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Das Internet und die Proteste in Ägypten und Tunesien

Letzte Woche die Revolution in Tunesien und diese Woche in Ägypten? Zumindest ähneln sich die Art und Weise der Proteste in Tunesien und nun in Ägypten gewissermaßen. Beide Länder zensieren das Internet. In Tunesien soll die Regierung sogar Passwörter gesniffed haben, um an die Accounts der Leute bei Facebook und Twitter zu kommen. Und auch aus Ägypten wird nun von massiver Einflußnahme auf das Internet berichtet: es soll im Wesentlichen abgeschaltet worden sein.

Es ist sicherlich übertrieben und eigentlich auch falsch, wenn man behauptet, daß es in Tunesien zu einer Twitter- oder Facebook-Revolution gekommen ist. Revolutionen werden auf der Straße gemacht, nicht im Internet. Dennoch spielt das Internet und die Social Communities darin eine wichtige Rolle bei einer solchen Revolution. Es verbreiten sich schnell Nachrichten und andere wichtige Informationen weltweit und stellenweise können sich die Demonstranten sicherlich auch darüber organisieren.

Wichtig erscheint mir die soziale Komponente dieser Communities in der Hinsicht zu sein, daß die Leute sehen, daß sie viele sind. Sie sind nicht allein und mehr als eine Handvoll. Das gibt ihnen sicherlich den Mut und den Rückhalt, zahlreich auf die Straße zu gehen und (hoffentlich friedlich) zu protestieren. So kann der Protest dann auch in andere Gegenden überspringen und bleibt vielleicht nicht örtlich auf z.B. Kairo oder Suez beschränkt. Und nur flächendeckende Proteste haben das Zeug zu einer Revolution.

Daß die ägyptische Regierung nun das Internet und auch das Handynetz abschaltet, wie z.B. bei Netzpolitik.org berichtet wird, dürfte im Übrigen wohl eher den gegenteiligen Effekt haben, den sich die Regierung von dieser Aktion verspricht: die Leute sind ans Internet gewohnt und sie nutzen es. Wenn man nun Internet und Handynetze abschaltet, verdeutlicht man eigentlich nur damit, daß die eigene Regierung eben ein Regime ist, das eine andere Meinung nicht zulassen möchte. Richtig schön prägnant hat es übrigens ein der User Arabist auf Twitter zugespitzt: 

A friend in Cairo: "The government can take away my freedom, but if they take away my internet porn, they're going down."

Übrigens: ein weiteres Zeichen, daß es sich in Ägypten um ein Regime und keine demokratische Regierung handelt, ist der seit 1981 geltende Ausnahmezustand! 30 Jahre!

Und all diese Vorkommnisse in Tunesien und in Ägypten (und vielleicht schon bald im Jemen) zeigen, wie wichtig trotz allem ein freies und unregelmentiertes Internet ist. Ein Internet, aus dem der Staat seine Finger herauszuhalten hat. Ein Internet, in dem keine Zensurinfrastruktur es möglich macht, Inhalte zu sperren. Ein Internet, in dem sich die Menschen frei und ungehindert informieren können.

Die Proteste in Tunesien und Ägypten zu unterstützen und somit für mehr Demokratie zu sorgen, sollte unser aller Ziel sein. Das Internet unterstützt freie Demokratien. Es fördert sie und zu einem gewissen Teil kann man das (freie) Internet auch als einen wesentlichen Teil der Demokratie betrachten. Es zu zensieren, wie es die Sicherheitspolitiker in Bund und der EU verlangen, ist anti-demokratisch. Dies zu verhindern, ist auch unsere Aufgabe, damit es weiterhin eine freie und unzensierte Berichterstattung gibt und sich die Menschen weltweit über Themen informieren können, die sie interessieren.

Insofern bleibt zu hoffen, daß die Ägypter Erfolg mit ihrer Revolution haben und es bald ein weiteres Land ohne Internetzensur, aber dafür mit mehr Demokratie geben wird!

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