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Neue OZ: Zensur in Kunst und Medien - 8. Dezember

Bereits gestern hatte ich ja über die Serie in der Neuen OZ in der Ausgabe von Dienstag, d. 8. Dezember berichtet. Das war über Seite 24. Heute ist die Seite 23 dran, die ich gestern einfach übersehen bzw. überschlagen hatte. ;-)

Auf Seite 23 wurde über den Einfluß der Politik auf die Medien unter der Titelzeile "Jornalisten zum Abschuss frei - Der Fall Brender lässt grüßen: Nicolas Sarkozy ist wenig zimperlich" berichtet (Google Cache IPv6):

In Deutschland ist viel von einer „Berlusconisierung“ die Rede, seit Unionspolitiker im Verwaltungsrat des ZDF den Abgang des Chefredakteurs Nikolaus Brender durchgesetzt haben. Dabei wäre auch ein anderer Ausdruck nicht ganz falsch: „Sarkoisierung“. Denn auch in Frankreich nimmt die Politik zunehmend zensierenden Einfluss auf die Medien.
[...]
So war es 2006 der Fehler von Alain Genestar, einst Chefredakteur der Klatsch-Zeitschrift „Paris Match“, ein Foto von Sarkozys damaliger Gattin Cécilia am Arm eines anderen Mannes – ihres Liebhabers und späteren Ehemanns Richard Attias – auf die Titelseite zu heben. Nach einem erbosten Anruf des damaligen Innenministers Sarkozy bei seinem Freund, dem Rüstungs- und Medienunternehmer und „Paris Match“-Besitzer Arnaud Lagardère, war die Sache bereinigt – und Genestar gefeuert.

Der Fehler des populären Nachrichtensprechers Patrick Poivre d’Arvor des privaten Fernsehsenders TF1 bestand 2008 darin, den Staatschef beim G-8-Gipfel als „kleinen Jungen, der den Schulhof der Großen betritt“, zu bezeichnen und zu kritisieren, dass Sarkozy einen engen Freund zum Nachrichtenchef von TF1 befördert hatte. Da ein weiterer enger Freund des „kleinen Jungen“ der Baulöwe und TF1-Hauptaktionär Martin Bouygues ist, hatte Patrick Poivre d’Arvor bald seinen Posten zu räumen. Er war nicht mehr genehm.

Dies sind nur zwei Beispiele, die die Autorin Birgit Holzer in ihrem Artikel vorbringt. Wer die Diskussion um die Vertragsverlängerung von Nikolaus Brender als Chefredakteur des ZDFs mitbekommen hat, dem dürfte dies auf seltsame Art und Weise vertraut klingeln, auch wenn es nicht unbedingt direkt vergleichbar ist.
Holzer schildert in ihrem Artikel weiterhin, daß Sarkozy eigentlich gar nicht großartig auf die Hilfe von seinen einflußreichen Freunden aus der Wirtschaft angewiesen sei, seitdem er aufgrund eines neuen Gesetzes nun das Vorschlagsrecht für die öffentlichen Rundfunkanstalten besitzt.
Auch wenn der Einfluß Sarkozys nicht so direkt ist wie der Einfluß Berlusconis auf seine eigenen Medienfirmen in Italien, so ist der von Sarkozy sehr wohl vorhanden und kaum geringer. Aber es zeigt sehr wohl, welche Gefahr von einer solchen Einflußnahme ausgeht. Eine unabhängige Berichterstattung ist so jedenfalls nicht mehr gegeben. Insofern ist es durchaus berechtigt, als 35 Verfassungsrechtler im Vorfeld von der Aufsichtsratssitzung des ZDFs vor einer Einflußnahme der Politik auf den Posten des Chefredakteurs warnten.
Und ja, eine solche Einflußnahme ist zweifelslos eine Gefahr für die Demokratie - weltweit, und nicht nur in Italien oder Frankreich, sondern auch in Deutschland!

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Von Ingo Jürgensmann | Blog of Ingo Jürgensmann | – Nachdem ich vor ein paar Tagen bereits auf die neue Artikel-Serie in der Neuen OZ hingewiesen habe, nehme ich mir heute mal die Seite 24 aus der Ausgabe vom Dienstag, 8. Dezember 2009 ...

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