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Telekom beerdigt Netzneutralität

Ich bin ja durchaus empfänglich für Themenvorschläge, da mir auch nicht immer früh morgens ein Thema einfällt, über das ich bloggen kann. Heute fand ich dann eben eine Mail mit dem Link zu einer Meldung bei Sipgate, in der es um den Deal der Telekom mit dem Musik-Streaming-Dienst Spotify geht: 

Jahrelange, zermürbende Debatten über Netzneutralität haben ausser einem butterweichen Rechtsrahmen keinerlei Ergebnis hervorgebracht. Das wesentliche Argument gegen Netzneutralität war dabei immer, dass die Sicherung der Dienstequalität eine Differenzierung von Qualitätsklassen nötig mache. Nur dadurch könnten Netzbetreiber flexibel auf die Anforderungen von Diensten reagieren und Innovation ermöglichen. So trug es unter anderem die Deutsche Telekom vor nicht all zu langer Zeit der Enquete-Kommission Internet und Digitale Gesellschaft vor. [...]

Einzig allein eines versteckte sich bis vor Kurzem – ein Produkt, das Ergebnis einer  Zusammenarbeit eines Netzbetreibers und eines Diensteanbieters war. In den letzten Tagen zeigte nun ein erstes, solches Produkt seine hässliche Fratze. Es hört auf den Namen: Spotify.

Im Strom der IFA-Neuigkeiten, fand sich die Meldung, dass Spotify von T-Mobile als “Buchungsoption” angeboten werden soll. T-Mobile möchte Ihren Kunden Musik-Streaming von Spotify gegen ein pauschales Entgelt anbieten – ohne, dass das für Spotify genutzte Datenvolumen in irgendeiner Form angerechnet wird.

Interessanterweise steht hier ausschliesslich die Abrechnung im Vordergrund. Kein Wort mehr von dem Qualitätsversprechen.

An dem Telekom-Spotify-Deal sind gleich mehrere Sachen im Ansatz kaputt: 

  1. Musik als Streaming-Dienst an sich: Allein das finde ich schon ein seltsames Konzept. Es mag zwar hübsch und nett sein, daß man sich aus einem riesigen Pool an Musikstücken gegen ein kleines Entgelt bedienen kann, aber das Problem ist, daß ich keinerlei Rechte erwerbe. Ich habe nichts in der Hand, wortwörtlich. Ich bin in gewissen Dingen ein haptischer Mensch, weswegen ich mir gerne CDs kaufe, wo ich dann auch in einem Booklet herumblättern kann. Die CDs rippe ich mir meistens dennoch, um sie halt auch digital auf Platte vorliegen zu haben. Aber in >95% der Fälle höre ich Musik vom Originalmedium, sprich: von CD. Wer schonmal Supertramps "School" oder Genesis' "Mama" als MP3 gehört hat, wird verstehen, was ich meine. Der Algorithmus bei MP3 versaut einem die ganze Dynamik des Songs und macht daraus einen Klangbrei. Spotify streamt die Musik, d.h. ich erwerbe keinen Besitz an einem Medium, kann es mir nicht ins Regal stellen, nicht ausleihen, nicht kopieren, nicht mitnehmen, nicht dort hören, wo ich kein Netz habe. Ich bin auf Wohl und Gedeih von Spotify angewiesen. Im schlimmsten Fall gebe ich Unsummen an Geld für Spotify aus, das Unternehmen geht aber trotzdem pleite und ich habe dafür dann keine Gegenleistung in der Hand, kein Produkt, was ich weiternutzen kann, wenn das Unternehmen nicht mehr existiert.
  2. Da Spotify ein Streaming-Dienst ist, weiß Spotify, was ich wann und wie lange höre. Ich mag Musik, aber ich will dabei nicht zu einem Objekt der Beobachtung degradiert werden. Kein Unternehmen geht es etwas an, was ich wann für Musik höre. Ich halte Streaming-Dienste für datenschutzrechtlich problematisch.
  3. Worauf sich der Sipgate-Artikel bezieht, ist die Verletzung der Netzneutralität. Die Telekom bietet Spotify als Buchungsoption an. Das macht nur Sinn, wenn man bei VDSL z.B. nur die Basisversion hat, also ohne Entertainpaket. Denn im Entertainpaket für 5.- mehr im Monat ist neben Digital-TV auch eine echte Flatrate enthalten. Ansonsten wird die Bandbreite ja nach 200 GB im Monat von 50 Mbps auf 6 Mbps gedrosselt. Warum also dann noch eine zusätzliche Buchungsoption für Spotify? Wie Sipgate sehr richtig erkannt hat, geht es hierbei um Geldmacherei, nicht um Servicequalität.
  4. Entweder müssen die Telekom und Spotify ein direktes Peering haben oder das ganze wird irgendwie übers Internet transportiert. Dann aber ist die Qualitätssicherung auch nicht mehr möglich, weswegen da bei der Telekom wohl auch kein Wort mehr gesagt wird.

Resultat aus der Geschichte: man sollte Spotify meiden und man sollte der Telekom gehörig auf die Finger hauen und den Politikern der EIDG in den Hintern treten, daß die Netzneutralität endlich gesetzlich verankert wird. Nur durch ein freies Netz, in dem keine Unterscheidung nach dem Geldbeutel des Inhalteanbieters gemacht wird, kann sich Kreativiät entfalten.

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Comments

Bei Deiner Betrachtung hast Du augenscheinlich eine Kleinigkeit übersehen. In der zitierten Meldung wurde nicht von der Telekom, sondern von T-Mobile geschrieben. In dem Zusammenhang ist das mit der Datenmenge wieder sinnvoll. Es geht also nur um den Spotify Empfang auf Mobilgeräten.

Öhm, nunja, meine müden Äuglein morgens halt... Aber grundsätzlich bleibt die Kritik natürlich gültig, nur daß ich da schlecht mit VDSL 50 vergleichen kann. Im Grund kommt dann sogar noch hinzu, daß der Streaming-Anbieter womöglich auch noch meinen Standort erfährt. Und daß Streaming über Handynetze sowieso irgendwie krank ist.

So früh am Morgen würde ich keinen ganzen Satz zu stande bringen. ;-)
Wenn die App auch noch pfiffig ist, kann sie auch noch über das Mikro des Handys mithören, ob man zur Musik mitpfeift oder mitsingt und meldet einen dann auch noch automatisch bei DSDS an. Sowas muss nun auch nicht sein.
Kleiner Scherz. Aber wer sagt uns, dass das mit dem Mikro nicht auch funktioniert. Streamen geht immer auch in beide Richtungen ...

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