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Neusprech in der Politik

Seit geraumer Zeit bekommen wir neben allerlei gratis Pseudozeitungen, bei der der redaktionelle Inhalt eher zweitrangig ist, auch ein kleines Heftchen namens HRO-Live. Gedruckt auf hochwertigen Papier und in Farbe. Die Auflage beträgt laut Impressum 60.000 und wird vom k-Verlag GmbH bzw. von der k-werbeagentur in Rostock herausgegeben. Das merkt man auch, denn das Heftchen ist gefüllt mit *hüstel* redaktionellen Beiträgen z.B. über die Vorstellung eines neuen Sportwagens. Dort wird dann nicht nur ungeniert ein Werbetext für die Neuvorstellung des Sportwagens aus Zuffenhausen auf einer halben Seite ausgebreitet, sondern man dankt sich auch noch selber für die Ausrichtung des Events. Zitat:

Für die gelungene Planung und Durchführung der Veranstaltung sorgte die K-Werbeagentur (www.k-werbeagentur.de) aus Rostock, die dieses Event zu einem ganz besonderen Erlebnis werden ließ.

Den Rest der Seite nimmt dann übrigens passenderweise eine halbseitige Anzeige eben jener Werbeagentur, also des Herausgebers, ein. Die restlichen Seiten sind ähnlich "informativ" und ganz bestimmt genauso "neutral" und folgen einem offensichtlichen Muster: Im Artikel wird äußerst positiv berichtet und dicht dabei steht dann die Werbung des im Artikel geschilderten Unternehmens.

Nun ist Werbung an sich ja nichts verwerfliches, aber die Art und Weise wie dies in HRO-Live geschieht, finde ich dann doch etwas seltsam und unpassend. HRO-Live hat als Untertitel "Das Magazin für die Hansestadt Rostock und Umgebung"

HRO-Live vs. blick-punkt

Der Untertitel ist da sicherlich etwas irritierend, vielleicht irreführend. Mein persönlicher Eindruck von HRO-Live ist jedenfalls nicht der, daß es sich hier um ein Magazin mit redaktionellem Inhalten handelt, sondern um einen Werbeprospekt mit Werbetexten, die in Form von redaktionellen Inhalten daherkommen. Eine Kennzeichnung als Werbung fehlt dem "Magazin" jedoch, wobei ich aber auch nicht weiß, ob dies bei Drucksachen notwendig ist oder nicht.

Daß es im übrigen besser geht, zeigt der "blick-punkt" aus Georgsmarienhütte, meiner alten Heimat. Der blick-punkt ist zwar nicht auf Hochglanz- sondern Recyclingpapier gedruckt, aber inzwischen auch farbig, was lange Jahre nicht so war. Statt der mageren ca. 30 Seiten von HRO-Live umfaßt der blick-punkt gut 50 Seiten. Der blick-punkt erscheint 14tägig in einer Auflage von 16.000 Exemplaren. HRO-Live erscheint monatlich. Im blick-punkt findet sich zwar auch viel Werbung, aber auch sehr viel mehr echte Informationen, die den Bürger und Leser interessieren. Mitteilungen aus den Sportvereinen, aus dem Rathaus, Apotheken-Notdienste, auch Berichte von Ladenneueröffnungen oder -renovierung oder Berichte aus den Bereichen Kirche, Soziales, Verkehr und Bebauungspläne als auch Mitteilungen aus dem Standesamt, Kleinanzeigen oder Veranstaltungskalender. Ganz besonders interessant ist meiner Meinung nach immer die letzte Seite mit der Rubrik "So sieht es die Basis", wo eine aktuelle Frage von 5 Georgsmarienhütter Bürgern beantwortet wird. Diese erscheinen mit Bild, Namen, Beruf und Ortsteil und es ist jedesmal aufs Neue interessant zu schauen, wen man wohl davon kennen mag.

Insgesamt gesehen erscheint mir HRO-Live als völlig uninteressante Werbebeilage, die es sich noch nicht mal auf der Toilette durchzublättern lohnt, während der blick-punkt aus Georgsmarienhütte echt interessant ist, da man viel aus dem Ort erfährt, das ansonsten keinerlei Erwähnung im Regionalteil der großen Neuen Osnabrücker Zeitung finden würde.
Während ich auf HRO-Live und die ganzen anderen Werbezeitungen, die hier in Rostock einen immer den Briefkasten verstopfen, gut und gerne verzichten kann, schnappe ich mir den blick-punkt jedesmal, wenn ich in meiner alten Heimat bin.

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Von Ingo Jürgensmann | Blog of Ingo Jürgensmann | – Als ich heute den Artikel "Vorratsdatenspeicherung = Handwerksrechnungen?" bei Netzpolitik.org gelesen habe, blieb mein Auge beim Lesen beim letzten Satz hängen: Das Bil...

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