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Mubarak bleibt im Amt

Lange erwartet, doch großartig enttäuschend war die Rede, die Mubarak vorhin live im ägyptischen Staatsfernsehen gehalten und in der er angekündigt hat, im Amt bleiben zu wollen. Angeblich sollen heute 3 Mio. Demonstranten auf den Straßen gewesen sein. Doch Mubarak hat anscheinend nicht den Mumm, endlich von seinem Amt Abschied zu nehmen und nach all den langen Jahren zurückzutreten.

Ich kann verstehen, daß es für die arabische Seele Mubaraks wichtig ist, in Ehre abzutreten, doch je länger er wartet und das Volk, der er beherrscht hat, ignoriert, desto unehrenvoller und peinlicher wird das Ganze für ihn irgendwie. Kurz nach der Rede hielten die Demonstranten auf dem Tahrir-Platz Schuhe als Zeichen der Mißachtung in die Luft. Die Stimmung auf dem Platz ist natürlich nun gereizt. Verständlicherweise.

Ausschlagebend wird sein, wie nun das Militär reagieren wird. Es steht außer Zweifel, daß das Militär ebenfalls Druck auf Mubarak ausgeübt hat und ihn dazu gebracht hat, entsprechende Änderungen der Verfassungen zu beschließen. Aber so wie ich die Demonstranten einschätze werden sie sich nicht damit zufrieden geben. Die maßgeblich an den Demonstrationen beteiligte Jugend will einen echten Machtwechsel sehen. Sie will das bisherige Regime loswerden. Dafür gingen die Ägypter nun schon seit über zwei Wochen nicht auf die Straßen.

Wenn das Militär nun der Meinung ist, daß mit den geplanten Änderungen die Ziele der Demonstrationen erreicht seien und deswegen die Demonstrationen auflösen würde, könnte es noch eine blutige Revolution werden. Die andere Option für das Militär wäre, daß es offen gegen Mubarak putscht. Das ist aber wohl ziemlich unwahrscheinlich. Als letzte Option bliebe die Möglichkeit, daß es sich weiter zurückhält und die Demonstrationen weitergehen. Ich fürchte, daß die erste Option die wahrscheinlichere ist. Leider.

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