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Norwegen

Presseschau: Gäfgen, Steuer-ID und die norwegische Vernunft

Heute mal wieder eine Presseschau. Mit dabei sind der verurteilte Mörder Gäfgen, die Steuer-ID, die uns ein Leben lang und weit darüber hinaus begleitet und wie die Norweger nach dem Anschlag alles richtig machen. Los geht es mit dem Gäfgen-Urteil von gestern...

Magnus Gäfgen hatte vor dem Frankfurter Landgericht auf 10.000.- Euro Schmerzensgeld geklagt, weil ihm von Polizisten bei seiner Vernehmung damals Gewalt angedroht wurde, wenn er nicht das Versteckt des von ihm damals entführten Millionärssohns verrät. Dies nennt man Folter und zwei Polizisten wurden dafür auch verurteilt. Das Landgericht Frankfurt hat Gäfgen nun nur 3000.- Euro als Entschädigung wegen der Verletzung seiner Menschenwürde zugesprochen. Und kaum war das Urteil gesprochen, gab es auch empörte Reaktionen, wieso man so einem Menschen, der Kinder aus niederen Beweggründen ermordet, überhaupt Geld zahlt: 

Harsche Kritik kommt dagegen von der Opferhilfe-Organisation Weißer Ring. "Das ist ein Urteil, das die Bürger nicht verstehen können, auch nicht verstehen werden", sagte der Sprecher der Organisation, Helmut Rüster, dem Fernsehsender N24.

"Jemand, der sich auf Todesangst beruft wegen einer Androhung, der muss sich mal überlegen, was das Kind erlitten hat, das er letztlich dann dem Tode zugeführt hat", so Rüster. Das Urteil rühre "sehr stark an dem Rechtsempfinden der Menschen".

CDU-Politiker Wolfgang Bosbach sagte der "Bild"-Zeitung, das Urteil sei ein Schlag ins Gesicht der Eltern und Angehörigen des Opfers. "Dass hier ein Mörder eine Entschädigung bekommt, ist für mich völlig unverständlich", so Bosbach. Er bedauere die Entscheidung der Richter sehr.

Nun, auch Mörder haben unveräußerliche Menschenrechte und deswegen steht in Art. 1 GG: 

(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

Und genau dagegen hat der Staat in Form seiner Polizeibeamten damals verstoßen und genau deshalb bekommt Gäfgen völlig zu Recht eine Entschädigung aufgrund des erlittenen Verstoßes gegen die Menschenrechte. Das Urteil ist genau richtig, so wie es ist. Wäre es anders ausgefallen, hätte dies einen erneuten Verstoß gegen die Menschenrechte, das Grundgesetz und unserer freiheitlich, demokratischen Grundordnung bedeutet. Wir hätten als Staat unsere eigenen Werte verraten und uns gemein mit anderen Regimen wie in Syrien oder China gemacht, in denen Menschenrechte offenbar wenig gelten.

Das nächste Thema ist die Steuer-ID. Diese bekommt jedes neugeborene Kind nach der Geburt zugeteilt und ist darunter auch noch 20 Jahre nach dem Tod identifizierbar. Angeblich soll die Steuer-ID der Vereinfachung der Steuer dienen. Kritiker hielten die Einführung der Steuer-ID schon damals als Einführung einer allgemeinen Personenkennziffer, die das Bundesverfassungsgericht verboten hatte. Nun stellt sich heraus: die Kritiker scheinen Recht behalten zu haben, wie Heise schreibt: 

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar sieht vier Jahre nach der Einführung der einheitlichen Steueridentifikationsnummer seine Befürchtungen bestätigt, dass das personenbezogene Merkmal zunehmend Verwendung in den verschiedensten Lebensbereichen findet. Er habe mit Besorgnis festgestellt, dass der Einsatz der Steuer-ID "schleichend ausgeweitet" werde, erklärte der Datenschützer am heutigen Mittwoch. Nicht nur Finanzbehörden, sondern auch Banken, Versicherungen und Krankenkassen hätten mittlerweile die Steuer-ID in Betrieb genommen. Wer heute ein Konto eröffnen wolle oder Elterngeld beantrage, müsse dafür die Nummer angeben. "Damit droht die Steuer-ID durch die Hintertür zu einem allgemeinen Personenkennzeichen zu werden", moniert Schaar. Dies sei eine Entwicklung, die von den Verantwortlichen beim Beschluss der gesetzlichen Regeln für das Identifikationsmerkmal vehement bestritten worden sei.

Also weg damit! Ich hatte schon 2008 Einspruch bei der zuständigen Finanzbehörde in Köln eingelegt.

Und zum Schluß erstaunen mich die Norweger mal wieder in einem äußerst positiven Sinne. Nach den Anschlägen in Norwegen haben die deutschen Medien ja nichts besseres zu tun, als die Berichterstattung über den Täter lang und breit auszuweiten. Bei den Norwegern läuft das ein bißchen anders. wie die Taz berichtet. Die drehen nämlich einfach die Zeitungen und Magazin um, auf denen der Attentäter auf der Titelseite ist: 

"Wir wollen dieses Gesicht nicht mehr an unserem Arbeitsplatz sehen", erklärten sie auf einem Plakat: "Er soll vergessen sein und nicht auch noch exponiert werden." Und sie warfen den betreffenden Medien "ein perverses Bedürfnis" vor, Breiviks Bild zu drucken.

Die Aktion "Snur Tabloidaviser" – wendet die Tabloids – breitete sich seither bei immer mehr Ladenbesitzern aus. "Wir machen das aus Sympathie mit den Betroffenen", erklärte Mette Sønvisen, die Chefin des "Narvesen"-Kiosk in Alta, warum sie ihrer Kundschaft die Dienstag-Titelseiten von VG und Dagbladet nicht zumuten wollte und eben nur die jeweiligen Rückseiten mit dem Wetterbericht zu sehen waren.

Coole Aktion, liebe Norweger! Meine volle Hochachtung wegen des Umgangs mit dem Attentäter! Weiter so! (Übrigens: wer sich gefragt hat, warum ich nicht selber den Namen des Attentäters nenne... das hat ähnliche Gründe. Wenn er hier im Blog auftaucht, dann meistens innerhalb eines Zitats.)

UPDATE:
Michael Fengler, Journalist aus Rostock, schreibt in seinem Blog auch was zum Thema Gäfgen und den Medienberichten.

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Norwegen und die Grundrechte

Die Attentate in Norwegen sind schreckliche Taten, zweifelslos. Wer eine solche Tat vollbringt, muss vermutlich irgendwie weich in der Birne sein. Mal davon abgesehen, daß es überall durchgeknallte Idioten gibt. Demokratische Gesellschaften müssen mit diesem Risiko leben und es aushalten.

In der Printausgabe der Neuen Osnabrücker Zeitung gab es dieser Tage einen Leserkommentar. Dort hat sich eine Leserin verständlicherweise über diese Tat aufgeregt, aber am Ende ihres Leserbriefs über das Ziel hinaus geschossen. Dort vertrat sie nämlich die Auffasung, daß ein solcher Täter keinerlei Rechte mehr haben sollte.

Doch auch wenn der Attentäter noch so durchgeknallt und idiotisch sein sollte, hat er unveräußerliche Rechte: die Menschen- und Grundrechte. Die Grundrechte können in Deutschland nur aufgrund eines Gesetzes eingeschränkt werden. So kann natürlich ein verurteilter Verbrecher nicht mehr frei über seinen Aufenthaltsort bestimmen. Logisch. Trotzdem haben auch Verbrecher immer noch Rechte. Deshalb heißt der erste Artikel des Grundgesetzes:

„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“

Deshalb haben auch Insassen von Gefängnissen noch immer Rechte, die sich unmittelbar aus der Garantie der Menschenwürde ableiten. Wer nun also fordert, daß solche Menschen wie der Attentäter von Norwegen sämtliche Rechte verlieren sollte, mißachtet unser Grundgesetz und unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung. Oder kurzum: solche Forderungen sind ein absolutes No-Go und eigentlich genauso schlimm wie das Attentat in Norwegen.

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Presseschau: Google+, Norwegen-Massaker, VDS, PNR

Daß ich letztens im Urlaub war, heißt nun nicht, daß ich nichts von dem mitbekommen habe, was so in der Zwischenzeit passiert ist. Die Nachrichten und Neuigkeiten habe ich genauso interessiert verfolgt, wie ansonsten auch. Nur zum Schreiben bzw. Kommentieren fehlte mir während des Urlaubs die Zeit, so daß ich das nun etwas kompakter nachhole. Los geht es mit Google+.

Vor etwa einem Monat startete Google mit seiner Version eines Social Networks, Google+ genannt. Der Hype war natürlich groß und Google+ trat an, vieles besser zu machen als zum Beispiel Facebook. Besonders in Sachen Datenschutz. Die Stimmen im Netz waren äußerst positiv, wie zum Beispiel von Kristian. Allerdings hatte ich mich schon damals mißtrauisch über Google+ geäußert. Kurze Zeit später bekam ich dann auch ein Invite, musste aber schon sehr mit mir ringen, eh ich mir dann dort einen Account zugelegt hatte. Um es kurz zu machen: Ich halte Google+ für eine überbewertete, unübersichtliche Datensammelei und Anhäufung unterschiedlicher Dienste. Wer prokrastinieren will, wird dort sicherlich glücklich werden. Ich finde es eher abstoßend.

Kurze Zeit später kamen dann auch schon die ersten Berichte von Account-Löschungen und ähnlichen Stories. So hatte sich jemand zum Beispiel dort angemeldet, alle seine Daten zu Google transferiert und saß dann wie der Ochs vor'm Berge da, als ihm der Account gesperrt wurde. Auch Pseudonyme mag Google+ nicht. Auch der deutshce Blogger Christian Heller alias plomlompom hat da so seine Erfahrungen laut Taz gesammelt. Google verläßt mit seiner Klarnamen-Policy hier meiner Meinung nach sein Firmen-Mantra "Don't be evil". Die Verwendung von Pseudonymen ist in manchen Ländern lebensnotwendig. Man denke nur an die Revolutionen in Tunesien und Ägypten dieses Jahr. Unvorstellbar, wenn Twitter hier die selber Politik wie Google gefahren wäre. Deshalb hat der Taz-Artikel auch noch einen guten Rat am Ende: 

Sven Dietrich aber ist das nicht genug: "Google hat einen zu hohen Anspruch. Wenn mich ein Fehltritt, und sei es nur versehentlich, meine digitale Präsenz kostet, ist mir der Preis zu hoch." Stattdessen hat er sich bei Google+ jetzt ein paar Zweitaccounts zugelegt.

Noch besser ist allerdings, Google+ erst gar nicht zu benutzen. Diese Policy fahre ich im übrigen nun auch. Ich habe zwar einen Google+ Account, aber der liegt brach und wird nicht weiter gefüttert.

Der zweite große Themenkomplex ist natürlich das Attentat, Terrorangriff oder auch Massaker in Norwegen. Interessant dabei war, zu sehen, wie eilig es die deutschen Politiker und Medien hatten, einen Bezug zu Al Quaida und zum Islam herzustellen. Die deutschen Politiker, wie zum Beispiel der liebe Herr Uhl von der CSU, hatten teilweise nichts besseres zu tun, als nach einer Verschärfung der Sicherheitsgesetze zu schreien und gar die Vorratsdatenspeicherung zu fordern:

An diesem Tag würde man gern mal Hans-Peter Uhl sein. Fünf Minuten bloß, um zu verstehen, was dieser Mann – er ist innenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion – dachte, als er diese Sätze sagte: "Wir brauchen die Vorratsdatenspeicherung.... Nur wenn die Ermittler die Kommunikation bei der Planung von Anschlägen verfolgen können, können sie solche Taten vereiteln und Menschen schützen." Solche Taten: Damit meinte er die Attentate von Oslo und Utøya.

Dabei hätte die Vorratsdatenspeicherung rein gar nichts in Norwegen gebracht. Es war ein durchgeknallter Einzeltäter, der sich zudem zwecks Tarnung und Beschaffung einen Bauernhof zugelegt hatte, um die Mengen an Dünger unauffällig bestellen zu können und gar auch nicht davor Halt machte, unnützen Krempel zu bestellen, nur damit der Dünger nicht ganz so auffällig ist. Und überhaupt ist ja wieder mal nur das Internet schuld: 

Oder Joachim Herrmann, der Innenminister in Bayern. Der CSU-Mann will nun "diese Interneteinträge noch aufmerksamer verfolgen" lassen. Im Grunde genommen ist Herrmann noch ein wenig schlimmer als sein Parteifreund Uhl, nicht nur, weil er als Innenminister mehr Einfluss hat. Sondern vor allem, weil er sogar zugibt, dass das eine mit dem anderen nichts zu tun hat: Bei Einzeltätern komme man "mit der Beobachtung der Kommunikation nicht weiter", sagt er im selben Interview, in dem er die genauere Beobachtung des Internets fordert. Nach was will er dort eigentlich suchen? Nach islamophober Hetze, wie sie der Attentäter von sich gab? Ob er weiß, dass er recht schnell bei den Postings von Henryk M. Broder landen wird? Oder bei den Populisten von Pro Deutschland?

Die Norweger sind zwar auch schockiert und dort wird wohl auch über eine Verschärfung des Strafrechts debattiert, aber die Rede des norwegischen Ministerpräsidenten ist dennoch richtungsweisend: statt mehr Sicherheit, will er mehr Offenheit und mehr Demokratie. Genau die richtige Entscheidung! Findet auch Jan Philipp Albrecht.

Der Schlußsatz in der Zeit zum Thema Norwegen kann dann auch gleich zum nächsten Thema überleiten: 

Doch warum den gewohnten Pfad verlassen, der sich seit 9/11 als so bequem und eingängig erwiesen hat? Warum über etwas anderes nachdenken als bombende Muslime? Warum über menschenverachtenden Rechtspopulismus und seine Protagonisten (auch in Deutschland!) reden, wenn man mal wieder die Vorratsdatenspeicherung fordern kann? Dieses für Norwegen so grausame Wochenende hat einmal mehr gezeigt, wie reflexhaft und substanzlos in Deutschland oft debattiert wird.

In Deutschland ist es leider so, daß die Politiker meinen, man könnte mir mehr Sicherheit alles erschlagen und daß die Bürger nur eins wollen, nämlich Sicherheit. Und im Namen der Sicherheit kann man dann auch mal gleich sämtliche Grund- und Freiheitsrechte über Bord werfen. So zum Beispiel auch den Datenschutz beim Fliegen. Womit wir beim Thema PNR wären. Das Aktionsbündnis NoPNR hat auf seiner Webseite eine schöne Aktion gestartet: schick deinem EU-Abgeordneten eine Postkarte aus dem Urlaub! Unterstützenswert, wie ich finde!

Die Stuttgarter Zeitung hingegen berichtet von einem, der auszog, seine PNR-Daten zu erfahren. Und davon, daß niemand weiß, was mit den Daten geschieht:

Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 werten die US-Sicherheitsbehörden die Buchungsdaten von Flugpassagieren aus aller Welt aus - über die Buchungssysteme der Fluggesellschaften, deren Server sich auf amerikanischem Boden befinden. Seit Jahren versucht Edward Hasbrouck herauszufinden, welche Daten die Fluggesellschaften über ihn speichern und wie sie von den US-Behörden weiterverarbeitet werden.

[...]

Schon jetzt will Hasbrouck aus dem bisherigen Verfahrensverlauf erfahren haben, dass die US-Verhandlungsdelegationen die Europäische Kommission in einigen Punkten nicht richtig informiert haben. "Sie logen, als sie sagen, dass es keine Beschwerden gegen den Missbrauch der Flugdaten gebe", sagt Hasbrouck. "Sie logen, als sie behaupteten, dass Reisende auf Nachfrage ihre eigenen Flugdaten erhalten können. Sie logen, als sie behaupteten, dass jeder, der die Daten anforderte, sie auch erhielt. Sie logen, als sie behaupteten, dass die Flugdaten durch den Privacy Act geschützt seien, und sie logen, als sie behaupteten, dass der Zugriff auf die Flugdaten protokolliert würde."

Hasbrouck kritisiert an dem Vorgehen der US-Sicherheitsbehörden, dass sie "ohne richterliche Genehmigung, ohne Anfangsverdacht Daten von US-Bürgern sammeln und speichern, die keine Straftat begangen haben". Ein Sprecher des Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar erinnert an die vom Bundesverfassungsgericht verbotenen Vorratsdatenspeicherung: "Sie wurde zwar anlässlich der Vorratsspeicherung von Telekommunikationsdaten gefällt, wirkt sich aber auch auf Passagierdaten aus. Denn auch hier werden in aller Regel Daten von Bürgerinnen und Bürgern erfasst, die keiner Straftat verdächtig sind." Zudem habe das Bundesverfassungsgericht den Gesetzgeber gemahnt, die Gesamtheit der Datensammlungen nicht aus dem Blick zu verlieren. Es gehöre zur verfassungsrechtlichen Identität der Bundesrepublik Deutschland, dass Bürger einen Anspruch darauf haben, dass ihre Lebensgestaltung nicht völlig erfasst wird.

Was Hasbrouck da so erzählt, ist allein schon für sich genommen interessant. Im Zusammenhang mit dem EU-Parlament und dem Vorhaben der EU-Kommission aber ungleich interessanter. Denn das EU-Parlament befindet sich ja derzeit auch wieder im Streit um das PNR-Abkommen. Die Amerikaner saugen nämlich einfach so beliebig Daten entgegen der Zusagen ab. Damit wurde also auch das EU-Parlament belogen. Daß es mit dem geplanten EU-eigenen PNR-System besser für die EU-Bürger werden wird, kann man indes auch nicht erwarten.

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AIDAluna - Tag 6 – Honningsvåg am Nordkap, Norwegen

Eigentlich ist heute auch noch ein weiterer Seetag, denn wir sind heute erst ab 19 Uhr in Honningsvåg gewesen, um die Tour zum Nordkap zu machen. Vorher sind wir aber in Sicht- und Fotografierweite am Nordkap bei schönstem Sonnenschein vorbeigefahren. Nachdem wir in Honningsvag um ca. 19:45 angekommen waren, wurden alle in Busse verfrachtet. Die Fahrt zum Nordkap dauerte ca. eine halbe Stunde und führte an baum- und strauchlosen, aber umso felsigeren Hügeln vorbei. Oben auf dem Nordkap angekommen waren schon etliche Busse von anderen Schiffen vor Ort. Unter anderem war auch die MS Europa am Nordkap, lag aber nicht in Honningsvåg, sondern in einer kleinen Bucht zum Tendern.

Im Gegensatz zur Vorbeifahrt am Nachmittag war nun zwar am Nordkap selber wunderbarer Sonnenschein, aber über dem Wasser war eine dicke Nebelsuppe. Ab und zu zog eine dieser Seenebelschwaden über das Kap hinweg und bot somit ein besonders Naturschauspiel und interessante Fotomotive und Lichtstimmungen.

Durch den dichten Nebel verzögerte sich allerdings die Rückfahrt mit den Bussen, die etwas länger beim Pendelverkehr zwischen Nordkap und Hafen brauchten. Auf der Rückfahrt wurden wir aber damit entschädigt, daß der Lektor Jörg Trobitzsch mit im Bus saß und viel Interessantes über Land und Leute erzählte und so die Busfahrt trotz des dichten Nebels zu einem Erlebnis machte.Wer einen Vortrag über Norwegen von Jörg Trobitzsch besuchen kann, sollte das machen, da er vieles Interessantes aus seiner zweiten Heimat lebhaft zu berichten weiß.

Wir waren ca. 23 Uhr wieder am Schiff und es war natürlich noch taghell, da wir ja weit nördlich vom nördlichen Polarkreis waren. So fand die Show auf dem Sonnendeck dann auch noch bei Tageslicht um Mitternacht statt.

 

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AIDAluna - Tag 4 – Hellesylt & Geiranger, Norwegen

Heute begann der Tag ziemlich früh. Der Wecker klingelte erbarmungslos um 6 Uhr in der Früh. Um 7 Uhr war Frühstück angesagt und dann noch Klamotten packen und um 7:45 versammelte sich die Ausflugsgruppe zum Tendern: wir lagen inzwischen in Hellesylt auf Reede, um von dort zu unserer Tagestour über das Flogebirge zu wandern.

Zunächst mussten wir also in die Tenderboote steigen, um an Land zu kommen, denn Hellesylt hat wie Geiranger auch keine Pier. An Land angekommen, erwarteten uns auch schon ein paar Busse, mit denen wir dann zum ersten Fotostop gefahren wurden. Aufenthalt 5 Minuten. Also rut ussem Bus, hin zur Brücke und den Wasserfall von Hellesylt fotografiert und wieder rin in'n Bus. Weiter ging es irgendwohin zum Beginn des Wanderwegs über den Paß des Flo-Gebirges. Ungefähr 10 Kilometer sollte die Strecke sein und sie hatte es durchaus in sich! Naturgemäß ging es erst einmal bergauf. Nicht, daß das schon reichen würde, mussten wir auch noch darauf achten, nicht in eine der zahlreichen Kuhfladen zu treten. So waren unsere Augen dann auch eher auf den Boden vor unseren Füßen fixiert als auf die wirklich sehenswerte Landschaft.

War der Weg anfangs noch breit genug, um ihn mit einem Trecker zu teilen, wurde er bald schon immer schmaler und schmaler. Letztendlich ging es im Gänsemarsch hintereinander den Berg und die Schluchten hoch. Einmal mussten wir sogar über eine wohl frisch heruntergekomme Geröllawine steigen.

Das Wetter war übrigens typisch norwegisch: stark bewölkt bei ca. 14°C, aber die Tour an sich sorgte schon dafür, daß wir nicht trocken blieben, auch wenn man mal die paar Regentropfen kurz vor der Pause auf dem Paß außen vor läßt. Das muss so auf ca. 475m gewesen sein. Der Abstieg sollte dann bis auf ca. 200m herunterführen und war mit das anspruchsvollste an der ganzen Wanderung, da es auf unbefestigten und gerölligen Wegen recht steil bergab ging. Ich würde das Gefälle vielleicht auf 20% oder sogar etwas mehr schätzen. Am Endpunkt angelangt, mussten wir nur noch kurz auf einen unserer Busse warten, bis auch wir uns wieder hinsetzen und ausruhen konnten, denn die Wanderung und vor allem der Abstieg hatte es durchaus in sich.

Als nächstes ging es dann per Bus zum Jostedalsbreen-Nationalparkzentrum, wo eine kleine Essenspause und eine Filmvorführung über den nahen Gletscher eingeplant war. Zu essen gab es eine norwegische Spezialität: eine Art dicker Pfannkuchen oder Waffel mit Erdbeergelee und Sahne. Die 45 min für beides war dann auch schon recht knapp bemessen und wir fuhren darauf dann in Richtung Dalsnibba. Zwischendurch noch den einen oder anderen Fotostop. 5 Minuten Zeit. Also fix rut ussem Bus, alles mögliche fotoknippsen, wieder rin in'n Bus. Zumindest weiß ich jetzt, wie Japaner Europa in 5 Tagen erleben.

Aber allein schon die Fahrt zum bzw. auf den Dalsnibba war ein Erlebnis ersten Ranges! In ungezählten Spitzkehren ging es von der Talstation in 1000m Höhe rasch und spektakulär auf 1500m. Nicht nur, daß uns auf der Schotterstraße mitunter andere Busse entgegen kamen. Nein, wir haben auch andere tapfere AIDAluna Mitreisenden überholt, die offensichtlich eine Fahrradtour mit den AIDA Mountainbikes auf den Dalsnibba unternahmen.

Oben auf dem Aussichtspunkt angekommen bot sich jedenfalls ein grandioser Ausblick auf den Geiranger-Fjord, in dem neben der AIDAluna noch zwei weitere Kreuzfahrtschiffe lagen. Eins davon war die Costa Deliziosa. Auch wenn die Schiffe eigentlich mit über 240m Länge keineswegs klein sind, wirkten sie von 1500m aus betrachtet wie winzig kleine Spielzeugschiffchen. Leider war das Wetter diesig und verschlechterte sich zusehends. Wer aber das Glück haben sollte, auf dem Dalsnibba einen Sonnentag zu erwischen, wird sich vermutlich nicht mehr sattsehen können.

Für uns war aber mal wieder die Zeit abgelaufen und wir fuhren die spektakuläre Straße wieder hinunter und dann weiter in Richtung Geiranger über die Adlerkehren. Zwischendurch gab es mal wieder einen Fotostop. 5 Minuten Zeit. Also mal wieder fix rut ussem Bus... naja, das Übliche halt. Und schon ging es weiter zur letzten Station: den Tenderhafen von Geiranger. Wenig später waren wir dann wieder an Bord der AIDAluna und warteten auf die Abfahrt, die eigentlich um 18 Uhr geplant war. Bis dahin sichteten wir schonmal die Fotoausbeute des heutigen Tages. Als wir dann um 18 Uhr auf dem Sonnendeck waren, mussten wir noch fast eine Stunde auf die Abfahrt warten, da wohl die beiden anderen Schiffe aus irgendwelchen Gründen Vorrang hatten und an uns vorüber zogen. Da wir am Morgen vorher in Hellesylt abgestiegen waren, war die Fahrt durch den Geiranger-Fjord natürlich nochmal ein Erlebnis. Doch irgendwann treibt es auch den fleißigsten Ausflügler zur nächsten Nahrungsaufnahme. So klang der Abend dann im Marktrestaurant gemütlich aus, während die Deutsche Fußball Nationalmannschaft gegen Spanien im Halbfinale ausschied.

 

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