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TV-Kritik: "Die Welle" und "Die Brücke"

In den letzten beiden Tagen kamen zwei Spielfilme im Privatfernsehen, die durchaus mal sehenswert waren. Zum einen war das am Freitag der Film "Die Welle" und zum anderen am Samstag der Film "Die Brücke". Bei beiden handelte es sich um deutsche Neuverfilmungen.

"Die Welle" ist eigentlich ein Roman von Morton Rhue (eigentlich Todd Strasser), in dem thematisiert wird, ob sowas wie der Nationalsolzialismus noch einmal passieren könnte. Das Original der Romanvorlage handelt an einer amerikanischen Schule, ebenso wie der amerikanische TV-Film von 1981 "Die Welle". Sowohl dem Roman als auch dem TV-Film liegt das Experiment des Geschichtslehrers Ron Jones "The Third Wave" aus dem Jahr 1967 zugrunde.
Die deutsche Kinoversion von "Die Welle" spielt natürlich nicht in den USA, sondern in Deutschland und auch ansonsten hatte ich das Gefühl, daß sich diese Neufassung sehr weit von den "Originalen" aus dem Jahr 1981 entfernt hat. Es ist zwar schon sehr viele Jahre her, daß ich den amerikanischen TV-Film gesehen habe, aber er blieb mir weitaus eindrucksvoller und erschreckender in Erinnerung als die deutsche Wischiwaschi-Version aus dem Jahre 2008. Wenn ich eine Bezugsquelle für die US-Version des Films von 1981 hätte, würde ich gerne an dieser Stelle darauf hinweise und empfehlen, lieber die alte Version anzuschauen. Aber leider ist mir keine Bezugsquelle dafür bekannt. Ich würde mich aber freuen, wenn es eine geben würde.

Die Neuverfilmung des Films "Die Brücke" hingegen war im Gegensatz zu "Die Welle" schon besser. Die wohl bekannteste Version des Films ist aber die Version von Bernhard Wicki aus dem Jahr 1959. Diese Version dürften wohl ziemliche viele in der Schule gesehen haben, da es ein sehr eindrücklicher Anti-Kriegsfilm ist. Die Version von 2008 hingegen bleibt dagegen doch etwas zurück. Vor allem wegen der doch überragenden Regie von Wicki, der das Remake nicht das Wasser reichen kann. Während Wickis Version durch die Bilder und den Schnitt zu fesseln verstand, ist die Neufassung ein gut gemachter Unterhaltungsfilm, der zwar auch die Unsinnigkeit und das Sterben im Krieg thematisiert, aber eben nicht so eindrücklich, sondern eher unterhaltend ist.

Wer also ein Gefühl dafür bekommen will, wie es damals im Nationalsozialismus gewesen sein könnte, der sollte die alten Filme schauen: "Die Welle" von 1981 und vor allem "Die Brücke" von 1959. Insbesondere bei "Die Brücke" kann man in der alten Fassung davon ausgehen, daß die Beteiligten noch selber unter dem Eindruck des Hitler-Regimes standen und es damit mutmaßlich näher an der Wirklichkeit sein dürfte. Mutmaßlich, weil auch ich ja damals nicht selber dabei war. Zum Glück! Aber zum Beispiel kann man aus der Biographie von Sophie Scholl von Barbara Beuys herauslesen, wie vereinnahmend der Nationalsozialismus in Hinblick auf die Jugendlichen war. Insofern kann man anhanddessen auch Vermutungen anstellen, wie es damals dazu kommen konnte. Wie die Jugend so verführt werden konnte wie es in "Die Welle" dargestellt wird. Wie die Jugend dazu mißbraucht werden konnte wie im Film "Die Brücke".

Nicht die Neufassungen von 2008, sondern die alten Filme sollten Mahnung der Vergangenheit und Ansporn für die Zukunft sein, so etwas nicht noch einmal geschehen zu lassen. Nicht in Deutschland und auch nicht in anderen Ländern.

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