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20 Jahre Lichtenhagen: geladene Gäste wegen Hautfarbe abgewiesen?

Am Wochenende fanden Gedenkveranstaltungen zur Erinnerung an die fremdenfeindlichen Ausschreitungen gegen Asylbewerber in Lichtenhagen vor 20 Jahren statt. Zu den Veranstaltungen wie zum Beispiel der Demonstration oder einem Konzert hatten viele linke Gruppen aufgerufen. Am Sonntag fand dann eine Gedenkveranstaltung mit Bundespräsident Gauck und Oberbürgermeister Roland Methling statt. Das Portal "Kombinat Fortschritt" berichtet nun, daß zwei geladene, farbige Bürger trotz Vorlage der Einladung von Oberbürgermeister Methling von den Sicherheitsdiensten nicht durchgelassen wurden: 

Am Rande dieser offiziellen Veranstaltung mit dem neu ernannten Ehrenbürger scheint sich jedoch die Kontinuität der Fratze des Rostocker Erinnerungsdiskurses gezeigt zu haben. Zwei Mitglieder des deutsch-afrikanischen Freundeskreises Daraja e. V., unter ihnen das Vorstandsmitglied Marouf Ali Yarou Issah, hatten sich bereits vor Wochen für die Gedenkveranstaltung mit Joachim Gauck angemeldet – zunächst auch mit Erfolg. Über eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn fanden sie sich mit ihrer Einladung auf dem Gelände ein. Doch bereits am Einlass wurde der Zutritt zum Festakt hinausgezögert. Zunächst kein ungewöhnliches Unterfangen bedenkt man die hohen Sicherheitsvorkehrungen, die für die Anreise des Bundespräsidenten getroffen werden. Doch nachdem die Sicherheitsbeamten mit den Veranstaltern Rücksprache hielten, wurde den geladenen Gästen plötzlich mitgeteilt, dass sie auf der Veranstaltung nicht erwünscht seien, genauere Begründungen für dieses Vorgehen blieben jedoch aus. Auch auf explizit gestellte Nachfragen erhielten die ausgeladenen Gäste keine Auskunft, nur eine scheinheilige Begründung, dass sie auf dem Gelände wohl zu spät eingetroffen seien. Eine Farce, denn auch nach der Abweisung konnten offenbar weitere Geladene die Schleuse passieren.

Die Vermutung liegt nahe, dass sich auch 20 Jahre nach Rostock-Lichtenhagen kein gravierender Sinneswandel vollzog, da sich Vertreter der Stadt vorurteilsbehaftet entschieden mit wem sie gemeinsam den Festakt zelebrieren. Erst im Anschluss an die Veranstaltung wurde der Zugang zum Gelände freigegeben und eine Entschuldigung für die Unannehmlichkeiten versprochen. Der faktische Ausschluss der geladenen Gäste zeigt jedoch die Grenzen der vor laufenden Kamera zelebrierten Vielfalt. Denn an einen unglücklichen Umstand oder einem Fehler im Protokoll mag in diesem Zusammenhang niemand glauben.

Die beiden Mitglieder des Vereins wurden vom Berliner leftvision Projekt interviewt. Das Video gibt es bei Youtube zu sehen und steht unter CC-Lizenz (CC:BY-SA-ND-NC): 

Die Einladung war, wie im Video und bei Kombinat Fortschritt zu sehen ist, vom Oberbürgermeister Methling unterschrieben. Damit ist auszugehen, daß es der Wunsch des Oberbürgermeister war, daß die Eingeladenen an der Gedenkveranstaltung teilnehmen. Insofern würde ich mich freuen, wenn der Oberbürgermeister nun kraft seines Amtes auf Aufklärung dieses Vorfalles drängen würde. Wie kann sich ein Sicherheitsdienst weigern, geladenen Gästen den Zutritt zu eben dieser Veranstaltung zu verwehren? Der Verdacht drängt sich auf, daß die entsprechenden Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes aus fremdenfeindlichen Antrieb den Zugang verwehrten. Sollte dies der Fall sein, müsste die Stadt entsprechende Maßnahmen ergreifen, diesen Sicherheitsdienst nicht mehr zu beauftragen.

Diesen Vorfall als "unglücklich" zu bezeichnen, ist nicht ausreichend.

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