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Weihnachtssongs - oder: Die Geschichte von der Graswurzel

Der eine oder andere dürfte es ja auch schon mitbekommen haben: In Großbritannien gibt es auch eine Veranstaltung wie hierzulande "Deutschland sucht den Superstar". Dort heißt die Show allerdings "The X Factor". Wie auch hier in Deutschland, hat auch dort der Gewinner der Show einen Abo-Platz in den Charts. Meistens allerdings eher dem Hype um die Show und den Marketingstrategen selbiger zu schulden als dem Können des Gewinners. So stellte die Show in Großbritannien auch in den letzten Jahren immer den Weihnachtshit. Nicht so dieses Jahr!

Dieses Jahr war nämlich Jon Morter aus Essex mal wieder so genervt davon, daß er per Twitter dazu aufrief, den Song "Killing in the name" von Rage Against The Machine downzuloaden, wie Jetzt.de von der Süddeutschen Zeitung berichtete. Und damit hat er nun sogar Erfolg gehabt: der Song ging auf Platz 1 der britischen Charts und verdrängte den Sieger der X Factor Show auf den unrühmlichen zweiten Platz. Nun ist "Killing in the name" nicht unbedingt ein Weihnachtslied, aber immerhin ein super Song, zu dem man prima abhotten kann. Das Schöne und vor allem Bemerkenswerte daran ist aber die Graswurzelbewegung, die über die Communitysites im Internet die Marketing-Maschinerie der Plattenfirmen geschlagen hat. Daran sieht man, welche Macht und Schlagkraft in den neuen Medien steckt. Und vor allem welches Potential! Berücksichtigt man dabei noch, wie sehr hierzulande die politischen Parteien an Substanz bzw. Mitglieder verlieren, dann eröffnet das in der Tat eine interessante Perspektive für die Zukunft. Anstatt fester Parteien wie in der Vergangenheit, wird die Willensbildung des Volkes eventuell schon bald über Communitysites geschehen. Alles was man dafür dann braucht, ist eine gute Idee und eine entsprechende Vernetzheit. Daß so etwas funktionieren kann, hat man in diesem Jahr auch schon bei Franziska Heine und ihrer ePetition gegen das Vorhaben von Stoppschildern im Internet gehabt. In kurzer Zeit kamen über 134000 Mitzeichner zusammen. Doch die Politik scheint weiterhin dieses Potential zu verschlafen oder gar zu ignorieren. Erreicht jedoch eine solche Graswurzelbewegung über Twitter oder andere Communities nicht nur die bereits Aktiven im Netz, sondern auch die gut 30% Nichtwähler, ergibt sich eine echte politische Macht, die ihre Willensbekundung nicht mehr über eine Wahl alle 4 Jahre äußert und einer Partei gibt, sondern die sich Adhoc-Mehrheiten sucht. Entweder kann sich die Politik langsam darauf einstellen und wäre z.B. an Stelle der SPD auch gut beraten, dies zu tun, oder aber die Politik manöveriert sich immer weiter ins gesellschaftliche Abseits und verliert den Kontakt zur Bevölkerung. Ich glaube, die Zeit von Parteiprogrammen und Parteien, die sie mehr oder weniger strikt durchzusetzen versuchen, ist vorbei und es wird sich eher in Richtung "Liquid Democracy" entwickeln müssen, damit man überhaupt noch von einer Demokratie sprechen kann. Denn wenn gut ein Drittel aller Wähler ihre Stimme nicht mehr abgibt, weil diese das Gefühl haben, nicht mehr von den Politikern vertreten zu werden, dann ist unsere Demokratie in echter Gefahr und beginnt, ihre Legimation zu verlieren. Es ist auf jeden Fall immer wieder interessant, welche Möglichkeiten das Internet heutzutage bietet. :-)

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