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Uni Rostock - Videoüberwachung in der Medizin-Klausur

Wie sehr der Überwachungsstaat schon in den Köpfen der Bevölkerung angekommen ist, kann man sehr schön an einer Meldung der Norddeutschen Neuesten Nachrichten (NNN) sehen (via annalist): 

Sie dachten, sie schreiben eine ganz normale Medizin-Klausur. Doch nun stellt sich heraus: Ihr Professor an der Universität Rostock hat sie mit einer Videokamera überwacht. Der Vorfall ereignete sich im Hörsaal der Schillingallee. Um Betrüger zu entlarven, nutzte er die Technik, die eigentlich dazu dient, kleine Objekte für alle sichtbar zu machen. „Das ist tatsächlich passiert“, bestätigt Prof. Thomas Mittlmeier, Studiendekan der Medizinischen Fakultät an der Universität Rostock. Erst jetzt habe er von dem Vorfall  im vergangenen Oktober erfahren. Es handle sich dabei um einen Einzelfall. „Unser Ziel ist es nicht, Klausuren mit dem Kamerasystem zu überwachen“, sagt Mittlmeier. Das sei unzulässig und habe zudem einen schlechten Beigeschmack.

Daß der Professor die Studenten mit einer Kamera überwacht hat, ist natürlich an sich schon ein Unding, das zeigt, wie normal und selbstverständlich anscheinend diese Art der Kontrolle und Überwachung schon geworden ist. Doch noch schlimmer ist eigentlich, daß auch die Überwachten, also die Studenten, daran nichts ungewöhnliches fanden: 

Nachdem der Fachschaftsrat Medizin zunächst bestätigt hatte, von dem Vorfall der Videoüberwachung gehört zu haben, ruderte er wenige Tage später wieder zurück. Plötzlich wollten die studentischen Vertreter nichts mehr von dem Vorfall wissen, wollten sich solch einen Verstoß gegen das Landesdatenschutzgesetz noch nicht einmal vorstellen können. Es seien keine Beschwerden eingegangen, hieß es – anonym.

Unglaublich! Ich wurde ja in Klausuren schon immer nervös, wenn der Lehrer hinter mir stand und mir über die Schulter linste. Aber eine Videoüberwachung ist ja noch einmal ein ganz anderes Thema. Scheinbar sind wir schon so sehr an Überwachungskameras in unserem Leben gewöhnt, daß wir daran keinen Anstoß mehr finden, wenn wir auf dieser Art und Weise überwacht werden. Wieso auch, wenn der Staat in zunehmenden Maße die Überwachung seiner Bürger durch Kameras, Vorratsdatenspeicherung, Bankkontenabfrage und Internetzensur vorantreibt?

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Comments

Darüber hinaus ist das ganze eh bissel komisch, da auf dem Warnschild kein Ansprechpartner steht (wie es das BDSG verlangt). Naja dem betrieblichen DSB hatte ich mal bescheid gesagt, ist aber nie was passiert....

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