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Großbritannien: Das Pendel der Überwachung schwingt zurück

Bei Twitter und anderen Diensten gibt es häufig URLs, die über einen Verkürzungsdienst aus der langen Internetadresse eine weitaus kürzere macht. So kann man dann bei Twitter auch Adressen zuzüglich erklärenden Text posten, bei der häufig bereits die Adresse mehr als die zulässigen 140 Zeichen hat. Insofern sind solche Verkürzungsdienste bzw. URL-Shortener äußerst praktisch und auch sinnvoll.
Allerdings erkennt man beim Rüberfahren mit der Maus im Browser nicht, welches Ziel der Link hat. Das ist manchmal allein schon deswegen ärgerlich, weil man den dahinterstehenden Link bereits gelesen hat. Aber weil man ja nicht anhand der verkürzten URL sehen kann, daß das eigentliche Ziel z.B. bei Heise oder Spiegel Online liegt, klickt man halt erneut auf den Link. Nicht schlimm, aber ärgerlich. Schlimmer und mitunter eventuell auch datenschutzrechtlich fragwürdig, ist es, wenn eine verkürzte URL nicht zum eigentlichen Ziel führt, sondern erst zu Facebook. Als Beispiel sei hier exemplarisch ein Twitter-Beitrag von Jan Albrecht (MdEP, Grüne) genannt, aber das Problem kommt häufiger vor:

RT Jürgen #Habermas in der #Zeit Deutsche Politik hat #Europa-Vision verloren #eu10 #europapolitik http://bit.ly/bsjVyg

Jan Albrecht hat zwar nur einen anderen Twitter-Nutzer retweetet, also weiterverbreitet, aber der verkürzte Link führt trotzdem zu Facebook:

Screenshot Facebook Weiterleitung

Wie man sieht, kommt man von Twitter aus, wenn man dem bit.ly Link folgt, nicht zum angesprochenen Habermas-Artikel, sondern zu einer Landing Page bei Facebook. Von dort kann man dann allerdings zum Artikel von Habermas bei der Frankfurter Rundschau gelangen.

Was ist aber nun das Schlimme daran, wenn ein Verkürzungsdienst erst auf eine Seite bei Facebook (oder anderen Seiten) verweist?

In der letzten Zeit ist Facebook ja sowieso nicht durch herausragenden Datenschutz aufgefallen. Facebook sammelt, ähnlich wie Google mit Google Analytics, enorm viele Daten über seine Nutzer und aller der damit zusammenhängenden Kontakte. Da Facebook auch Cookies benutzt, können somit Profile nicht nur von den eigentlichen Facebook Nutzern angelegt werden, sondern auch von deren Kontakten. Facebook weiß also, wer den Twitter-Beitrag von Jan Albrecht gelesen und auf den Link geklickt hat. Aus der Vielzahl der Informationen kann Facebook dann auch Nutzerprofile von Nicht-Facebook-Mitgliedern erstellen und diese vermarkten. Da die Datenverarbeitung in den USA stattfindet, kann man hierbei auch nicht von den strengen Datenschutzvorschriften in Europa oder gar Deutschland ausgehen.
Und da man vorher nicht weiß, wo man landet, wenn man auf einen verkürzten Link klickt, kann man entweder generell davon abraten, auf solche Links zu klicken. Oder aber man sperrt die entsprechenden Anbieter wie Facebook oder Google Analytics gleich ganz aus. Eine dritte und ratsame Alternative ist es, Cookies von solchen Anbietern generell abzuweisen und nicht zu speichern.

Darüberhinaus ist es aber auch wünschenswert, wenn Nutzer bei Twitter oder anderen Diensten, direkt die Zieladresse verkürzen lassen und nicht erst eine Facebook-Adresse. Oder anders herum: am Verhalten des Schreibers kann man erkennen, ob ihm die Privatsphäre des Lesers am Herzen liegt oder nicht. Wer via Facebook verlinkt, dem scheint meine Privatsphäre offenbar egal zu sein.

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