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April 2017

Informationsveranstaltung zur Bebauung eines LSG in Diedrichshagen

Gestern abend fand im Kurhaus in Warnemünde eine Informationsveranstaltung zur Umwidmung eines Landschaftsschutzgebietes (LSG) zu Bauland in Dietrichshagen statt. Die Begründung der Stadtvertreter zur Umwidmung war durchgängig, daß Rostock Wohnraum braucht und diese Fläche eine der wenigen Flächen im Stadtgebiet Rostock sei, die geeignet wären.

Das sahen und sehen viele Rostocker Bürgerinnen und Bürger etwas anders und haben z.B. auch eine Bürgerinitiative gegründet und sammeln Unterschriften zur Zulassung eines Bürgerbegehrens gegen dieses Vorhaben. Erst das Vorhandensein der Bürgerinitiative Landschaftsschutzgebiet Rostock hat den Einführungsworten des Moderators dazu geführt, daß es diese Informations- und Diskussionsveranstaltung gestern im Kurhaus gab.

Bei dem Gebiet geht es um eine Fläche zwischen Golfplatz im Süden, Solarkraftanlage im Norden und bestehender Bebauung in Diedrichshagen im Osten. Im folgenden Foto ist diese Fläche als "2" gekennzeichnet (links neben der rot-markierten Fläche):

Die Bürgerinnen und Bürger waren sehr gut vorbereitet und argumentierten durchaus stichhaltig und nachvollziehbar. Immerhin haben die Bürger in Warnemünde diese Art der Diskussion in den letzten Jahren ja auch schon häufig bei Bauvorhaben zum Dünenquartier, Mittelmole und Molenfeuer üben müssen.

Die Vertreter der Stadt (Finanzsenator Dr. Müller, Bauamtsvertreter Müller und die Leiterin des Grünflächenamts) bemühten sich zwar redlich darzulegen, warum sie diese Fläche als Bebauungsfläche der Rostocker Bürgerschaft zur Entscheidung vorlegen wollen und lieferten auch etliche Zahlen zum Rostock Bevölkerungswachstum, aber so richtig verfangen wollte diese Argumentation bei den Anwesenden nicht. In der anschliessenden Diskussion nach dem Eingangsvortrag wurden sogleich dann auch diese Punkte nach und nach auseinander genommen. So wurden von einzelnen Anwesenden die hohen Zuzugszahlen mit der Begründung in Frage gestellt, daß dies eine sehr einseitige Argumentation sei und man auch den Wegzug genauer bewerten müsse.

Zudem wurden auch berechtigte Fragen nach dem Investor für diese Fläche gestellt und ob die Stadt da nicht andere Flächen nutzen kann, die in ihrem eigenen Eigentum befindlich sind, so daß die Stadt einerseits besser kontrollieren kann, wer dort baut und hinzieht, und zum anderen auch noch monetären Nutzen durch den Verkauf der Flächen hat. Denn die durchaus berechtigte und leidgeprüfte Sorge der Diedrichshägener und Warnemünder ist es, daß es sich bei dem Bauvorhaben zum ostseenahen Wohnen wohl primär um Immobilienobjekte für Auswärtige, etwa aus Hamburg oder Berlin, handeln dürfte, die keinen positiven Effekt für das Gemeindeleben in Diedrichshagen und Warnemünde bringen, sondern lediglich im Sommer als Ferienwohnungen genutzt werden würden. Das heißt die Rostock Bürger, die eine Wohnung suchen, werden sich diese Objekte nicht leisten können und somit bringt dieses Bauvorhaben auch nichts für den angespannten Rostocker Wohnungsmarkt.

Auch andere Argumentationsversuche der Stadtvertreter verfangen nicht so recht: Man brauche das Neubaugebiet dort, weil ansonsten Leute in das Umland abwandern, aber trotzdem Infrastrukturen der Stadt benutzen würden. Zum Beispiel Straßen, Kindergärten, Theater, Einkaufsmöglichkeiten. Schaut man sich aber die Lage des fraglichen Gebiets an, dann stellt man fest, daß das eigentlich schon eine äußerte Randlage ist. Das heißt, der tägliche Berufsverkehr durch Pendler ist faktisch genauso groß als wenn der Landkreis Rostock ein paar Hundert Meter weiter selber ein Baugebiet erschließen wollen würde. Und die Argumentation, daß man seine kleinen Kinder auf dem Weg zur Arbeit in der Kita oder dem Kindergarten abgeben möchte, ist auch nicht nachvollziehbar. Das würde ich doch lieber wohnortnah machen, als mit kleinen Kindern ständig durch den morgendlichen Berufsverkehr fahren zu müssen. Also wenn ich im Umland wohne, dann suche ich mir nach Möglichkeit doch dort eine Unterbringung fürs Kind und nicht am anderen Ende der Stadt.

Natürlich hat auch Finanzsenator Müller Recht, daß ein guter Teil des Widerstands auf dem St. Florian Prinzip gründet: niemand will ein Neubaugebiet in seiner Nähe haben. Andererseits sprach Dr. Alexander Prechtel als Vorsitzender des Ortsbeirats wohl den meistens aus der Seele, als er das Vorhaben kritisierte: die geplanten 140 Wohneinheiten sind gemäß der Angaben der Stadtvertreter in etwa der Bedarf eines Jahres. Was ist aber dann im nächsten Jahr? Auch wenn dieses Jahr die Stadtvertreter von anderen möglichen Flächen sagen, daß diese nicht in Frage kommen, wäre die Umwidmung dieses LSG in Bauland ein Dammbruch und es stehe zu erwarten, daß dann auch andere Flächen umgewidmet würden, damit noch mehr ostseenahres Wohnen ermöglicht werden kann.

Für diese Kritik von Prechtel gab es von den Anwesenden lang anhaltenden Beifall. Nicht ohne Grund: bereits in der Vergangenheit hat die Stadt mit ihren Bauvorhaben Dünenquartier, Mittelmole und Molenfeuer gezeigt, daß sie Zusagen nicht einhält. In der Vergangenheit war bei diesen Vorhaben z.B. kritisiert worden, daß die dargestellten Pläne keine ortsübliche Bebauung zeigen würde. Die Stadt erwiderte damals darauf, daß das ja nur vorübergehende Pläne wären und man dann ja entsprechende Auflagen erlassen könne, damit eben nicht große weiße und eckige Bauklötze die so sehr von Touristen geschätzte Idylle eines kleinen Fischerdorfes zerstören. Wie sich jeder z.B. anhand des Dünenquartiers in unmittelbarer Nähe der Jugendherberge überzeugen kann, ist es dann doch so gekommen, wie es damals lediglich "als Illustration" zu sehen war: häßliche eckige Bauten.

Warum also sollten die Bürgerinnen und Bürger von Diedrichshagen und Warnemünde nun irgendwelchen Zusagen der Stadtvertreter Glauben schenken, wenn diese über ein Projekt eines privaten Investors sprechen, über das sie nach der Umwidmung weder als Stadtverwaltung noch als Bürgerschaft irgendeine Kontrolle haben werden? Zudem führte Prechtl aus, daß Warnemünde in den letzten Jahren bereits seinen Beitrag zur Vergrößerung des Wohnangebots geleistet und ca. 10% mehr Wohnraum geschaffen hat. Rechne man dies auf Rostock selber um, müßte die Stadt 20.000 Wohneinheiten schaffen.

Insgesamt war es interessante Veranstaltung, bei der die Stadtvertreter keine gute Figur abgeliefert haben und nicht überzeugen konnten. Insbesondere Finanzsenator Müller schien häufiger durch lautstarke Aggressivität in seiner Stimme als durch Ruhe und gute Argumente überzeugen zu wollen. Zudem beantwortete er viele Fragen gar nicht, sondern schweifte in Allgemeinplätze ab.

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