Die Piratenpartei und ihre Pressemitteilungen

Ich hab ja nun auch den Ankündigungsverteiler der Piraten abonniert. Dort gibt es manchmal Witziges zu lesen, was aber eher nicht der Grund für das Subscriben auf der Mailing Liste war. Heute kam jedenfalls mal wieder eine Ankündigung über die Liste, wo ich mich frage, ob die Piratenpartei auch überhaupt einmal 2 Minuten über das nachgedacht hat, was sie da schreibt. Es geht um den Ausspruch der bayerischen Innenministerin Merk, daß man Daten nicht stehen könne:

»Daten kann man nicht stehlen«, so die bayrische Justizministerin Beate Merk (CSU). Eine beeindruckende Aussage. Auch, weil sie ein völlig neues Licht auf die Diskussion um das Filesharing wirft. Denn auch hier handelt es sich nur um Daten, die nicht stehlbar sind. Führt man den Gedanken weiter, stellt man fest, dass es falsch ist, hier von Raubkopierern zu sprechen.

Die Piratenpartei Bayern freut sich, dass die bayerische CSU Regierung endlich unsere Argumente annimmt und sich zu eigen macht. »Frau Merk hat beachtlichen politischen Mut bewiesen, sich gegen die allgemein übliche Meinung der Rechte-Industrie zu stellen. Wir hoffen, dass sie tapfer weiter Segel in diese Richtung setzt und geben gerne Rückenwind«, meint Klaus Müller, Vorsitzender des Landesverbandes Bayern der Piraten.

Liebe Piraten und piratige Pressesprecher: zum einen kann man Daten sehr wohl stehlen, nämlich indem man sie kopiert und dann auf dem ursprünglichen Datenträger unwiderruflich löscht oder diesen gleich selber stiehlt. Zum anderen geht es bei den (Weh-)Klagen der Rechteindustrie nicht darum, daß jemand die Daten im ursprünglichen Sinne gestohlen hat, sie also der Rechteindustrie nun fehlen, sondern um Urheberrechts- und Lizenzfragen, die mißachtet werden.

Auch wenn die schlußendliche Forderung nach einer Reformation des Urheberrechts und dem verstärkten Einsatz von OpenData und anderen Werken grundsätzlich richtig und begrüßenswert ist, ist die Herleitung dieses Anspruchs und die Argumentation dafür, wie sie in der vorliegenden Presseerklärung geführt wird, nicht nur für die Katz', sondern auch peinlich, da sie eine entsprechende Unkenntnis der Piraten offenbart und sich die Piraten damit selber als ernsthafte Partei ad absurdum führen. Ein FAIL mal wieder.

Ingo Jürgensmann (not verified)

Das Problem ist nicht die Tatsache, dass ein Computer staendig irgendwas kopiert, sondern dass die Piratenpartei Aepfel mit Karotten vergleicht und darauf aufbauend dann ihre Argumentation.
Wenn es den Piraten um ihre Kulturflatrate geht, dann sollten sie es auch entsprechend sauber verargumentieren, aber doch nicht Argumente an den Haaren herbeiziehen, wo keine sind.

Mein Politikblog (not verified)

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ZeroCool (not verified)

Lieber Herr Jürgensmann. Aus technischer Sicht ist die Presseveröffentlichung der Piratenpartei doch durchaus nachvollziehbar. Das Argument ist dass im Bereich der Software keine einzige Anwendung und kein einziger Datensatz dargestellt werden kann ohne zumindest eine Kopie desselben zu erzeugen.

Klar ist es etwas haarspalterisch und sehr weit hergenommen, aber im technischen Sinne ist es durchaus argumentierbar.

Sie können selbst aus den Daten Ihrer eigenen Festplatte nur dann etwas anzeigen, wenn diese zuvor in einen Bereich des Arbeitsspeichers kopiert werden. Genau genommen werden Sie von dort nochmals durch bestimmte Prozessoren, Grafikspeicher und andere Cachespeicher geschleust, bis diese dann auf den Bildschirm durch LEDs oder Magnetablenkung kopiert werden. Eine mehrfache Kopie also bis das Bild der Daten letztlich auf Ihre Augen trifft.

Letztlich geht es den guten Piraten nur um Ihre langersehnte Kulturflatrate. Ich denke jedoch, dass es wohl mehr und viel wichtigere Probleme gibt auf die man sich aktuell konzentrieren sollte, sonst können wir bald nur noch chinesische Musik und indische Filme "kopieren".

Womblog (not verified)

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