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#occupyberlin und die Demonstrations-Kultur

Derzeit gibt es weltweit Demonstrationen gegen die Übermacht der Banken und des Finanzsektors. Viele dieser Demos werden dank moderner Hilfsmittel live in das Internet gestreamt. Weltweit. Das ist sicherlich eine qualitative Neuerung und an sich schon eine Bereicherung für die Demokratie, da die Protestierenden nicht mehr auf die Berichterstattung durch die Medien angewiesen sind. Sie sorgen selber für eine entsprechende Öffentlichkeit, so daß sich die Menschen auch dann informieren können, wenn Fernsehen, Rundfunk und Presse eine Demo schon längst verlassen haben oder von Anfang an ignorieren.

Aber auch bei der Demonstrationskultur an sich scheint sich etwas gewandelt zu haben. In meiner Erinnerung an die Friedensdemos der 80er gibt es immer auch Lieder, die auf diesen Demos gesungen werden. Es war die Zeit der Liedermacher, die seit den 60er Jahren einfach immer dazu gehörten. Nicht nur Wolf Biermann, sondern auch internationale wie Joan Baez wie auch andere nationale Künstler wie Bettina Wegner, Hannes Wader und auch Reinhard Mey, der auch heute noch auf Friedensdemos auftritt.

Gut, ich bin definitiv kein großer Fan von Liedermachern, aber die derzeitigen Sprechchöre á la "Wir sind friedlich, was seid ihr?" oder auch "Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns unsere Zukunft klaut" finde ich nun auch alles andere als toll. Eigentlich sogar schon ein bißchen aggressiv. Außerdem sind es immer die gleichen Sprechchöre, von einigen Variationen abgesehen, was die Sache dann auch spätestens bei der dritten Demo langweilig macht.

Naja, vielleicht entwickelt sich ja dann doch noch ein etwas kreativerer Protest...

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