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Was die Union von Peto lernen kann

Schmuwi hat per Twitter auf einen Artikel von Wolfgang Koydl in der Sueddeutschen hingewiesen, der einen gewissen Irrsinn in Großbritannien dokumentiert:

Wer in England Kontakt mit Kindern hat, muss sich nun registrieren lassen. Die Regierung will so vor Pädophilen schützen, die Öffentlichkeit ist empört.

Lehrer natürlich und Kindergärtnerinnen, aber auch Gärtner und Köche, Krankenschwestern und Sporttrainer, Ärzte und Medizinstudenten, Putzfrauen, Bibliothekare und Chorleiter - sie alle müssen sich ab sofort bei einer neuen britischen Behörde registrieren und von ihr überprüfen lassen, wenn sie häufig Umgang mit Kindern haben.

Und als häufig definiert die Website der Independent Safeguarding Authority (ISA) bereits einen einmaligen Kontakt im Monat. Wer dreimal monatlich mit Kindern zu tun hat, die nicht die eigenen sind, steht in "intensivem" Kontakt.

Der Artikel führt weiterhin aus, daß von dieser "Maßnahme" rund 7 Mio. Briten betroffen seien, die ja nun quasi unter Generalverdacht stehen, irgendwie pädophil zu sein. Natürlich dient das ja "nur" dazu, die Kinder vor "richtigen" Pädophilen zu schützen, aber wieso muss man dafür bitte schön 7 Mio. Bürger registrieren und eine weitere Datenbank aufbauen, wo man doch gerade auf der Insel nicht dafür bekannt ist, daß die Daten besonders sicher sind?

Wer sich nicht registrieren läßt, muss zudem bis zu 5000 Pfund Strafe zahlen und macht sich darüber hinaus auch noch strafbar. Dabei arbeitet die entsprechende Behörde zudem auch noch außerhalb des Rechtsystems, also ohne Gerichtsurteil oder -beschluß Bürger kriminalisieren. So wundert es auch nicht, daß sich nun Widerstand und Proteste gegen dieses Vorhaben regt. Wenn sogar ehemalige Kriminalkommissare Unverständnis äußern, dann sollte das doch eigentlich den "Machern" zu denken geben:

Der mittlerweile pensionierte Kriminalkommissar Chris Stevenson, der die Soham-Ermittlungen leitete, sprach davon, dass die Gesellschaft "paranoid" geworden sei. Ihm selbst war kürzlich verboten worden, seinen neunjährigen Enkel bei einem Fußballspiel zu fotografieren. Bereits gemachte Aufnahmen musste er löschen. "Ich fühlte mich erniedrigt", erklärte er. "Ich werde jetzt verdächtigt, ein Kinderschänder zu sein, zusammen mit Millionen anderen Eltern und Großeltern."

Auf mich macht dieser Artikel irgendwie den Eindruck, als wenn in Großbritannien gerade etwas ähnliches abläuft wie Anfang des Jahres hierzulande beim Zugangserschwerungsgesetz: bisher nahmen es die Bürger hin, wenn der Staat, sagen wir mal so, seltsame Gesetze erlassen hat. Dann aber brachte ein Vorhaben das Faß zum Überlaufen, so daß eine große Anzahl von Bürger über das Vorhaben empört und sich ein entsprechender Widerstand formiert.
In Großbritannien ist der Fall sicherlich noch anders gelagert als hier bei Zensursulas Vorhaben. Dort bringt der Staat die Eltern direkt gegen sich auf, weil er sie unter Generalverdacht stellt und entsprechend kriminalisiert, während es hier unter dem Deckmantel des Schutzes vor Kinderpornografie im Internet/Web vordergründig nur um Pädophile im Netz ging.

Trotzdem muss man sich auch in Deutschland Sorgen machen, daß solcher Unsinn über den Weg der EU auch Eingang in die deutsche Gesetzgebung finden könnte. Insofern bleibt zu hoffen, daß sich auch in Großbritannien nun eine Bürgerrechtsbewegung entwickelt, die verstärkt Einfluß auf die Politik nimmt, solchen Irrsinn sein zu lassen. Außerdem wird es wohl Zeit, daß sich die einzelnen Bürgerrechtsorganisationen in den einzelnen Ländern vernetzen und zusammenarbeiten.

Einfach unglaublich. Ein bißchen Hoffnung hab ich ja doch noch, daß es wirklich nur ein verkappter April-Scherz ist...

UPDATE 15.10.09:
Auch die Amis sind bekanntlich irre geworden, was die "Sicherheit" angeht und wollten gerne mal einen 6jährigen für 45 Tage einbuchten, weil er ein Campingbesteck, das er von den Pfadpfindern bekommen hat, mit in die Schule genommen hat. Aber die Politiker setzen da noch eins drauf: Polizisten auf den Schulhöfen belegen fluchende Schüler mit 100 Dollar Strafe oder Rangeleien sind genauso wie Umarmungen verboten, weil es eine Kontaktsperre gibt. Die Schüler dürfen sich also nicht mehr einander berühren. Aber lest den Spiegel Artikel ruhig selber...

UPDATE 2:
Sven Döring von schriftrolle.de hat auch das Thema verbloggt. Auch empfehlenswert.

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