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June 2010

Bundespräsident Wulff - Staatsoberhaupt 3. Klasse

Nach einem stundenlangem Wahlkrimi hat es der Kandidat der Regierungskoalition nun doch geschafft Somit ist Christian Wulff nun der Nachfolger Horst Köhlers im Amt des Bundespräsidenten - durch die Enthaltung der Linken im dritten Wahlgang.

Wie bereits mehrfach angedeutet, bin ich mit diesem Ergebnis nicht zufrieden, da Wulff für mich nicht der Bundespräsident der Deutschen ist, sondern der Erfüllungsgehilfe der Regierung Merkel. Das ist schade und des Amtes des Bundespräsidenten unwürdig. Wulff wird sicherlich die gesamte Dauer seiner Amtszeit mit diesem Makel behaftet sein. Vergleicht man das zum Beispiel mit dem Ansehen, das Richard von Weizsäcker als Bundespräsident hatte, dann liegen Welten dazwischen.

Aber auch für die Koalitionsparteien ist das bei weitem kein erstklassiges Ergebnis, sondern im Gegenteil: die Linke hat durch ihre Herumhampelei wesentlich dazu beigetragen, daß Wulff nun Bundespräsident ist. Mit ihren Enthaltungen im dritten Wahlgang haben sie faktisch den Kandidaten der Regierung gewählt. Auch wenn ich die Unabhängigkeit der Wahlmänner und -frauen unbedingt vertrete, finde ich dies etwas befremdlich, da die Linke als Oppositionspartei eher so einzuschätzen sein sollte, daß sie nicht unbedingt die Regierungspartei stärkt. Insbesondere dann, wenn Regierung und Oppositionspartei diametral im Parteienspektrum gegenüber stehen.

Darüberhinaus hat die Linke mit ihrer Animosität gegen Gauck gezeigt, daß sie immer noch die Nachfolgepartei der SED ist. Der Linken dürfte unter diesem Gesichtspunkt schwerfallen, in den nächsten Jahren politisch ernst genommen zu werden.

Trotz allem: Herzlichen Glückwunsch an den zukünftigen Bundespräsidenten Wulff, von Osnabrücker an Osnabrücker. Aber: #notmypresident.

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Gesucht: URL-Rewrite für Drupal

Vor kurzem bin ich ja von Serendipity auf Drupal umgestiegen. Dadurch haben sich natürlich auch meine RSS-Feeds geändert. Durch die Ankündigung im Blog hatte ich zwar gehofft, daß die meisten Subscriber von sich aus auf die neuen Feeds umsteigen, aber so wie es ausschaut, gibt es immer noch einige, die den alten Feed suscribed haben. Also muss ich mir nun etwas mit mod_rewrite basteln. Der alte Feed hatte die folgende URL: 

http://bluespice.dyndns.org/index.php?/feeds/index.rss2

Die neue Feed-URL ist hingegen: 

http://blog.windfluechter.net/blog/feed

bzw.

http://blog.windfluechter.net/index.php?q=/blog/feed

Drupal benutzt also bereits selber Rewrites, um von der langen URL in die kurze Form (ohne "index.php?q=") zu kommen. Ich habe es dann mal mit folgender Konfiguration im Apache versucht: 

RewriteEngine on
RewriteCond %{QUERY_STRING} &?/feeds/index\.rss2
RewriteRule ^index\.php\?/feeds/index\.rss2$ http://blog.windfluechter.net/blog/feed [L,PT,R=301]

Das funktioniert nur leider nicht. Laut Apache Doku muss die RewriteCond auf den Query String sein. Anstatt aber den Query-String umzuschreiben, will ich ja nur auf eine andere URL weiterleiten.

Hat jemand einen Tipp für ein Rewrite, das auch noch funktioniert?

UPDATE 23.10.2010:
Eigentlich war es nun doch ganz einfach. Folgende Zeilen scheinen nun wohl zu funktionieren: 

RewriteCond %{QUERY_STRING} /feeds/index\.rss2
RewriteRule ^/ /blog/feed? [R]
 

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Getting hit by a spammer with Exim

Yesterday I was warned by Nagios that something is going on with my server. The number of processes has been gone beyond the limit. The reason for this were a bunch of Exim processes trying to deliver a lot of mails. Apparently a spammer made it happen to send spams via my server. How could this happen?

I was seeing a lot of those log entries: 

2010-06-28 16:29:25 1OTFKt-0004cZ-1R <= vsvc@euhu.com H=(qknlvj.com) [58.212.194.230] P=esmtpa A=cram_md5:inna S=1455 id=0ec5ff00b06c43369e2582fc4269839e@e12c17c51ec546bf9e7a23e6f9875941
2010-06-28 16:29:27 1OTFKw-0004cZ-KZ <= ebms@ylmdbm.com H=(qknlvj.com) [58.212.194.230] P=esmtpa A=cram_md5:inna S=1520 id=58913c34bde64e908310db7e1280eff5@2dc8ed5998b64e8485c472cae5ef98c3
2010-06-28 16:29:28 1OTFKy-0004cZ-1p <= wiyscy@hegyogz.com H=(qknlvj.com) [58.212.194.230] P=esmtpa A=cram_md5:inna S=1436 id=814a7bdcbe85447a9283d4a0a074830b@0ada3cde4a4c41c38c65bc912639afb6

Apparently the spammer has successfully found a way to bypass the authenticators in Exim. By default only authenticated users can send mails via my mailserver, of course. But this spammer found a way around that problem. A user "inna" is not known, so the spammer shouldn't be able to send mails at all. But he can. Something is broken apparently.

The spammer sent an empty password ('') and the database didn't find an user by this name and returned an empty resultset (''). Both sides of the comparison matches and the mail is allowed in. Let's have a look at my Exim config: 

cram_md5:
  server_debug_print = "running smtp auth $1 $2"
  driver = cram_md5
  public_name = CRAM-MD5
  server_secret = ${lookup pgsql{select clear from passwd where passwd.usr='$1' limit 1}{$value}}
  server_set_id = $1

On #exim@freenode there was just another user with the very same problem with exactly the same spammer. Apparently the lookup is true for empty passwords or users. The solution is to add a "fail" in the lookup statement: 

server_secret = ${lookup pgsql{select clear from passwd where passwd.usr='$1' limit 1}{$value}fail}

That's pretty all to do to prevent the spamming. But how could this happen at all? Back then when I was configuring my mailserver (around 2003 or so) I can remember that I tried a "fail" statement in the server_secret as it is described in the Exim documentation, but it didn't work as expected. So I ended up with no "fail". This worked fairly well over the years and I remember that I tested this lookup by trying to send with user/password combinations of all different sorts. So it went into "production".

Apparently it doesn't work anymore today. The other guy on the #exim channel said that he found no database lookup example with "fail" at all. Even the example in one of his books was without "fail". So I believe that something changed either in Exim or in PostgreSQL to make submitting an empty password string a positive match for bypassing authentication nowadays.

For the records: the spammer send approx. >10.000 mails. Another bunch of 8000 mails were rejected, but this is just slightly over the daily average.

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Neue Beiträge twittern mit Drupal

Heute morgen hab ich noch kurz auf die Schnelle bei Twitter einen zweiten Account eingerichtet, um dort neue Blogbeiträge posten zu können, ohne meine bisherigen Follower mit unnötigen Updates zu belästigen. Das Drupal Module "twitter" bietet dazu die einfache Möglichkeit, über einen Site-Account Twitter-Updates bei neuen Artikeln zu machen. Man muss einfach bei den Einstellungen zum Twitter Modul einen Account und ein Passwort angeben, konfigurieren bei welchen Content Types ein Twitter Update generiert werden soll und den Inhalt des Updates definieren. Kurz noch die Einstellungen gespeichert und schon geht's los. Dachte ich. Aber Pustekuchen!

Wenn ich Updates des Artikels bei Twitter posten wollte, kam immer ein "401 Unauthorized" als Fehlermeldung zurück. Username und Passwort stimmten natürlich und das Updaten über die Twitter Webseite und über Echofon funktionierte auch tadellos.

Nach langem und erfolglosen Suchens und Ausprobierens hab ich dann mal per pgadmin3 einen Blick auf die Datenbank riskiert. Dort offenbarte sich dann, daß es nur einen gespeicherten Twitter Account in der DB gab. Nämlich den für die Twitter Updates meines eigentlichen Users, um im Block in der Sidebar meine letzten Updates darzustellen. Von den Account-Informationen für die Webseite war weit und breit nichts zu sehen. Des Rätsels Lösung war dann, einen zweiten (Dummy-)User einzurichten und dort den Twitter-Account. Diesen kann man dann für die Site-Updates verwenden und schon funktionieren die Updates bei neuen Beiträgen im Blog.

Ich weiß nicht, ob das so vom Autor des Moduls beabsichtigt ist, aber besonders intuitiv erscheint mir diese Vorgehensweise nun auch irgendwie nicht. Naja, nun funktioniert es ja.

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Blogposts bei Twitter

Wer sich gerne bei Twitter informiert, hat nun die Möglichkeit, sich auch über neue Blog-Artikel dort informieren zu lassen, indem er einfach folgt.

 

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Morgen ist Wahl des Bundespräsidenten

Die Bundesversammlung kommt morgen zusammen, um einen neuen Bundespräsidenten zu wählen. Der vorherige Amtsinhaber Horst Köhler war nach Kritik um Aussagen zum Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan ja zurückgetreten. Offiziell, weil er das als unangemessene Kritik am Amt selber empfand, die nicht eines Bundespräsidenten würdig seien.

Was aber die Politiker dann danach ablieferten, war eigentlich noch unwürdiger, denn sie schicken mit Christian Wulff einen treuen "Parteisoldaten" ins Rennen. Das macht ihn in meinen Augen zu einer Marionette der Kanzlerin bzw. der Regierung. Und genau das soll und darf ein Bundespräsident eben nicht sein. Empfehlenswert ist im übrigen das Titelbild des neuen Spiegel, auf dem ein Auszug aus dem Wahlgesetz zum Bundespräsidenten zitiert wird. Und zwar §7 des Gesetzes über die Wahl des Bundespräsidenten durch die Bundesversammlung:

Die Mitglieder sind an Aufträge und Weisungen nicht gebunden.

Dies ist ein wichtiger Satz, da wohl viele Abgeordneten und Wahlmänner in der Bundesversammlung wohl aufgrund des Koalitionsfrieden und der Fraktionsdisziplin den Kandidaten wählen werden, der ihnen von ihrer Partei vorgegeben wird. Im Falle der CDU/CSU und FDP also Christian Wulff. Heute wäre also noch einmal ein Tag und eine Möglichkeit, daß jeder seinen Abgeordneten darauf hinweist, daß die Mitglieder des Bundestages und somit der Bundesversammlung Vertreter des Volkes und nur ihrem eigenen Gewissen bei der Ausübung ihres Amtes unterworfen sind - und nicht dem Wunsch der Partei. Deshalb ist auch der Ruf nach einer Direktwahl des Bundespräsidenten durchaus berechtigt, um eben solchem Parteidünkel einen Riegel vorzuschieben.

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EU & USA unterzeichnen SWIFT-Abkommen

Heute gab es mal wieder den Beweis, daß die EU-Kommission sich nicht um Sorgen und Wünsche der EU-Bürger vertritt. Gestern erklärten sich die Regierungen der EU-Staaten mit dem SWIFT-Abkommen einverstanden, heute wurde es von der spanischen EU-Ratspräsidentschaft unterzeichnet, wie TAZ.de schreibt

Gestern Vormittag hatten sich die 27 EU-Regierungen mit dem Verhandlungsergebnis einverstanden erklärt. Am Mittag wurde der Vertrag von Rubalcaba, Malmström und einem Vertreter der US-Botschaft in Brüssel unterzeichnet.

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Für die Spanier, die bis Ende Juni den Vorsitz in den Fachministerräten führen, kommt die Unterschrift gerade noch rechtzeitig, um sie als Erfolg ihrer Ratspräsidentschaft verbuchen zu können.

[...]

Laut neuem Lissabon-Vertrag muss nun noch das EU-Parlament zustimmen. Die Abstimmung soll kommenden Mittwoch in Straßburg stattfinden. Im Februar hatte eine Mehrheit der Abgeordneten gegen den Swift-Vertrag gestimmt und Nachbesserungen verlangt.

Das EU-Parlament - und damit die direkt von den EU-Bürgern gewählten Volksvertreter - muss nun noch dem neuen Abkommen zustimmen. Leider sieht es aber so aus, als wenn die starke Front gegen das SWIFT-Abkommen aus dem Februar bröckelt und die Konservativen, Sozialisten und Liberalen nun dem Abkommen zustimmen werden. Auch wenn sie teilweise enorme Bedenken dabei haben. Lediglich die Linken und die Grünen werden standhaft bleiben. Der Hammer in dem Artikel ist übrigens am Schluß zu finden: 

Die Erfahrung mit gemeinsamen Datenbanken wie dem Schengen-Informationssystem zeigt, dass die 27 EU-Staaten meist nicht an einem Strang ziehen. Das sieht auch Sophia in t Veld so. "Die meisten Bürger meinen, das sei eine Auseinandersetzung zwischen den USA und Europa - das stimmt aber nicht. Die Software gibt es, wir könnten die Daten selbst filtern. Aber außer Belgien und Deutschland hat doch gar kein Land Probleme damit, dass die Amerikaner das für uns machen."

Was, bitte schön, ist denn das für ein Argument? Nur weil die Europäer nicht einer Meinung sind, muss man gleich die Daten aller an die Amerikaner verraten? Wozu brauchen wir denn dann überhaupt noch Europa oder eigene Regierungen? Davon abgesehen bezweifle ich, daß niemand sonst in den anderen EU-Ländern diesen Datenaustausch bemängelt. Vielmehr vermute ich, daß die Bevölkerungen in den anderen Ländern nicht über die Tragweite dieses Vorhabens aufgeklärt wurden. Oder eben darüber, daß durch die Datenübertragung beim besten Willen kein einziger Terroranschlag verhindert werden wird. Stattdessen gibt man die Wirtschaftsbeziehungen der EU-Bürger den Amerikanern preis.

Wer sich nun wundert, was unsere Regierung zu dem Vorhaben sagt, der muss nicht großartig woanders suchen, sondern findet die Antwort auch bei der TAZ

So lautlos kann die schwarz-gelbe Koalition regieren. Zwar steht in Brüssel der Beschluss des Swift-Abkommens mit den USA unmittelbar bevor. Doch anders als beim ersten Versuch im November 2009 gibt es diesmal in der Bundesregierung keinerlei Auseinandersetzungen, nicht einmal hörbare Diskussionen. Innenminister Thomas de Maizière (CDU) und Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) tun diesmal so, als ginge sie das alles gar nichts an. Die Justizministerin hat jede Kritik eingestellt.

Die Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger kuscht offensichtlich vor dem Koalitionsfrieden. Daß dies ein fatales Signal für den Wähler ist, zeigt wohl die steitig sinkende Zustimmung der Wähler zur FDP, die vor kurzem sogar bei der Sonntagsfrage bei 3% gesehen wurde. Die Wähler wollen aber sich vertreten sehen und nicht einer Partei an die Regierung verhelfen, die ihre ureigensten Parteitugenden verrät. Die FDP steht eigentlich seit je her für eine liberale Politik. Nicht nur in der Wirtschaft und in Sachen Steuern, sondern auch bei den Bürgerrechten. Nicht umsonst haben einige Liberale wie Gerhart Baum in den letzten Jahren stetig vor dem Bundesverfassungsgericht Bürgerrechte eingeklagt. Die Justizministerin täte gut daran, sich an Baum ein Beispiel zu nehmen und für die Wahrung der Bürgerrechte vorbehaltlos einzustehen. Stattdessen gibt es keinen Kommentar von ihr: 

Im April beschloss der FDP-Parteitag in Köln, dass im Swift-Abkommen die Datenübermittlung "in Paketen" ausgeschlossen werden soll. "Die FDP lehnt einen präventiven Datenaustausch ab." Den Antrag hatte Leutheusser-Schnarrenberger vorbereitet. Nun geht sie auf Tauchstation.

Das, liebe Justizministerin und liebe FDPler, ist allerdings genau das Falsche, was man nun tun kann.

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Endlich! "Regierung testet Fußfesseln"

Heute erfreute eine Überschrift bei FTD.de meine geschundenen Äuglein: 

Statt Sicherheitsverwahrung: Regierung testet Fußfessel

Prima, dachte ich! Endlich mal ein wirklich unterstützenswertes Vorhaben der Regierung und sicherlich als Selbstbestrafung für die räudige Politik, die unsere Regierung derzeit abliefert. Aber leider war das nur eine verkürzte Darstellung des Themas. Denn nicht die Regierung testet die Fußfesseln selbst, sondern sie sorgen lediglich dafür, daß andere das tun:

Die Bundesregierung hat sich auf eine Reform der umstrittenen Sicherungsverwahrung geeinigt. Das Kabinett beschloss am Mittwoch Eckpunkte für ein neues Gesetz von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP). Zugleich sollen Möglichkeiten geprüft werden, freigelassene und weiterhin als gefährlich geltende Gewalt- und Sexualtäter per elektronischer Fußfessel zu überwachen.

Schade. Ich hatte mir erst Hoffnung gemacht... ;-)

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SWIFT reloaded soll durchgepeitscht werden

Anfang des Jahres hatte das EU-Parlament das SWIFT-Abkommen der EU-Kommission, das diese kurz vor Inkrafttreten des EU-Vertrages verabschiedet hatte, kurzerhand mit recht deutlicher Mehrheit kassiert. Auch entgegen anderslautender Vermutungen auf Seiten der konservativen, sicherheitsvernarrten Politiker ging die Welt nicht in einem Terror-Chaos unter und wir leben alle noch. Kurz darauf begannen die Verhandlungen über ein neues SWIFT-Abkommen, daß die EU-Kommission nun erneut durchpeitschen will, obwohl sich bei dem neuen Entwurf kaum etwas inhaltlich getan hat. Geschweige denn, daß die Kritik ernstgenommen und wesentliche Mängel abgestellt wurden.

Das Schlimme daran ist aber nun auch, daß die EU-Kommission das Vorhaben erneut durch die Instanzen peitschen. In diesem Fall soll der EU-Verkehrsministerrat das Vorhaben vor der Sommerpause abnicken, wie Jan Albrecht und Alex Alvaro berichten: 

Das ist echt nicht wahr: Rat und Kommission wollen #SWIFT-Abkommen Donnerstag durch den Verkehrsministerrat jagen! #EU

Council prepares to decide #SWIFT-Agreement in Transport (!) Council this thursday. As rapporteur I do not support this at all. I'm angry!

Nun könnte man denken "nunja, es geht ja auch schließlich um den interkontinentalen Verkehr von Bankdaten...", aber wie erst kann man eine EU-Kommission nehmen, die zu solchen Mitteln greift und wichtige Themen in irgendeinem Rat abnicken läßt, der eigentlich thematisch ganz und gar nicht zuständig ist?

Bei Politik-Digital.de gibt es auch einen schönen Artikel zum Thema, wo man sieht, wie verschroben und hinterhältig die EU-Kommission agiert:

Als Fortschritt bezeichnet die EU-Kommission, dass die Datenübermittlung jetzt durch die EU-Polizeibehörde EuroPol kontrolliert werden soll. Doch hierbei wird der Bock zum Gärtner gemacht,  denn das Abkommen erlaubt es der Behörde, auf Kontodaten, die in die USA übertragen wurden zuzugreifen, was sie in Europa nicht darf. Eine effektive Kontrollinstanz wird die Behörde somit wohl kaum werden, denn das Eigeninteresse an den Daten dürfte wohl häufig überwiegen.

Die Vermutung lag ja bereits beim alten SWIFT-Abkommen nahe, daß sich die Polizeibehörden der EU über den Umweg der USA an den Bankdaten vergreifen, weil sie das direkt in der EU aus Datenschutzgründen nicht dürfen, aber daß es nun so offensichtlich gemacht wird, schlägt eigentlich dem Faß den Boden aus. Unglaublich.

Es bleibt zu hoffen, daß auch dieses Mal das EU-Parlament das Abkommen ablehnen und nun endgültig begraben wird.

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Verfassungsbeschwerde #Zensus11

Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zu der Zeit, da Cyrenius Landpfleger von Syrien war. Und jedermann ging, daß er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt.

Das ist wohl die weltweit bekannteste Volkszählung in der Geschichte der Menschheit. Sie ist der Anfang der Weihnachtsgeschichte nach Lukas. Eine andere, weithin bekannte Geschichte über eine Volkszählung hat ihren Ursprung im Jahre 1983. Damals ging wieder ein Gebot aus, auf das sich das Volk schätzen lassen sollte. Aber das Volk wollte nicht so recht. Und so endete das Vorhaben dann nicht unter dem Weihnachtsbaum, aber dennoch mit einem riesen großen Geschenk: Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) schenkte uns damals das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung in einem wegweisenden Grundsatzurteil zur Volkszählung. Weithin bekannt als Volkszählungsurteil.

Für das Jahr 2011 hat der Bund erneut eine Volkszählung vorgesehen. Dieses Mal sollen die Daten aber nicht flächendeckend erhoben werden, indem Beamte von Tür zu Tür gehen und Fragebögen ausfüllen, sondern es sollen verschiedene Datenbanken erstmalig zu einer zentralen Datenbank zusammengeführt werden.

Im Rahmen der Volkszählung 2011 werden die Daten aller Bürgerinnen und Bürger erstmalig in einer einzigen zentralen Datenbank zusammengeführt und ausgewertet. Quellen für diese enorme Datenbank sind u.a. Datensammlungen der Meldeämter und der Bundesagentur für Arbeit. Diese Datenbank wird neben Namen und Anschrift Details zu nichtehelichen Lebensgemeinschaften, Telefonnummern und Mitgliedschaften in Religionsgemeinschaften umfassen.

Doch genau das hat ja das BVerfG in seinem Grundsatzurteil 1983 untersagt: 

„Mit dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung wären eine Gesellschaftsordnung und eine diese ermöglichende Rechtsordnung nicht vereinbar, in der Bürger nicht mehr wissen können, wer was wann und bei welcher Gelegenheit über sie weiß. Wer unsicher ist, ob abweichende Verhaltensweisen jederzeit notiert und als Information dauerhaft gespeichert, verwendet oder weitergegeben werden, wird versuchen, nicht durch solche Verhaltensweisen aufzufallen. […] Dies würde nicht nur die individuellen Entfaltungschancen des Einzelnen beeinträchtigen, sondern auch das Gemeinwohl, weil Selbstbestimmung eine elementare Funktionsbedingung eines auf Handlungsfähigkeit und Mitwirkungsfähigkeit seiner Bürger begründeten freiheitlichen demokratischen Gemeinwesens ist. Hieraus folgt: Freie Entfaltung der Persönlichkeit setzt unter den modernen Bedingungen der Datenverarbeitung den Schutz des Einzelnen gegen unbegrenzte Erhebung, Speicherung, Verwendung und Weitergabe seiner persönlichen Daten voraus. Dieser Schutz ist daher von dem Grundrecht des Art 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art 1 Abs. 1 GG umfasst. Das Grundrecht gewährleistet insoweit die Befugnis des Einzelnen, grundsätzlich selbst über die Preisgabe und Verwendung seiner persönlichen Daten zu bestimmen.“

Daraus folgt, daß der Staat eben nicht beliebig Daten über seine Bürger erheben und zentral speichern und zusammenführen darf. Eine einheitliche Personenkennziffer ist somit nicht mit dem Grundgesetz bzw. dem Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung vereinbar.

Es ist fast so, als wenn der Bund das Urteil von 1983 vergessen hat. Andernfalls müsste man Absicht in das Ignorieren des Volkszählungsurteils unterstellen. Aus diesem Grund hat der AK Vorrat eine Verfassungsklage vorbereit - mal wieder. Eine entsprechende Informationsseite ist auch verfügbar: 

http://zensus11.de

Man kann auch seine Unterstützung signalisieren und die Verfassungsbeschwerde online mitzeichnen. Wie bereits bekannt, ist das massenhafte Mitzeichnen natürlich nur eine symbolische Aktion, denn es reicht bereits eine einzelne erfolgreiche Klage, um das Vorhaben zu stoppen. Aber von einer zahlreichen Unterstützung der Beschwerde geht natürlich auch ein politisches Signal aus, das nicht zu unterschätzen ist. Also beteiligt euch bitte zahlreich an der Beschwerde und informiert auch Bekannte, Verwandte und Freunde!

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