch, daß auch in bereits eigentlich säkulären Staaten wie den USA religiöse Fanatiker an die Macht streben. Sehr schön zu sehen im derzeitigen Wahlkampf um die US-amerikanische Präsidentschaft.

Glaube und Religion sind grundlegende Menschenrechte. Jeder soll glauben können, was er mag, und dabei frei und ungehindert seine Religion ausüben können. Das gilt universell und in alle Richtungen: für Christen ebenso wie für Juden, Moslems, Buddhisten, Atheisten oder was es sonst noch für Religionen geben mag. Aber wenn wir ein friedliches Miteinander haben wollen, bedeutet das auch, daß der Glauben anderer Menschen und deren Religion akzeptiert und toleriert werden muss. Wenn also ein islamischer Geistlicher meint, er müsse auf den Film mit dem Zerreissen der Bibel und deren Verbrennung reagieren, dann sollte sich der gleiche Geistliche auch die Frage gefallen lassen, wie er denn reagieren würde, wenn ein christlicher Geistlicher den Koran öffentlich zerreissen würde? Oder anders ausgedrückt: ein Glaube oder eine Religion verliert doch dadurch nichts an Wert, nur weil irgendein Idiot einen dämlichen Film dreht oder ein anderer Idiot irgendein Buch zerreisst?

Säkularisierung, Aufklärung und Humanismus sind also keine neue Form der Kolonalisierung, sondern eine bittere Notwendigkeit, Gewalt oder gar Kriege aus religiösen Gründen zu verhindern.

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Genauso seh ich das auch, ingo!

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