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CDU-Generalsekretär zieht Godwins Law

Oder auch: Wie sich die Gesetze im Internet auch in der Realität beweisen. Der baden-württembergische CDU-Generalsekretär Strobl hat nämlich einen prominenten Gegner von Stuttgart21 quasi per Sippenhaft ins politische Abseits stellen wollen. Der Vater vom Schauspieler Walter Sittler, der sich sehr gegen Stuttgart21 engagiert, war nämlich wohl ein Nazi. Und so hat sich Strobl offensichtlich zu folgender, ungeheuerlichen Aussage hinreißen lassen

Dass sein Vater ein Nazi war, hatte Sittler nicht verschwiegen. Dennoch wies Baden-Württembergs CDU-Generalsekretär Thomas Strobl nun noch einmal ausdrücklich auf dieses Kapitel in Sittlers Familiengeschichte hin - und löste damit Empörung aus. In einem Newsletter veröffentlichte Strobl ein Foto Sittlers und die Bildzeile: "Sein Vater war Nazi-Funktionär und arbeitete für Reichspropagandaminister Joseph Goebbels: Walter Sittler, Propagandist der S21-Bewegung."

Strobl betreibt da gewissermaßen geistige Brandstiftung, indem er eine Art Sippenhaft für die Familie Walter Sittlers aufstellt: weil Sittlers Vater Nazi war und für Goebbels arbeitete, ist offensichtlich auch Walter Sittler selber ein Nazi und ein Propagandist wie Goebbels. Mit einer solchen Aussage oder vielmehr Anschuldigung stellt sich Strobl aber bestenfalls selber als Propagandist dar, denn Wikipedia sagt zu dem Thema: 

Propaganda bezeichnet einen absichtlichen und systematischen Versuch, Sichtweisen zu formen, Erkenntnisse zu manipulieren und Verhalten zu steuern, zum Zwecke der Erzeugung einer vom Propagandisten erwünschten Reaktion.

Strobls Absicht war zweifelslos, Sittler zu diskreditieren und seine Stellung als Gegner von Stuttgart21 zu schwächen, also mithin ein absichtlicher und systematischer Versuch, die Meinung von Bürgern über Sittler ins Negative zu verschieben und zu beeinflussen. Allerdings hat er damit Godwins Law tangiert, das im Internet vielzitierte "Gesetz", das folgendes besagt:

“As an online discussion grows longer, the probability of a comparison involving Nazis or Hitler approaches one.”

„Mit zunehmender Länge einer Online-Diskussion nähert sich die Wahrscheinlichkeit für einen Vergleich mit Hitler oder den Nazis dem Wert Eins an.“

– Mike Godwin[1]

Kurzum: wer in einer Diskussion den Vergleich mit Hitler bemüht, hat eigentlich keine Argumente mehr und deswegen in dieser Diskussion sozusagen verloren. Das hat auch Walter Sittler bemerkt, indem er bemerkte, daß Strobl sich "mit der Veröffentlichung ein Eigentor geschossen" habe. Strobl hat sich zwar entschuldigt und Sittler diese angenommen, aber dieses Beispiel zeigt auch sehr schön, mit welchen Methoden die Befürworter von Stuttgart21 deren Gegner zu beeinflussen versuchen. Argumente scheinen sie jedenfalls keine mehr zu haben, wenn sie schon Godwins Law bemühen müssen. Und es zeigt auch, daß Weisheiten bzw. "Gesetze" aus dem Internet auch im wahren Leben ihre Gültigkeit haben.

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Gute deutsche Traditionen in der Rechtssprechung sind halt immer noch am besten in der Union konserviert. Da ist auf die Jungs verlass.

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