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Bericht: "Diktatorenherbst - Sommer der Islamisten. Was bleibt vom arabischen Frühling?"

Gestern fand in der Großen Galerie, Doberaner Str. 6 in Rostock die Veranstaltung "Diktatorenherbst - Sommer der Islamisten. Was bleibt vom arabischen Frühling?", in der Tim Petschulat von der Friedrich-Ebert-Stiftung über den arabischen Frühling, die Hintergründe und die derzeitige Situation, insbesondere auch im Jemen berichtete. Moderiert wurde die Veranstaltung von Maik Bunschkowski (SPD). Trotz der Fußball-EM fanden sich gut 30 interessierte Teilnehmer ein, die nach dem Vortrag noch zahlreiche Fragen stellten. 

Petschulat ging insbesondere auch auf die unterschiedliche Strömungen im Islam ein und stellte klar, daß viele Islamisten bzw. Moslems Demokraten seien. Lediglich Splittergruppen wie die Salafisten seien anti-demokratisch, was unter anderem dazu führte, daß die Salafisten nicht Teil der verfassungsgebenden Versammlung in Tunesien sei, da sie sich geweigert haben, sich zur Demokratie zu bekennen.

Die starke Bedeutung der Salafisten führte Petschulat u.a. darauf zurück, daß die Golfstaaten diese unterstützen, um eine Demokratisierung der Region zu verhindern. Gäbe es eine Modelldemokratie in der Region würde dies eine Gefahr für die Machthaber auch in den Golfstaaten wie Saudi-Arabien, Bahrain oder anderen bedeuten. Deshalb sei eine Unterstützung der demokratischen Bewegung in den Ländern entsprechend wichtig und notwendig. Allerdings hängt der Erfolg der Demokratisierung auch stark von der wirtschaftlichen Entwicklung ab. So argumentieren die Salafisten im Jemen zum Beispiel, daß die schwache Wirtschaft in dem Land die Strafe Gottes für den Abfall vom Glauben sei. Da die Salafisten aus den Golfstaaten unterstützt werden und einen strengen Glauben predigen, wird dieses Bild entsprechend gestärkt.

Nach dem Vortrag gab es noch ausreichend Zeit für Fragen der Besucher, die sich unter anderem für das Verhältnis zu Israel interessierten. Petschulat zog hierbei das Beispiel der gestoppten Gaslieferungen von Ägypten an Israel heran, das nicht aufgrund der Streitigkeiten zwischen Ägypten und Israel gekündigt worden sei, sondern aus wirtschaftlichen Gründen: Ägypten habe das Gas unter Marktpreis verkauft, was nun in einer Demokratie nicht mehr vermittelbar sei.
Ebenso wurde nach der Bedeutung der Wirtschaft gefragt. Die Länder des arabischen Frühlings haben dabei unterschiedliche Voraussetzung, zum Beispiel was Rohstoffe anbelangt. Gemein seien aber die hohe Jugendarbeitslosigkeit. In Tunesien sei zwar das Bildungsniveau recht hoch, aber Akademiker könnten nach ihrem Studium keinen Job finden. Im Jemen ist es noch dramatischer: dort beträgt der Anteil der Bevölkerung unter 25 Jahre gut 70%. Hier seien auch Angebote aus dem Ausland gefragt, wie zum Beispiel aus Deutschland, jungen Akademikern die Chance auf ein Arbeitsvisum zu geben, um hier Praxis zu sammeln und diese dann in ihrem Land nach einigen Jahren verwenden zu können.
Auch die Rolle des Internets wurde thematisiert. Wie auch in Tunesien, Ägypten und Libyien sei die Rolle des Internets im Jemen wichtig. Anders sei hingegen, daß es im Jemen keine staatliche Kontrolle des Internets gäbe, außer daß pornografische Seiten gesperrt seien, was aber ja auch schon auf eine entsprechende Zensurinfrastruktur hinweist. Immerhin gut 4% der Bevölkerung verfüge über Internetzugang. Diese 4% würden dann die Informationen in ihrem sozialen Umfeld weiterverbreiten, etwa Videos von Demonstrationen auf Youtube.

Anbei ein kleines Stichwort-Protokoll der Veranstaltung...

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