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FoeBuD e.V reicht Verfassungsbeschwerde gegen ELENA ein

Gestern lief auf Sat.1 ja der erste Teil von "Die Grenze". Es sollte ja ein kontroverser Fernsehfilm in zwei Teilen sein, aber wie Spiegel.de resümiert ging das wohl irgendwie daneben:

Aber "Die Grenze" ist nun mal ein Produzentenbaby; der Film stellt eine Organisationsleistung dar, die komplett einer brisanten Idee unterworfen ist. Die Dialoge der eigentlich grandiosen Autoren Christoph und Friedemann Fromm ("Die Wölfe") sind deshalb leider genauso austauschbar wie die Bürgerkriegsimpressionen, die der eigentlich ebenfalls hervorragende Regisseur Roland Suso Richter ("Mogadischu") mit ein paar Kohorten Komparsen und Pyrotechniker in Szene gesetzt hat. Look, Sound, Charaktere - hier ist nichts elegant, aber alles schreit umso lauter nach Aufmerksamkeit.

Das liegt nun mal in der Natur eines Debattenschockers. An tagesaktuell aufwühlenden Anspielungen ist "Die Grenze" dafür wirklich reich. Klasse in dieser Hinsicht, wie die Kanzlerin (Katja Riemann) sich dazu durchringt, den Kandidaten der Linken (Jürgen Heinrich) heimlich als ihren Mann aufzubauen. Der Rote darf in Rostock eine DDR en miniature errichten - und wird dabei vom Westen unterstützt. Die kapitalistische Pointe dieser sozialistischen Volte: Die Industrie der BRD jubiliert, weil man nun direkt ein Billiglohnland vor der Haustür hat, in dem für ein karges Einheitssalär die Drecksarbeit für den Westen erledigt wird. Da erübrigt sich die leidige Mindestlohndebatte.

Rostock als neues Rumänien, Deutschland als Entwicklungsland: Soviel böser Witz war selten in einem Eventmovie aus dem Hause Sat.1.

Das mit dem Mindestlohn kommt wohl erst heute im zweiten Teil. Aber daß der Film irgendwie hinter seinen Möglichkeiten zurück bleibt, konnte man schon gestern erkennen. Platitüden und Klischees überall. So als ob es in Rostock entweder nur rechte Nazis oder eben Altkommunisten, die die DDR herbeisehnen, gäbe. Wobei man sagen muss: ja, es gibt solche und solche in Rostock. Aber die große Mehrheit der Rostocker Bürger ist weder ultra-rechts noch ultra-links. Aber nun gut, der Film will ja kontrovers sein und das geht mit solchen Klischees ja normalerweise recht gut.

Allerdings sehe ich da durchaus die Gefahr, daß Rostock mal wieder als Hochburg der Rechten oder aber der DDR-wiederhaben-Woller stigmatisiert wird. Und es stellt sich die Frage, warum die Filmemacher ausgerechnet Rostock als Handlungsort gewählt haben und nicht eine fiktive Stadt in einem fiktiven Bundesland? Dies hätte die Stigmatisierung der realen Stadt vermieden, aber das Gedankenspiel, das in dem Film gemacht wird, dennoch ermöglicht. Zumindest wäre so auch die von Spiegel.de angeführte "kapitalistische Pointe dieser sozialistischen Volte" problemlos möglich und darstellbar gewesen. Spekuliert Sat.1 also eventuell nur auf einen Skandal, um damit ihre Zuschauerquoten in die Höhe zu treiben? Das ist ja für einen Fernsehsender ein durchaus legitimes Ziel, aber muss das deshalb gleich mit solchen platten Klischees sein?

Thomas Asendorf, FDP hat via Twitter zu dem Film auch nur folgenden Kommentar übrig:

[Asendorf] aus Rostock schaltet jetzt "Die Grenze" ab. Und dafür gab es m.E. mehr als € 220.000 Landesfördermittel...

Auch wenn ich dem Film nicht viel Positives abverlangen kann, ist es immerhin ein kleiner Trost, daß ein gewisser Teil dieser Förderung im Land geblieben ist, da der Film einige Originalschauplätze zeigt und somit zumindest die lokale Wirtschaft ein wenig von der Filmproduktion profitieren konnte. Aber ob das nicht ein Pyrrhussieg ist, weil durch den Film mal wieder Rostock und der Osten als Nazischwerpunkt dargestellt wird und Urlauber nun wieder aus Angst vor Übergriffen die Region meiden werden, muss die Zeit zeigen.
Auf jeden Fall war die Dokumentation nach dem Spielfilm deutlich sehenswerter als der Film selber.

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