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Freunde, soziale Netzwerke und persönliche Daten - wer mag da schon an etwas Böses oder Schlimmes denken wollen? Gerne vernetzen wir uns in Social Networks mit Freunden oder auch nur mit flüchtig bekannten Leuten, teilen Daten und setzen Fotos ins Netz. Und es macht ja auch Spaß, zu sehen, wer nun wen über wieviele Ecken kennt. Problematisch wird es aber dann, wenn ich gar nicht mehr selber entscheiden kann, wer meine Daten zu sehen bekommt.
So hat nun auch die wohl weltgrößte Online-Community Facebook letztens angekündigt, Profildaten seiner Nutzer an Dritte weitergeben zu wollen, um damit den Nutzern eine erweiterte "user experience" zu ermöglichen. Spiegel Online schreibt:
Es handele sich dabei um "überprüfte Web-Seiten und Anwendungen". Um Nutzern die Möglichkeit zu geben, "auch außerhalb von Facebook nützliche Erfahrungen im sozialen Bereich machen zu können", sei man "gelegentlich gezwungen, anderen überprüften Web-Seiten und Anwendungen, die sich auf die Facebook-Plattform stützen, allgemeine Daten über dich zur Verfügung zu stellen, wenn du diese besuchst (wenn du noch bei Facebook angemeldet bist)".
Weitergegeben werden können demnach unter anderem der eigene Name, das Geschlecht, Profilbilder oder der Computerstandort. Diese Datenübermittlung soll automatisch erfolgen; die Zustimmung der Facebook-Mitglieder wird nicht eingeholt, allerdings gibt es eine Opt-Out-Möglichkeit.
Natürlich ist es eine "coole" Sache, wenn ich mich auf einigen Seiten nicht extra registrieren muss, einen erweiterten Leistungsumfang und damit sogar eventuell gewisse Vorteile habe. Und viele Nutzer des Internets freuen sich bestimmt über die tollen Sachen, die man mit einer solchen Vernetzung bzw. Weitergabe der Daten anstellen kann. Das könnte vermutlich auch ein Grund dafür sein, warum auf Seiten der Netznutzer eher ein Schmunzeln durch die Reihen geht, wenn Verbraucherministerin (und Landwirtschaftsministerin) Ilse Aigner in der letzten Zeit nicht nur gegen Facebook und deren Gründer Mark Zuckerberg wettert, sondern auch gegen Google.
Es ist nicht das erste Mal, daß Facebook mit einer fragwürdigen Interpretation des Datenschutzes seiner Nutzer auffällt, um es mal so auszudrücken. Erst kürzlich hat Stiftung Warentest Facebook kein gutes Zeugnis in dieser Hinsicht ausgestellt. Und auch die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) kritisierten erst kürzlich Facebook massiv:
Der vzbv wirft dem weltgrößten Online-Netzwerk vor, wiederholt und wissentlich datenschutzrechtliche Bestimmungen zu missachten. Im vergangenen Sommer hatte der vzbv die Vertrags- und Datenschutzbestimmungen von Sozialen Netzwerken, darunter auch Facebook, abgemahnt. Alle Anbieter erklärten daraufhin, die beanstandeten Klauseln nicht mehr verwenden zu wollen. Doch an diese Erklärung hält sich Facebook nicht, wie eine aktuelle Überprüfung des vzbv ergab.
[...]
Stattdessen hat Facebook angekündigt, neue Datenschutzbestimmungen einführen zu wollen, die bereits öffentlich zugänglich sind. "Damit würde es nur noch schlimmer", kommentiert Falk Lüke, Referent im Projekt "Verbraucherrechte in der digitalen Welt" die Bestimmungen. Mit einer Zustimmung würden die Nutzer dem Unternehmen einen Freibrief für eine weitgehende Verwendung und Weitergabe von Daten einräumen. "Momentan können wir den Nutzern nur raten, den geplanten Änderungen zu widersprechen und sich gemeinsam mit ihren Freunden einen neuen Anbieter zu suchen, wenn ihnen der Schutz ihrer persönlichen Daten wichtig ist", sagt Gerd Billen und verweist auf den aktuellen Test der Stiftung Warentest.
Diesem Vorschlag der Verbraucherzentralen kann man sich eigentlich nur anschließen. Es mag sein, daß Aigner und die Politik vorübergehend Einfluß auf Facebooks Vorhaben nehmen können, aber Facebook hat in der Vergangenheit bereits gezeigt, daß sie es immer und immer wieder versuchen, aus den Daten der Nutzer Kapital schlagen zu wollen. Dies ist auch Facebooks gutes Recht als Unternehmen. Allerdings ist es auch unser gutes Recht als Verbraucher und Nutzer, die Konsequenzen daraus zu ziehen und Facebook zu meiden, wo immer es nur geht. Denn das ist das einzige Argument, das Facebook langfristig verstehen dürfte: ohne Nutzer auch keine Daten, mit denen sich Geld verdienen läßt.
Man sollte durchaus im Hinterkopf behalten, daß es sich bei Facebook um ein US-amerikanisches Unternehmen handelt und es somit nicht den gleichen Datenschutzbestimmungen unterworfen ist wie europäische oder gar deutsche Unternehmen. Facebook ist zwar dem Safe-Harbor Abkommen beigetreten, das ein der EU vergleichbares Datenschutzniveau in den USA gewährleisten soll, aber wie solche Vorhaben Facebooks zeigen, ist das Abkommen vermutlich nicht das Papier wert, auf dem es gedruckt wurde.
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