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RWE-Boss Großmann hält an Atomenergie fest

Als ich gestern über die erneuerbaren Energien und die Leitungsnetze geschrieben hatte, wußte ich nicht, daß am selben Tag auch noch RWE-Aktionärsversammlung ist, bei der es heiß herging, wie Spiegel berichtet: 

Normalerweise sind Aktionärstreffen ein beschauliches Stelldichein. Der Vorstand referiert Zahlen und Zukunftsvisionen, die Aktionäre meckern ein bisschen, dann geht es ans Buffet. Nicht so beim Energieriesen am Mittwoch in der Essener Grugahalle. Hier kam es zur Konfrontation zwischen Anti-Atomkraft-Bewegung, Aktionären und Vorstand - ein Vorgeschmack auf die turbulenten Tage, die dem Energiegiganten noch bevorstehen könnten.

Im Zentrum steht einmal mehr RWE-Chef Großmann: Beim ersten Krawall macht der Manager noch eine kurze Redepause. Wartet, bis Sicherheitsleute die Störenfriede hinausgetragen haben. Als wenig später neue Störer durch einen Seiteneingang in den Saal schlüpfen, liest er einfach weiter sein Skript vor: "...Klage gegen Moratorium ist keine Kampfansage an die Politik...", sagt Großmann. "Abschalten! Atoooooom!", ertönt es aus dem Publikum. "...von der Illusion verabschieden, dass Netzausbau von heute auf morgen möglich ist...", sagt Großmann.

Großmann. Ich hab da durchaus ein ambivalentes Verhältnis zum RWE-Chef. Wer nicht wie ich aus Georgsmarienhütte oder dem Umkreis stammt, dem sei gesagt, daß Großmann damals das vor dem Aus stehende Klöckner Edelstahlwerk eben dort in einem Management Buy-Out übernommen hat. Soviel kann man auch bei Wikipedia nachlesen. Was dort aber nicht steht, ist die Tatsache, daß Großmann damals das Unternehmen und in gewissen Maße auch die Stadt gerettet hat, indem er die Stahlproduktion von Kohlefeuerung auf einen Lichtbogen-Hochofen umgestellt hat. Nunja, ein Lichtbogen kommt nicht so ohne Weiteres zustande. Dafür braucht man natürlich Elektrizität. Viel Elektrizität (0,5 bis 1,4 MVA/t).

RWE indes, als Rheinisch-Westfälische Energiewerke, ist als örtlicher Stromversorger, lieferte natürlich bereitwillig Strom in die dann von Klöckner Edelstahl GmbH umbenannte Georgsmarienhütte (Stahlwerk). Ist ja auch ein super Großabnehmer, dieser Großmann. Somit erklärt sich auch, wie Großmann erstens auf den Vorstandsposten bei RWE kam, und zweitens, warum Großmann ein starkes Interesse an billigem Atomstrom hat: Er ist ja auch immer noch alleiniger Inhaber der Georgsmarienhütte Holding und somit des Stahlwerks.

Nun könnte man argumentieren, daß es somit einen Interessenkonflikt bei Großmann als Chef von RWE und als Chef der Georgsmarienhütte gibt, der dazu führt, daß er eben an der Atomkraft zum Schaden aller Bürger festhält. Würde das Stahlwerk jedoch teureren Ökostrom beziehen, wären vermutlich Arbeitsplätze in Georgsmarienhütte in Gefahr. Andererseits hat sich die Wirtschaft in der Stadt inzwischen diversifiziert, so daß eine Insolvenz des Stahlwerks nicht mehr diese verheerenden Auswirkungen hätte wie 1993. Außerdem könnte es ja durchaus auch ein Image- und Werbevorteil sein, mit halbwegs ökologisch produzierten Edelstahl am Markt zu sein.

Wie auch immer: auch Großmann wird begreifen müssen, daß in Deutschland das Atomzeitalter beendet ist. RWE sollte, so oder so, seine Erkenntnisse daraus ziehen und entsprechend handeln.

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