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Wehrpflicht und der Zivildienst

Es ist schon ein recht lange Zeit her, als ich mich notgedrungen mit dem Thema beschäftigen musste, das gerade wieder durch unseren von und zu Minister Guttenberg auf die Tagesordnung gesetzt wird: die Bundeswehr und die Wehrpflicht. Guttenberg will die Wehrpflicht aussetzen lassen, also Wehrpflichtige gar nicht erst einzuziehen. Bei der Taz berichten Betroffene über ihre Musterungen.

Auch ich wurde irgendwann einmal gemustert und mit T3 für tauglich befunden. Ich war sogar bei der EVP - der Eignis- und Verwendungsprüfung in Hannover. Dummerweise war ich sogar bei Mathe und Physik zu gut und musste für einen erweiterten Test mit einer Handvoll anderer nachsitzen. Nichtsdestotrotz hab ich dann irgendwann den Kriegsdienst mit der Waffe aus Gewissensgründen (erfolgreich) verweigert.

So leistete ich dann meinen Zivildienst in der Caritas Sozialstation Georgsmarienhütte zu einer Zeit ab, als zwar der Zivildienst bereits weitgehend anerkannt war, aber dennoch der Großteil meines Abi-Jahrgangs aufgrund der kürzeren Dienstzeit den Wehrdienst wählten. Die Begründung für den längeren Zivildienst war damals, daß die Wehrdienstleistenden ja auch zu Reserveübungen eingezogen würden. Nur leider habe ich bisher von keinem meiner Bekannten gehört, daß sie zur Reserve eingezogen worden wären. Egal.

In der Zeit gab es übrigens ein T-Shirt mit dem Aufdruck "Ohne Zivi geht es nicht", da auch damals die Diskussion um Wehrpflicht angesagt war. Wer selber Zivi war, weiß, daß diese Aussage damals stimmte und auch heute noch sicherlich nichts an Wahrheit verloren hat. Insofern ist die Diskussion um die Abschaffung der Wehrpflicht auch immer eine Diskussion um eine Abschaffung des Zivildienstes und somit um die Kosten unseres Gesundheitssystems. Denn Zivis übernehmen vielerorts kleinere Aufgaben, für die die examinierten Pflegerinnen und Pfleger keine Zeit haben.

Im Grunde gab es schon immer eine Ungerechtigkeit zwischen Wehr- und Zivildienstleistenden. Zum einen war/ist da die längere Dienstzeit der Zivis, zum anderen werden ganz einfach viele Wehrdienstleistenden gar nicht mehr eingezogen, da die Bundeswehr immer weiter verkleinert wurde. Je mehr Aufgaben die Bundeswehr, die mal mit dem Slogan "Bürger in Uniform" warb, übernommen hat, desto kleiner wurde sie und desto weniger Wehrpflichtige wurden eingezogen. Wer also den Kriegsdienst mit der Waffe verweigerte, hatte eine unverhältnismäßig höhere Wahrscheinlichkeit, seinen Dienst antreten zu müssen, als derjenige, der dies nicht tat. Die Wehrgerechtigkeit ist also nicht immer gegeben.

Was ist also nun, wenn die Wehrpflicht - und somit der Zivildienst - ausgesetzt wird? Heute kam im Radio auf NDR 2, daß es ein Freiwilliges Soziales Jahr für alle offen stehen würde. Also auch für Frauen. Aber läßt sich der Bedarf mit Freiwilligen decken? Wohl kaum.
Ich wundere mich schon seit meiner Zivi-Zeit, warum man das ganze Brimborium mit Musterung und Verweigerung überhaupt noch veranstaltet? Warum nicht einfach alle 18jährigen Männer und Frauen zu einem Sozialen Jahr einziehen und einfach wählen lassen? Wer zum Bund will, kann dort gerne hingehen. Wer lieber etwas Soziales machen möchte, macht dann lieber Zivildienst. Man bräuchte dann keine Gewissensentscheidung begründen und die (Wehr-)Gerechtigkeit wäre auch gegeben.

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... und mich wundert das ganze Brimborium mit verweigern können etc. Einfach alle zum Bund einziehen und gut ist. Dienst an der Waffe hat noch keinem Pazifisten geschadet ;)

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