Ufffz... aufregende Zeiten, in denen wir derzeit leben! Gestern hat der Bundestag mit der Mehrheit der großen Koalition der Zensurgesetz beschlossen. 'Tschuldigung. Zensur findet ja nicht statt. Also: Gestern hat der Bundestag mit der Mehrheit der großen Koalition das Zugangserschwerungsgesetz beschlossen.
Da man das Geschehene erstmal sacken lassen musste und es so reichlich viele Reaktion seit gestern abend gab, daß man kaum mit Lesen hinterher kam, geschweige denn mit dem Kommentieren oder gar dem eigenen Schreiben von Artikeln. ;-)
Aber der Reihe nach:
Bundestag beschließt Zugangserschwerungsgesetz
Wie verschiedene Seiten bereits berichtet haben, wurde gestern mit Hilfe der Stimmen der großen Koalition die Einführung einer Zensur-Infrastruktur beschlossen.
Die vorangegangene Diskussion im Plenum war, nunja, durchaus aufschlußreich. Während Martina Krogmann, CDU in ihrer Rede behauptet (bei ca. 3:00 min) , daß das Gesetz nur für Kinderpornografie gedacht ist und entsprechend ausgelegt sei. Somit kämen andere zu filternde Inhalte nicht in Betracht.
Renate Gradistanac, SPD sagt aber sehr deutlich gleich zu Beginn ihrer Rede, daß die Beschränkung auf Kinderpornografie zwar von der aktuellen Regierung ins Gesetz geschrieben wurde, aber es ja nicht auszuschliessen sei, daß die nachfolgende Regierung das Gesetz erweitert: "... was die nach uns machen, das ist in ihrer Verantwortung...". Damit ist der Fahrplan für die nächste Regierung schon gestellt.
Im übrigen kam es auch noch, wie ich finde, zu einer ziemlich Frechheit von Martin Dörmann, SPD (bei ca. 2:55) gegenüber seinem Parteikollegen Jörg Tauss, bei der er von allen anderen MdBs Zwischenfragen erlaubt, bloß nicht von Tauss, den er "heute nicht hören möchte".
Darüber hinaus waren die Reden von Max Stadler, FDP, Wolfgang Wieland, B90/Grüne und auch Jörg Tauss, SPD lohnenswert zu hören.
Achja, und wer glaubt, daß das Gesetz nur auf Kinderpornografie (Mißbrauchsdokumentation) beschränkt bleiben soll bzw. wird, der kann ja mal schauen, was der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Strobl dazu meint.
Reaktionen im Netz
Natürlich ließen die Reaktion im und aus dem Netz nicht lange auf sich warten. Bereits während der Debatte wurde bei Twitter fleißig kommentiert. Doch auch danach dauerte es nicht lange, bis erste Reaktionen kamen:
Wie man sieht, war und ist ziemlich was los im Netz und es steht zu hoffen, daß die derzeitige Politisierung der Community anhält und die diesjährige Bundestagswahl interessant machen wird. Natürlich gab es noch viel mehr, aber ich denke, daß dieser Querschnitt schon zeigt, in welche Richtung das Ganze nun geht. Die von AK-Zensur und Franziska Heine bereits angekündigte Verfassungsklage ist sicherlich der nächste logische Schritt. Aber auch so ist damit zu rechnen, daß die Politiker nicht so weitermachen können wie bisher, denn da die gestrige Abstimmung eine namentliche Abstimmung war, kann nun jeder überlegen, ob er im Herbst die Politiker, die diesen Unfug zu verantworten haben, nochmal erneut im Bundestag sehen will.
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