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Unfall beim Rostocker Triathlon

In der Regel gehen Veranstaltungen in Warnemünde an mir spurlos vorbei, sind sie doch eher für die Touristen interessant. Feuerwerke und Portpartys sind sowas zum Beispiel: wenn man mehrmals pro Woche ein Feuerwerk vor der Tür hat, wird das langsam irgendwann uninteressant, im schlimmsten Fall nervig. Gestern kündeten dann auf der Parkstraße Verkehrsschilder mit "Achtung! Radrennen" von einer Sportverantstaltung in Warnemünde. Und bis irgendwann zwischen 17 und 18 Uhr hatte ich mit dem Ganzen auch noch nichts zu tun.

Bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich am Schreibtisch am Rechner saß und draußen einen Knall hörte. Irgendein Unfall mal wieder im Rückreiseverkehr. Erst dachte ich, daß zwei Autos ineinander geknallt sein, aber ein Blick aus dem Fenster förderte zutage, daß einer der Radfahrer involviert war. Um Hilfe anzubieten bin ich also raus auf die Straße, wo sich auch schon andere Passanten um den Radfahrer kümmerten. Offenbar war der Radfahrer einem Linksabbieger, der aus dem Grünen Weg auf die Parkstraße wollte, in die Seite gekracht und gestürzt. Zum Glück ging der Unfall relativ glimpflich aus und er Sportler trug nur Hautabschürfungen und wohl eine geprellte Hüfte und Schulter davon.

Von anderen Passanten wurde schon die Polizei verständigt, die aber auch erst nach einer recht langen Zeit kam. Gefühlt waren es so 30-45 min, die wir dort gewartet haben. Einen Krankenwagen wollte der Teilenhmer des Rostocker Triathlons, um den es sich bei der Veranstaltung handelte, wie ich in der Zwischenzeit erfahren habe, nicht haben. Irgendwann kam dann auch mal ein Ordner der Veranstaltung und bat mich, ein bißchen den Verkehr zu regeln, wenn da Autos abbiegen wollen. Da die Polizei wie gesagt auf sich warten ließ, hatten wir etlich Zeit, uns mit den Unfallbeteiligten zu unterhalten und ihm einen Kühlakku für seine Schulter anzubieten.

Der verunfallte Teilnehmer mit der Startnummer 208 hatte besonders Pech, da er an Platz 1 liegend ausschied. Sein Carbon-Rennrad kann er wohl wegschmeißen. Äußerlich sag das Rad unversehrt aus, aber bei Carbon-Rädern ist es wohl so, daß man die Risse, die bei einem Unfall auftreten können, nicht per bloßem Auge sehen kann, sondern nur, wenn das Rad geröntgt wird. Allen, die noch dort standen, also Autofahrer, Radfahrer und uns, war eigentlich klar, daß weder Radfahrer noch Autofahrer eigentlich Schuld an dem Unfall haben. VIelmehr ist es eigentlich unverantwortlich vom Veranstalter, mitten im Sommer, wenn Tausende von Autos über die Parkstraße fahren, dort ein Radrennen fahren zu lassen. Beziehungsweise die genehmigende Behörder der Stadt muss sich fragen lassen, wieso es keine entsprechenden Auflagen einer Absperrung gab oder nicht an allen Kreuzungen Ordner mit Warnwesten standen und den Verkehr regelten?

Denn an der Einfahrt zum Parkhaus am Park standen sowohl Ordner als auch Polizei und regelten den Verkehr, wenn Teilnehmer vorbeikamen. An den anderen Straßenkreuzungen standen aber wohl keine Ordner und an genau so einer Kreuzung kam es dann auch zum Unfall. Dem Radfahrer kann man, aus unserer Sicht, keinen Vorwurf machen, weil er ja Teilnehmer eines Radrennens war. Ein Radrennen macht aber nur Sinn, wenn man schnell fährt, was man aber eigentlich nicht kann, wenn das Rennen im normalen Straßenverkehr stattfindet. Angeblich sollten die Teilnehmer zwar den Fahrradstreifen auf der Parkstraße benutzen, aber das ist utopisch. Erstens ist dieser zu schmal und zweitens besteht auch dort das Problem, daß Touristen, Kinder, Autos und andere Fahrradfahrer dort kreuzen oder fahren. Also fuhren die meisten Teilnehmer in der Fahrbahnmitte. Dort sind diese aber nur schwer von den abbiegenden Autos zu sehen. Die Silhouette eines Rennradlers ist sehr schmal und der Blick war von der Autoschlange im Rückreiseverkehr eigentlich ständig versperrt.

Die inzwischen eingetroffenen Polizisten wiesen hingegen auf §1 der StVO hin, der gegenseitigen Rücksichtnahme. Das heißt, daß vermutlich sowohl Autofahrer als auch der Sportler eine Teilschuld bekommen werden: der Autofahrer, weil er nicht sorgfältig genug beim Abbiegen war, der Radfahrer, weil er zu schnell an die Kreuzung heranfuhr und wohl eben nicht auf dem Radweg fuhr. Und so werden vermutlich wohl beide auf ihrem Schaden sitzen bleiben, während der Veranstalter ungeschoren davon kommt.

Beim Veranstalter handelt es sich übrigens um einen Verein. Das ist problematisch, weil man von einem kleinen Verein mit ehrenamtlichen Helfern nicht die gleichen Maßnahmen abverlangen kann wie von einem kommerziellen Veranstalter. Nach Aussage des Radfahrers mussten 1-2 Tage vorher sogar noch 5 Helfer gefunden werden, da die Veranstaltungen ansonsten nicht hätte stattfinden können. Aber wie man sah, waren auch diese 5 zusätzlichen Helfer zu wenig. Wenn man die Auflagen an Sportvereine so groß macht, daß diese nicht mehr erfüllt werden können, werden viele Sportveranstaltungen nicht mehr stattfinden können. Das kann also auch nicht der Weg sein.

Vielmehr ist wohl auch die Stadt gefragt, den Vereinen zu helfen. Eventuell durch kostenloses Aufstellen von Verkehrsschildern, Verkehrsbarken oder den helfenden Einsatz von Polizei. Jedenfalls sollte aus dem Unfall von gestern gelernt und im nächsten Jahr darauf reagiert werden. Wie, das müssen Veranstalter, Stadt und Polizei im Nachgang der Veranstaltungen besprechen.

Zum Glück ging der Unfall vergleichsweise glimpflich aus. Es hätte schlimmer ausgehen können!

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Comments

Wirklich schöner Beitrag.
Knochen sind alle heil geblieben. Es bleibt bei der geprellten Hüfte, einer geprellten Schulter und einem Schleudertrauma. Außerdem besteht der Verdacht auf eine "Schulterrotatorenmanschettenruptur". Das hieße diverse Muskeln im Schulterbereich beschädigt - im schlimmsten Falle wäre es mit dem Sport dann vorbei. Auch wenn ich alles in allem wohl trotzdem noch Glück hatte, bei einem Aufprall mit etwa 30km/h oder mehr können noch ganz andere Dinge passieren, ist die Saison damit vorbei, wodurch (unter anderem aber besönders ärgerlich) ein Ausfall für ein Rennen in der 2. Bundesliga entsteht.....

Ich bin auch der Meinung, dass sich da etwas verändern muss und finde gut, dass so auch mal auf anderem Wege (als über die Vereine) darauf aufmerksam gemacht wird. Der Rostocker Triathlon ist eine veranstaltung mit einer langen Historie und es wäre wirklich schade, wenn diese verloren ginge aber ich denke, so kann es nicht weiter gehen... jedes jahr geschehen stürze und bei dem verkehrsaufkommen teilweise ist es eine Frage der Zeit bis etwas ernsthaftes passiert.....

Nochmals vielen Dank für die schnelle Hilfe und dann auch das spontane Aushelfen an der Wettkampfstrecke.....

mit Sportlichen Grüßen der Radfahrer....

PS: die Startnummer war die 208 ;)

Oha! Dann druecken wir mal die Daumen, dass es doch noch bis zum naechsten Jahr verheilt und die sportliche Karriere weitergehen kann und wuensche eine vor allen Dingen gute und gruendliche Besserung/Genesung!
Was den Verkehr angeht: solange der Verkehr laeuft und die Kreuzungen gut einsehbar sind, mag das ja auch alles noch halbwegs machbar sein. Aber bei dem Verkehr, der da herrschte, ist es nur eine Frage der Zeit, bis genau so ein Unfall dann passieren musste.
Wir an der Parkstrasse wundern uns ja sowieso, dass relativ wenig passiert, obwohl dort manchmal regelrecht gerast oder ueberholt wird. Und das ganze dann noch neben einem Kinderspielplatz im Park und zweier Kindertagesstaetten. Angeblich soll nun aber bald Tempo 30 auf der Parkstrasse eingerichtet werden. Das hilft aber auch nicht gegen den Stau und somit auch nicht grossartig beim Rostocker Triathlon im naechsten Jahr.

Und in der Ostseezeitung gab es nicht einmal einen Hinweis auf den Unfall. Traurig traurig

Ja, wundert mich nicht. War ja auch niemand ausser uns 4 vor Ort. Weder ein offizieller Ordner, noch jemand von der Presse. Ich weiss nicht, ob ein Leserbrief an die OZ helfen wuerde, aber das Risiko von Unfaellen hinzuweisen. Vielleicht mag ja jemand das uebernehmen?

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